Persönliches

Würdigungen, Ehrungen, Jubiläen, Presseberichte und Nachrufe verdienter Naturschutzakteure im Landkreis

 

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Heinz-Günther Schneider erhält Freiherr-vom-Stein-Plakette (2017)

HNA, 24.06.2017:

 

„Herausragendes Lebenswerk“ - Laisaer Heinz-Günther Schneider erhielt für über 40-jähriges Engagement die Freiherr-vom-Stein-Plakette (PDF)

 

V O N  T H O M A S H O F F M E I S T E R


LAISA. Hohe Ehrung für Heinz-Günther Schneider: Der hessische Innenminister Peter Beuth hat das über 40-jährige kommunalpolitische und ehrenamtliche Engagement des langjährigen Stadtverordnetenvorstehers und SPD-Fraktionsvorsitzenden aus Laisa mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette gewürdigt.

Die Freiherr-vom-Stein-Plakette sei in den letzten sieben Jahren nur an 17 Personen verliehen worden, sagte Minister Beuth über die höchste Auszeichnung, die das Land für kommunale Verdienste verleihen kann. Eine dieser 17 Personen ist der Erste Stadtrat Georg Röse, der die Auszeichnung 2015 erhielt.

„Unter den engagierten Menschen gibt es solche, die das mit besonderer Hingabe und unglaublicher Ausdauer machen“, sagte Minister Beuth in seiner Laudatio im DGH in Laisa. Kommunalpolitik sei der Bereich, der die Menschen im Ort unmittelbar betreffe. Das machte der Innenminister an der Tagesordnung der Sitzung fest, bei der es unter anderem um Kindergarten- und Friedhofsgebühren ging.

Heinz-Günther Schneider habe seine kommunalpolitische Arbeit „immer in herausragender Position“ geleistet. Er war drei Mal Fraktionsvorsitzender der SPD und 21 Jahre lang Stadtverordnetenvorsteher. Dabei habe er stets die Interessen der gesamten Stadt  im Auge gehabt – teilweise auch gegen seine eigene Überzeugung. „Ein Quell’ der puren Freude ist das nicht dauernd gewesen“, sagte Beuth. Seine kommunalpolitische Arbeit habe Schneider neben einer „beachtenswerten beruflichen Aufgabe“ als Pädagogischer Leiter der Gesamtschule Battenberg erfüllt. Am Neubau der Grundschule und der Erweiterung der Gesamtschule um einen gymnasialen Bereich sei Schneider maßgeblich beteiligt gewesen. Auch um die Völkerverständigung (in der Partnerschaftsvereinigung) sowie um den Naturschutz (seit fast 20 Jahren als NABU-Kreisvorsitzender) habe sich Schneider verdient gemacht. Auch im Sport- und im Gesangverein seines Heimatortes Laisa habe sich der 66-Jährige engagiert. Anerkennend sprach der Minister von einem „herausragenden kommunalpolitischen Lebenswerk“.

In bewegten Dankesworten sprach Heinz-Günther Schneider auch Gefahren für die Demokratie an und forderte jüngere Menschen auf, Verantwortung zu übernehmen und „mal wirklich Flagge zu zeigen“. Die Sänger des MGV Laisa brachten ihrem aktiven Mitglied ein musikalisches Überraschungsständchen.

 

 

Presseberichte über die Verabschiedung in den Ruhestand nach über 40 Jahren im Lehrerberuf:


HNA, 27.01.2017: Oberkrainer und Jimi Hendrix - Heinz-Günther Schneider wird nach über 40 Jahren im Lehrerberuf in den Ruhestand verabschiedet (PDF)

 

HNA, 01.02.2017: Pädagogisches Urgestein - Gesamtschule Battenberg verabschiedete Heinz-Günther Schneider in den Ruhestand (PDF)

 

 

 


Wolfgang-Lübcke-Hütte mit Namensschild versehen (2017)

NABU Edertal, 21.04.2017:

 

Wolfgang-Lübcke-Hütte am Naturschutzgebiet »Schwimmkaute bei Mehlen« mit Namensschild versehen (PDF)


Nach insgesamt 36 Jahren erfolgreicher Tätigkeit als Vorsitzender des NABU Edertal hat Wolfgang Lübcke bei der Jahreshauptversammlung am 18. November des vergangenen Jahres seinen Rücktritt von dieser Aufgabe erklärt. Als seinen Nachfolger hat er seinen Stellvertreter Markus Jungermann vorgeschlagen. Der Bringhäuser wurde dann auch mit großer Mehrheit gewählt.

