Rezension: Die Federn der Vögel Mitteleuropas

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Nur eine Vogelfeder?

BERGMANN, H.-H. (2018): Die Federn der Vögel Mitteleuropas. 2., erweiterte u. überarbeitete Auflage. AULA-Verlag Wiebelsheim. ISBN 978-3-89104-812-2, 49,95 €, 768 S., 370 farbige Abbildungen, 337 Federtafeln

 

tl_files/fM_k0002/Bilder_Rezensionen/Bergmann Federn der Voegel Europas zweite Auflage.jpgDie Bestimmung von Vogelfedern ist eine wichtige, aber sicher noch zu wenig genutzte Möglichkeit, Rupfungen oder Funde von Mauserfedern für die avifaunistische Arbeit heranzuziehen. Beispielweise ist das Haselhuhn schwer zu beobachten. Durch Funde von gemausertem Kleingefieder an Sandbadestellen (Huderpfannen) lässt sich aber seine Anwesenheit belegen (s. BERGMANN in VHE 32/2006, S. 13-21).

Federfunde seltener Arten sollten an die Avifaunistische Kommission des jeweiligen Bundeslandes (in Hessen AKH) oder an die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) gemeldet werden.

 

Das Interesse vieler Ornithologen an der Bestimmung von Vogelfedern ist erfreulich. So war  die zweite Auflage schon relativ kurz nach der 2015 erschienenen ersten Auflage möglich. Viele, die sich seit Jahrzehnten der Ornithologie verschrieben haben, mögen sich an ihre eigene Federsammlung erinnern, die sie vielleicht einmal in ihrer Schülerzeit angelegt haben, unbeschwert von der heutigen Regelung, dass die Aneignung von Federn der Genehmigung  durch die zuständige Naturschutzbehörde bedarf.

 

Auch der Autor hat seine erste Federsammlung in einem Schulheft angelegt.

Heute verfügt er über eine umfangreiche Sammlung, die wissenschaftlichen Zwecken dient. Dank seiner vielfältigen Kontakte konnte er Kenntnislücken seines eigenen Bestands schließen.

 

In die zweite Auflage wurden mehr als 30 Vogelarten neu aufgenommen, so dass insgesamt 330 mitteleuropäische Arten abgehandelt werden können. Einige Arten, für die inzwischen bessere Federbelege vorliegen, werden neu dargestellt. Eine weitere Optimierung ist die Abbildung der Federn vieler kleinerer Arten im Maßstab 1:1. Das erleichtert deren Bestimmung im Tafel-Teil.

 

Wenn ich ein solches Nachschlagewerk zur Hand nehme, schaue ich mir gern exemplarisch das Kapitel einer Art an, die ich gut kenne, das ist bei mir die Wacholderdrossel: Text S. 329, Federtafel S. 674.

Zunächst ein Blick auf die ganzseitige Tafel: Sie zeigt neben Beispielen aus dem Großgefieder, charakteristische Kleinfedern der Unterschwanzdecken und der Flanken. Ein Kurztext weist auf Unterschiede zu Sing-, Rot- und Misteldrossel hin.

Auf eineinhalb Seiten werden die einzelnen Federtypen sehr detailliert und genau beschrieben, mit Maßangaben und Hinweisen auf Altersunterschiede.

Informationen zum Vorkommen der Wacholderdrossel und zur Mauser sowie ähnlichen Arten runden den Textteil ab.

 

Das voluminöse Handbuch ist sicher die beste Informationsquelle zur Bestimmung von Federn. Eine Fleißarbeit, die aufgrund ihrer Akribie und Exaktheit allergrößten Respekt verdient, zumal wenn man weiß, dass der Schwerpunkt der Arbeit des Autors eigentlich in der Bioakustik liegt und er den Vogelstimmen ebenfalls sehr gewichtige Publikationen gewidmet hat.

Wolfgang Lübcke

 

 

 

Pressebericht, WLZ, 10.08.2018: Neues Buch nicht gerade federleicht - Professor Bergmann aus Mengeringhausen beschreibt die „Federn der Vögel Mitteleuropas“ (PDF)