Rezension: Die Federn der Vögel Mitteleuropas

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Ornithologische Themen originell angepackt!

BEZZEL, E. /2019): 55 Irrtümer über Vögel. AULA Verlag Wiebelsheim, 300 S., ISBN 978-3-89104-819-1, 19,95 €

 

tl_files/fM_k0002/Bilder_Rezensionen/55 Irrtuemer ueber Voegel.jpgUm es gleich zu sagen, dieses Buch ist zwar verständlich geschrieben, bietet aber eine fachlich anspruchsvolle Kost. Die Informationsfülle und die daraus abgeleiteten gedanklichen Entwicklungen erfordern konzentriertes Lesen.

Einhard Bezzel war Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen und ist als Verfasser zahlreicher Publikationen einer der produktivsten und engagiertesten deutschen Ornithologen. Er war unter anderem Schriftleiter des „Journal für Ornithologie“, ist Mitautor des zweibändigen „Kompendium der Vögel Mitteleuropas“, hat den Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) mitgegründet, war Generalsekretär der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern und Vizepräsident der Deutschen Ornithologengesellschaft (DOG). Kurzum, der Autor bringt die vielfältigsten beruflichen und ehrenamtlichen Erfahrungen in sein neues Buch ein.  

Für diese Publikation hat er ein originelles Konzept zugrunde gelegt. Er hat plakativ 55 Irrtümer über Vögel formuliert, mit denen er sich auseinandersetzt. Dabei sind den 13 thematischen Kapiteln stets mehrere Irrtümer zugeordnet, zum Beispiel gleich neun zum ersten Kapitel „Stunde der Gartenvögel“. Dieses wiederum hat drei Teilthemen: Die NABU-Aktion, naturnahe Gartengestaltung sowie die Vogelfütterung. So bietet das Buch insgesamt eine bemerkenswerte inhaltliche Breite. Den Texten liegen umfangreiche Recherchen zugrunde mit Befunden aus dem In- und Ausland. Bezzel diskutiert aktuelle Befunde der Forschung, benennt ungelöste Fragen, beschreibt komplexe Zusammenhänge und warnt immer wieder vor Vereinfachungen. Öfters finden sich Querverweise innerhalb des Buches.

Die Lektüre ist sehr anregend für alle, die sich dem Natur- und Vogelschutz verschrieben haben und für Leser, die sich vertieft mit der Ornithologie beschäftigen wollen. Feldornithologen sei besonders das Kapitel „Jeder Vogel zählt“ empfohlen, das kritisch Siedlungsdichteuntersuchungen auf relativ kleinen Flächen kommentiert, bei denen alle Arten nach der selben Methode erfasst werden. Zugleich stellt er die Bedeutung großräumiger Erfassungsprogramme heraus wie das „Monitoring häufiger Brutvögel in der Normallandschaft“.

Ungewöhnlich ist in heutiger Zeit, dass das Buch kein einziges Farbbild enthält, sondern 14 ansprechende Schwarz-Weiß-Bilder aus dem 19.Jahrhundert, zum Beispiel aus der Zeitschrift „Gartenlaube“. Der Verzicht auf Farbfotos hat sich wohl günstig auf den Verkaufspreis ausgewirkt.

Wolfgang Lübcke