 

Jungermann machte den Vorschlag,  die Beobachtungshütte am Naturschutzgebiet „Schwimmkaute bei Mehlen“ als  "Wolfgang-Lübcke-Hütte" zu benennen. Das Anbringen eines entsprechenden Schildes wurde für das Frühjahr geplant.

 

Im Rahmen einer kleinen Feier ist am 21. April das gut zur Hütte passende Schild solide an der Beobachtungshütte angebracht worden. Bei der Gelegenheit wurde auf eine besondere Aktion des NABU hingewiesen: Im Bereich der Beobachtungshütte hat der pensionierte Wellener Förster Franz-Josef Göllner drei Schwarzpappel-Stecklinge gepflanzt. Gewonnen hat Göllner diese am Holz-Nasslagerplatz zwischen Mehlen und Giflitz. Dort stehen einige dieser Bäume, gepflanzt vom Forstamt Vöhl. Schwarzpappeln – im Jahr 2006 zum "Baum des Jahres" gewählt – sind auf der Roten Liste Deutschlands als "gefährdet" eingestuft. Diese Weichholzart ist normalerweise an Flüssen zu finden. Die Schwarzpappel ist "zweihäusig", das heißt, es gibt männliche und weibliche Exemplare. An der Eder stehen bei Bergheim und Mandern noch einige alte Schwarzpappeln.

 

An der Aktion haben neben den Vorstandsmitgliedern des NABU Edertal auch Klaus-Dieter Seibel aus Wega als Mitglied des NABU-Landesvorstands und Herbert Niem als Vertreter des NABU Bad Wildungen teilgenommen. Franz-Josef Göllner hat den Einsatz von Wolfgang Lübcke für die Ausweisung und Betreuung der beiden Naturschutzgebiete im ehemaligen Kiesabbaugelände bei Mehlen als besondern gelungen dargestellt. Die Veranstaltung endete mit vielen Gesprächen und Erinnerungen in freundschaftlicher Runde bei "Speis und Trank", gut angerichtet von Simone Jungermann.

 

Bild: Vorstandsmitglieder des NABU Edertal mit Angehörigen bei der Einweihung der Wolfgang-Lübcke-Hütte. Von links: Herbert Niem, Markus Jungermann, Klaus-Dieter Seibel, Simone Jungermann mit Tochter Charlotte, Reiner Lutsch, Franz-Josef Göllner, Wolfgang Lübcke, Walter Meier, Karl-Heinz Gottschalk, Ellen Lübcke und Falk Paltinat.

 

Text und Foto: Hermann Sonderhüsken

 


Im Ehrenamt für die Artenvielfalt - Goldene Plakette für Wolfgang Lübcke (2017)

 

 

WLZ, 18.04.2017: Im Ehrenamt für die Artenvielfalt (PDF)
Hessischer Faunistentag ehrt Wolfgang Lübcke und weitere im Naturschutz seit Jahren Aktive



 

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Der Storchenfotograf wird 80 - Hermann Sonderhüsken fand im Edertal seine zweite Heimat (2017)

Der „Storchenfotograf“ wird 80
Hermann Sonderhüsken hat im Edertal
seine zweite Heimat gefunden

