Rezension: Jahrbuch Naturschutz in Hessen 2018

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Themenvielfalt zum Naturschutz in Hessen

Jahrbuch Naturschutz in Hessen Bd.17/2018, Hrsg. Nordhessische Gesellschaft für Naturkunde und Naturwissenschaften (NGNN) e. V.
cognitio Verlag Niedenstein, 182 S., ISBN 978-3-932583-48-3, 14,50 €, für Abonnenten 12,50 €

 

tl_files/fM_k0002/Bilder_Rezensionen/Naturschutz in Hessen 2018.jpgDie Themenvielfalt des unter neuer Regie erstellten Jahrbuchs ist bemerkenswert! Die Gliederung in acht Bereiche erleichtert die Orientierung. Diese zeigen bereits die inhaltliche Breite:

1.    Landschaften, Lebensräume und Arten
2.    Umwelt, Klima, Geologie und Boden
3.    Naturerlebnis und Umweltbildung
4.    Praxisnahe Forschung
5.    Verbände und Verwaltung
6.    Kurz berichtet
7.    Persönliches
8.    Schriftenschau


Neu ist die Rubrik „Praxisnahe Forschung“, eine gewisse Überschneidung mit dem ersten Themenbereich, aber auf diese Weise wird die Bedeutung von Forschungsarbeiten für den praktischen Naturschutz unterstrichen.

Dem Kreis Waldeck-Frankenberg ist in dieser Ausgabe ein regionaler Schwerpunkt gewidmet. Ihn betreffen insgesamt zehn von 40 Beiträgen. Allein sieben Artikel sind aus der Forschungsarbeit im Nationalpark Kellerwald-Edersee erwachsen. Hinzu kommen zwei Beiträge über den Geopark „GrenzWelten“ und ein Bericht über die Wiederansiedlung der Gelbbauchunke.


Zur Forschungsarbeit im Nationalpark gibt Achim Frede einen eindrucksvollen Bericht: „Naturwaldforschung und Monitoring im Nationalpark Kellerwald-Edersee – ein Überblick über den Stand seit Gründung des Schutzgebiets“. Darin zeigt sich, dass neben der Forschung von Wissenschaftlern auch die ehrenamtliche Arbeit einen wichtigen Anteil an der Kenntnis über das Arteninventar hat.


Außerdem berichtet Achim Frede über das erste Forschungssymposium Wildnis und Wald im Nationalpark, das 2016 stattgefunden hat.


Der Artikel von Olaf Simon, Günter Hoenselaar und Torsten Daume über das elfjährige Wildkatzen-Monitoring mit Hilfe der Lockstock-Methode belegt eine Zunahme der Beobachtungen dieser Tierart im Nationalpark. Je nachdem ob peripher lebende Katzen einbezogen werden, ergibt sich für das Jahr 2017 eine Dichte von 3,4 bis 5,9 Tieren pro 10 qkm. Eine Kätzin konnte über zehn Jahre hinweg nachgewiesen werden.


Ob die Wildkatze tatsächlich 50 Jahre aus dem Kellerwald verschwunden war, kann bezweifelt werden. Wahrscheinlich gab es eine kleine Restpopulation, die sich wieder vergrößert und ausgebreitet hat.
Die Vorkommen der Gestreiften Quelljungfer an den Quellbächen der hessischen Mittelgebirge dokumentiert Jochen Tamm. Die Verbreitungskarte zeigt einen Schwerpunkt im Nationalpark. Hessen hat für die Erhaltung dieser seltenen Libellenart eine besondere Verantwortung.


Rindenwanzen sind Indikatoren für eine natürliche Waldentwicklung. Ihnen ist ein Beitrag von Carsten Morkel gewidmet. Die Graubraune Rindenwanze und die Serbische Rindenwanze zeigen eine lange Habitattradition im Nationalpark an. Die Serbische Rindenwanze gilt sogar als Urwaldrelikt.


Spannend ist die Sukzessionsentwicklung auf den Windwurfflächen, die im Jahr 2007 durch den Orkan Kyrill im Nationalpark entstanden sind. Aus ornithologischer Sicht hat sich im Jahr 2008 diesen unterschiedlich strukturierten Bereichen bereits Daniel Seitz gewidmet (s. Vogelkundliche Hefte Edertal, 37/2011, S. 6-24).
Im vorliegenden Jahrbuch berichten nun Jasmin Möller, Wolfgang Goebel, Olaf Simon und Michaela Dölle über die Gehölzetablierung und Bodenvegetation auf diesen Flächen. Ein Aspekt ist dabei der Einfluss des Wildes auf die Sukzession.


Über eine zweite historische Wolfsgrube im Nationalpark berichten Thomas Blumenstein, Werner Fortmann-Valtink, Günter Hoenselaar, Andreas Mölder und Marcus Schmidt. Lange bekannt ist die Wolfsgrube im Forstort Ruhlauber. Nun wurde eine zweite im Bereich der mittelalterlichen Wüstung Dennighausen entdeckt.


Über die Wiederansiedlung der Gelbbauchunke im Kreis Waldeck-Frankenberg berichten Harald Nicolay, Hartmut Kaiser und Gabriele Nicolay. Die Population hat sich in der ehemaligen Tongrube von Reddighausen etabliert.
Einen Überblick der Geotope und Geo-Landschaften ( Mindestgröße 20 Hektar) des Nationalen Geoparks „GrenzWelten“ gibt Norbert Panek. Eines der Geotope ist der Steinbruch „Hohenäcker bei Frankenberg, eine Fossilienfundstätte von Weltrang. Dieses stellen Norbert Panek und Hartmut Kaufmann vor.

Auch das diesjährige Jahrbuch vermittelt wieder interessante Einblicke in die Natur, gibt Anregungen für die Naturschutzpraxis und liefert Argumente für Diskussionen über Naturschutz. Exemplarisch für den letzten Aspekt mag der Beitrag von Norbert Panek zum Thema Totholz in hessischen Wäldern stehen.

Das Wirken des Ehepaares Nitsche würdigt Cornelia Becker.
Zum Dank für Ihre langjährige Naturschutzarbeit, insbesondere ihre zahlreichen Publikationen, wurden Sieglinde und Lothar Nitsche anlässlich der Vorstellung des neuen Jahrbuchs am 21. November 2018 im Kasseler Naturkundemuseum zu Ehrenmitgliedern der NGNN ernannt. Eine besondere Freude dürfte es für Lothar Nitsche sein, dass er mit Marcus Schmidt einen engagierten Nachfolger als Schriftleiter des Jahrbuchs gewinnen konnte.

Wolfgang Lübcke

 

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