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NSG Alter Hagen bei Willingen

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Erstausweisung: 1989
Gemeinde: Willingen (Willingen)
MTB 4717
Schutzgrund: Bot, Öko
Größe: 143,55 ha
Teil von FFH-Gebiet „NSG-Komplex bei
Willingen" Nr. 4718-301

 


Lage und Besonderheiten
Im 16. und 17. Jahrhundert stand am Alten Hagen eine Eisenhütte, deren genaue Lage nicht geklärt ist. Wahrscheinlich gehen die offenen Wiesenbereiche auf den Hüttenbetrieb zurück.

 

Das NSG umfasst den Quellbereich und die Seitentäler der Itter. Die Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen bildet seine westliche und südliche Grenze, die auf der Wasserscheide verläuft. Der Bereich um den nördlichen Seitenbach trägt den Namen „Paradies". Den zentralen Schutzgrund des Gebietes bilden die sumpfigen Talauen, Moorwiesen und Bruchwaldpartien.

 

Besucherhinweis:

Durch den unteren Bereich des Alten Hagens führt der Fernwanderweg X 15. Einen Einblick in den NSG-Teil „Paradies" gewinnt man vom örtlichen Wanderweg W l aus.

 

 

 

Kurzübersicht Pflanzenwelt

In eindrucksvollerweise Weise ist der Wandel vom Birkenbruchwald über gemischte Birken-Erlenbrüche in Erlenbruchwald zu beobachten. Im oberen Bereich des Alten Hagens ist die Moor-Birke Hauptart der Bruchwälder. Hinzu kommen Eberesche, Faulbaum und vereinzelt die Schwarz-Erle. Die Bestände gehören pflanzensoziologisch zu den Moorbirken-Wäldern. Ihre montane Ausprägung wird angezeigt durch Arten wie Wald-Hainsimse (Luzula sylvatica) und Europäischer Siebenstern (Trientalis europaea), eine boreale Art.

 

In den Übergangsbereichen des Moorbirken-Waldes zum Erlen-Bruchwald wächst das seltene, nordische Purpur-Reitgras (Calamagrostis phragmitoides). Das Eiszeitrelikt hat sein größtes Vorkommen im NSG „Jägers Weinberg".

 

Zwischen Bereichen mit Fichtenaufforstungen haben sich nur noch Reste des einstigen farn- und bärlappreichen Buchenhochwaldes erhalten.

 

Die Braunseggen-Sümpfe entlang der Itter besitzen einen hohen Artenreichtum. An sehr nassen Stellen wachsen Grau- und Braun-Segge (Carex canescens, C. nigra), Sumpfblutauge (Potentilla palustris), Torfmoose und Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angusti-folium). Sowohl in den Braunseggen-Rasen als auch in den sumpfigen Wiesen kommen Fuchs-Knabenkraut (Dactylorrhiza fuchsii), Breitblättriges Knabenkraut (D. majalis) sowie ein Bastard aus beiden Arten vor. Neben Feuchtwiesen (Sumpfdotterblumen-Gesellschaften und Pfeifengras-Rasen), die mit Hochstaudenfluren verzahnt sind, kommen auch Glatthafer- und Goldhafer-Wiesen vor.

 

Viele Wiesen haben nach Aussetzung der Nutzung ihre Artenzusammensetzung gewandelt. Ausgedehnte Flächen sind mit Himbeeren (Rubus idaeus) bewachsen. In stärker vernässten Bereichen dominiert der Schlangen-Wiesenknöterich (Bistorta officinalis). Vor allem im Seitental der Itter wachsen kleinere Bestände der Spitzblütigen Binse (juncus acutiflorus). Ihre dunkelgrüne Farbe hebt sich deutlich von den benachbarten Wiesenbereichen ab.

 

Die als Weiden genutzten Wiesen unterhalb des Alten Hagens entlang der Hermecke und Itter sind wegen der bachbegleitenden Ufervegetation in das NSG einbezogen worden. Hier gedeiht Blauer Eisenhut (Aconitum napellus). An den Hängen sind artenreiche Bergwiesen mit Wald-Storchschnabel (Geron/um sylvaticum) und SchwarzerTeufelskralle (Phyteuma nigrum) erhalten.

 

Als botanische Kostbarkeiten im Alten Hagen gelten Korallenwurz (Corallorrhiza trifida) und Platanenblättriger Hahnenfuß (Ranunculus platanifolius), die beide im Kreisgebiet vom Aussterben bedroht sind. Die in Moos- und Torfrasen aufwachsende Orchidee Korallenwurz ist während ihrer gesamten Wachstumszeit auf Pilze angewiesen, die ihr Nährstoffe liefern. Der Platanenblättrige Hahnenfuß, eine präalpine Art, kommt nur im Waldeckischen Upland in einem abgesprengten Teilareal an ihrer nordwestlichen Verbreitungsgrenze vor.

 

 

Kurzübersicht Tierwelt

Aus der Vogelwelt des NSG sind die Brutvor-kommen von Raufußkauz und Waldschnepfe bedeutsam.

 

In den Bächen kommen Groppe, eine Fischart, und die Bachforelle vor.

 

Beispiele für die reiche Wirbellosenfauna sind: Flussnapfschnecke (Ancyllus fluviatilis) und die bedrohte Dunkers Quellschnecke (Bythinella dunkeri).

 

Die Fauna der Bäche zeigt eine gute Wasserqualität an. Die Amphibien sind mit Grasfrosch, Erdkröte und Feuersalamander vertreten. Als Reptilienart wurde die Bergeidechse nachgewiesen.

 

71 Schmetterlingsarten (darunter 27 Tagfalter) konnten bisher registriert werden. Überwiegend handelt es sich um Arten der kühl-feuchten Bergwiesentäler: z. B. Dukaten-Feuerfalter, Mädesüß-Perlmuttfalter, Großer Schillerfalter und eine große Population des Wegerichbärs (Parasemia plantaginis). Im Alten Hagen gelang auch der einzige Nachweis des Goldrutenwicklers (Pelochrista decolorana) in Hessen.

 

Die Libellenfauna wird hauptsächlich von der an klare, stark durchströmte, naturnahe Bäche gebundenen Blauflügel-Prachtlibelle geprägt.

 


Klicken Sie auf die Miniaturen, um sie zu vergrößern.



Genauere Informationen zu

Flora, Fauna und Insektenwelt

des Naturschutzgebietes finden sich

auf den Seiten 122 - 123 in:
„Naturschutzgebiete in Hessen“, Band 4:

Waldeck Frankenberg und Nationalpark Kellerwald-Edersee

 

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