EDERTAL-GIFLITZ. Hermann Sonderhüsken feiert heute seinen 80. Geburtstag. Der Giflitzer ist bekannt als „Storchenfotograf“ und engagierter Rollstuhl-Sportler. Seine Wiege stand in Heven bei Hamm. Sonderhüsken hatte zwei Brüder, der Vater war Bergmann. Nach der Volksschule absolvierte der Sohn eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. Dann nahm er verschiedene Jobs an, verkaufte Pumpernickel für eine Bäckerei und war Schaufensterdekorateur in Saarbrücken. „Da habe ich 40000 französische Francs im Monat verdient.“ Spitzbübisch fügt er hinzu: „Ein Franc war damals einen Pfennig wert.“ Für die Firma Melitta baute er in ganz Deutschland Messestände auf. 33 Jahre war er Verkäufer und Vertriebsleiter bei der IBM in Dortmund, wirkte  als Dozent an der Führungsakademie in den Bereichen Kommunikation, Marketing, Presse-/Öffentlichkeitsarbeit.

Neue Heimat im Edertal

Über 30 Jahre arbeitete er mit dem weltweit tätigen Verkaufs- und Kommunikationstrainer Heinz Goldmann zusammen. 1978 wurde Sonderhüsken Freier Journalist und gehört dem Verband Internationaler Radsport-Journalisten an. Das „Kleine Journalisten-Lexikon“ hat er herausgegeben: „Es ist das einzige komplette Nachschlagewerk im Deutschen Sprachraum über die spezielle Sprache der schreibenden und fotografierenden Journalisten.“ Ein Schicksalsschlag verschlug den verheirateten Vater zweier Kinder später von Düsseldorf ins Edertal. Der Radsporttrainer und begeisterte Radrennfahrer hatte 1994 einen schweren Unfall, bei dem er eine Querschnittlähmung erlitt. Als Patient kam er in die Werner-Wicker-Klinik. Bei einem späteren Kuraufenthalt in Bad Wildungen kaufte er einen Bauplatz im Giflitzer Gewerbegebiet und zog 1998 ins selbst entworfene Eigenheim. Sonderhüsken betreibt dort ein Fotostudio. Der 80-Jährige erstellt Bildbände, Kalender, Internet-Auftritte, Prospekte und Vereinszeitungen – und verzichtete oft auf Honorar. Der Natur- und Sportfotograf nimmt mit Vorliebe die Störche an der Wese vor die Linse. Etliche Fotos und Berichte von den Edertaler Adebaren mit Sonderhüskens Kürzel (sdh) hat die Waldeckische Landeszeitung veröffentlicht. Der lizensierte Naturpark- und Nationalparkführer setzt sich für den Edertaler NABU und den Rollstuhl-Sportclub Bad Wildungen ein, ist in diversen Ehrenämtern und als Mäzen aktiv, unterstützt die Edertaler Fußballerinnen.

Täglich Sport

Mit Handbikes und im Fitness-Studio betreibt er täglich Sport, erstellt gern Silberschmuck und liebt schnelle Autos. „Ich bin kerngesund und benötige kein Medikament“, ist der 80-Jährige zufrieden. Sein Lebensmotto: Probleme sind Herausforderungen für Lösungen. Feiern will der Giflitzer seinen heutigen Ehrentag nicht. „Ich habe noch nie eine Geburtstagsfeier ausgerichtet,“ sagt er und plant stattdessen eine Fahrt ins Blaue. (höh)

 

 


Ein Pioneer des Naturschutzes im Kreis - Wolfgang Lübcke feiert 75. Geburtstag (2016)

Ergänzung: HGON-Interview mit Wolfgang Lübcke aus der HGON-Mitgliederinfo (PDF)

 

 

WLZ, 02.12.2016: Ein Pionier des Naturschutzes im Kreis - Der langjährige Vorsitzende des NABU Edertal Wolfgang Lübcke feiert heute seinen 75. Geburtstag

 

Text und Foto: Matthias Schuldt

EDERTAL. „Wer sich als Kind mit der Natur beschäftigt, findet zu ihr zurück, auch wenn ihm das Leben zwischendurch mal weniger Zeit lässt“, sagt Wolfgang Lübcke. Darum freue er sich so sehr über die Arbeit der heutigen Naturschutzjugend. Sie sichert die Zukunft des NABU.

Der Vorsitzende des Edertaler Naturschutzbundes spricht aus bester Erfahrung. Am 6. November 1952 gründete er als Elfjähriger mit Altersgenossen im Anraffer Dreschmaschinenschuppen eine Naturschutz-Jugendgruppe.

