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Der Rotmilan - ein echter Europäer

Fotos von Maik Sommerhage (zum Vergrößern auf Miniaturen klicken)
 

Aktuell: Filmaufnahme über die sogenannte Franzosenstraße (Altstraßenzug in Waldhessen) und die dort lebenden Rotmilane. Weitere Naturaufnahmen finden sich im Youtube-Kanal der HGON.



Der Rotmilan ist ein echter Europäer!


Sein global betrachtet kleines Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Frankreich bis nach Deutschland und Polen sowie Südschweden. Die Hauptverbreitung im Weltmaßstab besitzt der eleganteste heimische Greifvogel in Deutschland. Innerhalb Deutschlands ist die Art im besonderen Maße in Mittel- und Ostdeutschland vertreten. Die höchsten Dichten weltweit werden im nordöstlichen Harzvorland, aber auch in einigen Teilen Hessens erreicht. So kommt es, dass einer der seltensten Vogelarten der Welt in Waldeck-Frankenberg noch zum fast alltäglichen Anblick gehört.


Bestand


Der Weltbestand dieses eindrucksvollen Vogels besteht aus lediglich 20.000 bis 25.000 Paaren, die fast ausschließlich in Europa brüten. In Deutschland leben etwa 10.000 bis 13.000 Paare, und somit rund die Hälfte des Weltvorkommens. Aufgrund dieses Verbreitungsbildes ist der Rotmilan im Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie der Europäischen Union aufgeführt. Für keine andere Vogelart ist die Verantwortung Deutschlands für den globalen Erhalt so hoch wie für den Rotmilan!


Dabei ist die Art vielfältigen Gefahren ausgesetzt, in erster Linie durch die Intensivierung der Landwirtschaft (u. a. durch Grünlandumbrüche und der “Vermaisung der Landschaft”) sowie durch Umstrukturierungen in der Forstwirtschaft.
 
Von den 10.000 bis 13.000 Paaren in Deutschland beherbergt Hessen einen Brutbestand von etwa 1.000 bis 1.300 Paaren und damit zehn Prozent des deutschen und bzw. fünf Prozent des weltweiten Bestandes. In Hessen weisen der Vogelsberg und Teile Nordhessens im weltweiten Maßstab hohe bis sehr hohe Dichten auf. Gemäß dem hessischen Artenhilfskonzepts zum Rotmilan (GELPKE u. HORMANN 2012) beherbergt Waldeck-Frankenberg als flächengrößter Landkreis des Bundeslandes ca. 150 Paare. Entsprechend groß ist die Verantwortung gegenüber dieser Art.



Fotos von Dieter Bark (zum Vergrößern auf Miniaturen klicken)

 


Verbreitungsschwerpunkte in den Mittelgebirgen


Nach den Ergebnissen u. a. von GELPKE u. HORMANN (2012) nimmt die Siedlungsdichte des Rotmilans mit steigender Höhenlage zu. Die höchsten Siedlungsdichten und die größten Bruterfolge werden in den grünlandreichen höheren Lagen festgestellt; in Waldeck-Frankenberg gehören dazu u. a. der Kellerwald, das Rothaargebirge und das Upland. Während der Grünlandanteil in den Niederungen / Talbereichen bei etwa zehn Prozent lag, ist er in den Höhenlagen ab 350 Meter über NN punktuell mehr als doppelt so hoch. Dem Grünlandanteil kommt also eine hohe Bedeutung zu. Dabei ist ein Mosaik aus beweideten Flächen und oft gemähten Silagewiesen, aber auch einem gewissen Anteil extensiv bewirtschafteter Mähwiesen nach den Erfahrungen aus dem Knüll optimal. Mit steigendem Getreideanteil geht der Anteil erfolgreicher Paare hingegen zurück.


Gefährdung


Der Rotmilan ist besonders durch die weitere Intensivierung der Landwirtschaft gefährdet, neben Grünlandumbruch/Vermaisung vor allem durch die vermehrte Anwendung von Pestiziden, besonders Rodentiziden (Rückgang an Nagetieren, aber auch direkte Vergiftungen)


Neben weiteren vielfältigen Gefährdungsursachen wie der illegalen Nachstellung, Freileitungen und Verkehrsverlusten steht der Rotmilan im Zusammenhang mit dem Ausbau der Windenergie derzeit im Fokus zahlreicher Diskussionen, auch in Waldeck-Frankenberg. Hinweise auf tödliche Kollisionen von Rotmilanen mit Windenergieanlagen sind, gemessen an der geringen Zahl von Nachsuchen sowie der relativ kleinen Zahl der Milane,  vergleichsweise häufig.


Als Ursache für die fehlende Scheuchwirkung wird das attraktive Nahrungsangebot vermutet: Im Bereich des Anlagenfußes von Windrädern ist die Nahrung (Kleinsäuger) durch die dortige kurze Vegetation besser verfügbar als in den umliegenden Feldern mit hoher Pflanzendecke. Die Anlagen üben auf die Rotmilane somit anscheinend indirekt eine gewisse Attraktivität aus.



Literatur:

GELPKE, C. u. M. HORMANN (2010): Artenhilfskonzept Rotmilan (Milvus milvus) in Hessen. Gutachten im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Echzell. 115 S. + Anhang (21 S.).

 

Rotmilan-Internetseite von HGON und Stiftung Hessischer Naturschutz. Neben vielen Angaben zu Bestand, Trends und Bedrohungen der ‚Gabelweihe‘ kann hier der Zug von vier Rotmilanen aus Hessen live verfolgt werden.