ES BEGANN MIT FASZINATION


Heute vor 75 Jahren wurde Wolfgang Lübcke, der in Giflitz lebt, im mecklenburgischen Parchim geboren. Die Begeisterung für alles, was da kreucht und fleucht – gerade vor der eigenen Haustür – leitet ihn bis heute. Die Faszination alles Lebendigen ließ ihn seit den 50ern nie los.

Dieses Gefühl verbindet Lübcke mit Weggefährten jener ersten Stunde, wie Karl-Heinz Gottschalk, Walter Meier, Anton „Toni“ Wenz oder dem bereits verstorbenen Karl Sperner.

„Wir überlegten, uns dem Tierschutzverein Bad Wildungen anzuschließen und besuchten die damalige Geschäftsstelle im Torbunker“, erzählt Lübcke mit einem Schmunzeln. In seiner Erinnerung sieht er zwei Damen in Pelzmänteln vor sich sitzen, und die Jungs wurden sich rasch einig, dass sie eigentlich etwas Anderes wollen, als sich um Haustiere zu kümmern.

ANRAFF ALS KEIMZELLE


Sie waren geprägt von ihrem Biologie-Lehrer Eduard Schoof am Stresemann-Gymnasium. Sie wollten Wildvögel füttern, Nistkästen für sie bauen, eine Feldholzinsel im Anraffer Graben pflegen, dort Hecken pflanzen oder über Zeitungsartikel in der WLZ gegen das Abflämmen von Rainen vorgehen. „Biotopschutz“ nennt sich das heute und gehört zum Allgemeingut jeder Bau- und Landschaftsplanung.

Damals standen die Kinder allein auf weiter Flur, aber keineswegs ohne Rückendeckung da. „Der Anraffer Bürgermeister Höhne reagierte sehr verständnisvoll und gab uns 50 Mark für den Start.“

Die muntere Gruppe bereicherte über den Naturschutz hinaus rasch das Kulturleben im Dorf. Sie organisierte Vorträge, zum Beispiel über Wilhelm Busch, oder lieh von der Kreisbildstelle einen Projektor aus, um im Gasthaus Sölzer Kinofilme zu zeigen.

1958 wuchs die Gruppe durch ihre Werbung auf 39 Mitglieder an, darunter 18 Erwachsene: eine der Keimzellen für den organisierten Naturschutz im Landkreis. Sie dehnte sich 17 Jahre danach auf die neue Großgemeinde Edertal aus und wirkte später mit an der Gründung des NABU-Kreisverbandes.

HOBBY WIRD ZUM BERUF


Längst hatte Wolfgang Lübcke da sein Hobby zum Beruf gemacht, als Lehrer für Biologie und Deutsch. Wie sein Ziehvater Eduard Schoof begeisterte er die Jugend für die Natur und ihren Schutz: ob als Lehrer am GSG, als Koordinator an der Gesamtschule Edertal, wo er das Freilandlabor einrichtete, oder durch seine Arbeit als ehrenamtlicher Naturschützer. Zu seinen Ziehsöhnen in diesem Sinn zählt Hartmut Mai, Landesgeschäftsführer des NABU. Artenkenntnis ist all diesen Aktiven gemein, doch die Zahl der Kundigen schrumpft. Mehr und mehr Menschen halten weder Buche und Eiche noch Amsel und Spatz auseinander.

BIOLOGIE VERGISST DIE NATUR


„Es ist sehr schade und es besorgt mich, dass in Biologie-Lehrplänen kaum mehr Wert auf die Kenntnis der Natur gelegt wird“, bedauert Wolfgang Lübcke. Sein Fach droht sich in Genetik, Molekularbiologie und Biochemie zu verlieren, isoliert in Labors, mit mangelhafter Kenntnis der Lebensvielfalt unter freiem Himmel. „Uns fehlt der Nachwuchs für Publikationsreihen wie die Vogelkundlichen Hefte Edertal“, sagt er.

AKTIV AUCH IN DER POLITIK


Wolfgang Lübcke trat 1958 in die FDP ein, weil die Liberalen vor der Spaltung standen und er sie für unverzichtbar hielt in der jungen Bundesrepublik. Damalige FDP-Persönlichkeiten wie Justizminister Thomas Dehler und Bundespräsident Theodor Heuß beeindruckten ihn mit ihrer Integrität und Haltung.

Lübcke war von 1977 bis 1985 Kreistagsmitglied. Daraus erwuchs eine vielseitige Zusammenarbeit mit dem langjährigen FDP-Kreisbeigeordneten und Landtagsabgeordneten Otto Wilke.

Lübcke gehörte überdies von 2001 bis 2005 als FDP-Fraktionsvorsitzender dem Edertaler Gemeindeparlament an, wirkte in der Waldeckischen Domanialkommission und bekleidete viele weitere Ehrenämter, nicht allein beim Edertaler NABU, dem er seit 29 Jahren vorsitzt.

So war Wolfgang Lübcke in der Arbeitsgruppe Umweltbildung am Aufbau des Nationalparks beteiligt. 2002 erhielt er vom NABU die Goldene Ehrennadel und 2003 das Bundesverdienstkreuz für 50 Jahre ehrenamtliches Engagement.

Die Waldeckische Landeszeitung schließt sich den Glückwünschen von Familie und Freunden an. (su)

 


Händchen für Fledermäuse - Jorre Hasler ist schon mit 15 ein Experte (2016)

HNA, 04.02.2016: Händchen für Fledermäuse - NAJU-Gruppenleiter und gefragter Referent: Jorre Hasler ist schon mit 15 ein Experte

Text und Foto: Susanna Battefeld

FRANKENBERG. Er päppelt Fledermäuse auf, engagiert sich als Gruppenleiter in der Naturschutzjugend und verbringt außerdem einen großen Teil seiner Freizeit mit Vogelbeobachtung: Jorre Hasler ist zwar erst 15 Jahre, hat aber in der Naturschutzjugend Frankenberg bereits alle Stationen durchlaufen – von der Kindergruppe bis hin zum Gruppenleiterlehrgang.

Mittlerweile ist der Frankenberger regelmäßig als Fledermausreferent tätig und leitet auch Freizeiten auf Landesebene. „Draußen in der Natur sein - das ist sein Ding“, verrät seine Mutter Sabine Hasler.

Auf die Naturschutzjugend aufmerksam geworden sei er während einer Klassenfahrt nach Burg Hessenstein, bei der er als Siebenjähriger erstmals an einem Fledermausabend teilgenommen habe, berichtet der Burgwaldschüler. In der Folgezeit sei er dann regelmäßig in die Kindergruppe der Frankenberger Naturschutzjugend auf der Burg gegangen und sei dann in die Jugendgruppe zu Frank Seumer gewechselt. „Manchmal nehme ich auch Fledermäuse mit zu mir nach Hause und päppele sie wieder auf mit Mehlwürmern“, so Jorre, der auch die NAJU-eigenen Bienen zusammen mit Gerhard Ködding betreut.

„Er ist einer der aktivsten und fleißigsten in der NAJU“, sagt deren Vorsitzender Frank Seumer über Jorre Hasler. Der 15-Jährige habe sehr gute fachliche Kenntnisse im Fledermausschutz und der Ornithologie - also Vogelkunde - und sei als Co-Kindergruppenleiter sehr beliebt. Zudem schaue er auch „über den Tellerrand hinaus“, sei auf Landesebene der NAJU gefragt.

Die NAJU-Kindergruppe, die Jorre mit betreut, trifft sich einmal im Monat im NAJU-Haus auf dem Burgberg. Im Mittelpunkt stehen das spielerische Entdecken der heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Meistens seien acht bis zehn Kinder da. Neben den Gruppenstunden fänden meistens samstags Arbeitseinsätze in der Natur statt. „Außerdem bieten wir Themenabende oder Bastelaktionen an“.

Zusammen mit Luisa Hoffmann leitet Jorre auch die Fledermausabende - entweder auf Burg Hessenstein oder im Rahmen von Ferienspielen. „Manche Schulklassen sind total begeistert. Vor allem, wenn wir nach der Präsentation hinterher raus gehen und Fledermäuse beobachten“, berichtet der Fledermausexperte. Ihn selbst fasziniere am meisten die Echoortung der Säugetiere. „Selbst wenn plötzlich eine Hand in zwei Meter Entfernung vor ihnen auftaucht, können sie noch ausweichen.“

Jorres Engagement für die bedrohten Fledermäuse hat sogar den Kinderkanal (KiKA) überzeugt und so hat der Fernsehsender im vergangenen Herbst ein Video mit ihm gedreht, das im November ausgestrahlt wurde.

Einen großen Teil seiner Freizeit verbringt Jorre mittlerweile auch damit, Vögel zu beobachten oder zu zählen. Ausgerüstet mit Fernglas und Kamera hilft er bei der Eder-Zählung oder verbringt mit Freunden ein Wochenende an der Nordsee um sich dort auf die Lauer zu legen.

Unter folgendem Link findet man das Video mit Jorre Hasler:
http://www.kika.de/erde-an-zukunft/charaktere/zukunftsmacher/lichtverschmutz-zm-jorre102.html

Zur Person
JORRE HASLER wurde am 20. März 2000 in Frankenberg geboren. Der 15-Jährige besucht derzeit die Burgwaldschule und engagiert sich seit seinem siebten Lebensjahr in der Naturschutzjugend. (bs)

 


Naturschutz im Waldecker Land war sein Leben - Karl Staiber mit 97 Jahren in Bad Arolsen verstorben (2015)

WLZ, 23.07.2015: Naturschutz im Waldecker Land war sein Leben
Karl Staiber mit 97 Jahren in Bad Arolsen verstorben - Verbunden mit Naturschutzgebiet am Twistesee

Bad Arolsen. Er war der Senior der heimischen Naturschützer und hat sich mit seinem Wissen, seiner Erfahrung und seiner Beharrlichkeit Respekt verschaft. Untrennbar bleibt sein Name mit dem Naturschutzgebiet des Twistesee-Vorstaus verbunden. Karl Staiber starb mit 97 Jahren in Bad Arolsen.

Der gebürtige Duisburger wuchs in einem industriell geprägten Teil Deutschlands auf und fand als gelernter Dreher im Waldecker Land Arbeit und seine neue Heimat.

Politisch engagiert

Mit drei Brüdern aufgewachsen, fand er zunächst Arbeit in Duisburg bei den Stadtwerken, es folgte der Kriegsdienst, bei dem er in russische Gefangenschaft geriet. Nach dem Krieg kam er ins Waldecker Land. Nach Arbeitsstellen auf Gut Forst bei Borntosten und bei der Färberei Wolfrum in Bad Arolsen kam Staiber nach Wetterburg zur Maschinenfabrik Lambion. Unterdessen fand der Vater von zwei Söhnen viele Gleichgesinnte, die die Natur nicht nur beobachten, sondern auch ihre Kraft für deren Erhalt einsetzen wollten. Darüber hinaus interessier-
te er sich für die historische Entwicklung der Region und trat dem Waldeckischen Geschichtsverein bei.

Politisch aktiv wurde Staiber Anfang der 80er-Jahre, als in Arolsen einer der ersten Grünen-Ortsverbände gegründet wurde. Damals war zunächst in Volkmarsen der Bau einer atomaren Wiederaufarbeitungsanlage mit Unterstützung der SPD/FDP-Landesregierung anvisiert, jedoch nicht realisiert worden.

Für Natur engagiert

Grüne Politik konzentrierte sich nach der Absage des Atom-Projektes auf lokaler Ebene auf weniger spektakuläre, jedoch ebenfalls Diskussionsstoff liefernde Umweltbelange. Da konnte schon mal ein Bauprojekt gestoppt werden, um die Aufzucht von Brutvögeln nicht zu gefährden.
In den 60er-Jahren hatte Staiber bereits mit dem damaligen fürstlichen Revierförster Popp den Vogelschutzbund neu aufgebaut.

Der Verein war vor fast 140 Jahren mit Unterstützung des Fürstenhauses aus der Taufe gehoben worden. Staiber und seinen Mitstreitern gelang es, junge Leute für den Naturschutz zu begeistern.
Von Anfang an hat Staiber die Einrichtung des Naturschutzgebiets Twistevorstau begleitet . Er war viele Jahre ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter des Regierungspräsidiums in Kassel.
In seiner unmittelbaren Heimat war er für Twistesee-Vorstau, Watter und die ehemaligen Kiesgruben bei Orpethal zuständig.
In Anerkennung seiner vielfältigen Verdienste hat die NABU-Gruppe Bad Arolsen Staiber zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Außerdem wurde die Vogelbeobachtungshütte am Vogelschutzgebiet des Twistesee-Vorstaus nach Karl Staiber benannt. Hier hat Staiber ungezählte Stunden verbracht und ungezählte Gäste für den Schutz der Tierwelt begeistert.

 

Die vielen Stunden aktiv in freier Natur haben Staiber selber ein langes, erfülltes Leben beschert. (ah/es)


Mit Wald und Natur bestens vertraut - Langjähriger Revierförster Manfred Burth feiert seinen 80. Geburtstag (2014)

WLZ, 05.11.2014

Mit Wald und Natur bestens vertraut - Langjähriger Revierförster Manfred Burth feiert seinen 80. Geburtstag

Diemelstadt-Rhoden. Menschen die heimische Natur näherzubringen ist seit Jahrzehnten sein Anliegen. Heute feiert der frühere Rhoder Revierförster und NABU-Ehrenvorsitzende Manfred Burth seinen 80. Geburtstag.

Sinnbildlich für sein breitgefächertes Wirken steht der Apfelbaum im Garten, den der Jubilar mit sieben unterschiedlichen Reisersorten veredelt hat. Von jeher hat sich Manfred Burth für die Natur interessiert und sein Wissen beruflich wie auch in vielen Ehrenämtern weitergegeben.

„Wenn meine Familie mich nicht unterstützt hätte, wäre das nicht möglich gewesen“, bekräftigt der dynamische Rhoder, der zu Beginn seines neunten Lebensjahrzehnts noch lange nicht ans Aufhören denkt.

Sein „Traumberuf “ Förster wurde dem kleinen Manfred Burth quasi in die Wiege gelegt. Als zweiter von drei Söhnen eines Försters kam er am 5. November 1934 in Oberrode/Fulda zur Welt.

Nach dem Abitur am Fuldaer Domgymnasium begann er 1953 seine Ausbildung zum Förster in Hasestein bei Hünfeld, unmittelbar an der innerdeutschen Grenze.

„Die Forstgrenze war auch die Zonengrenze. Einen Zaun gabes damals noch nicht“, erzähltder Jubilar und erinnert sich, wie besonders die Jugend in der Dämmerung klammheimlich zwischen Ost und West unter-
wegs war.

Über mehrere Stationen verteilt absolvierte er seine Ausbildung, bis Manfred Burth 1960 nach bestandener Revierförsterprüfung nach Rhoden kam. Nach zunächst drei Jahren als Betreuer im Forstlehrbetrieb bei Gashol – dem heutigen Trainingscamp für straffällig gewordene Jugendliche – zog er 1963 als Revierförster in das Rhoder Forsthaus ein.

In jenes Jahr fiel auch die Hochzeit mit Ehefrau Barbara, die in der übernächsten Woche ihren 75. Geburtstag feiern wird. Zur Zeit ihrer Heirat war sie als medizinisch-technische Assistentin im Volkmarser Krankenhaus beschäftigt. „Das war eine schöne Zeit damals“, erinnern sich Manfred und Barbara Burth an den regen Austausch mit Waldarbeitern und Rhodern in der „Försterei“.

Die erste der drei Töchter kam 1965 zur Welt. Zeit für Hobbys blieb angesichts von Arbeit, Familie und Ehrenamt nur wenig, auch das geliebte Fußballspiel musste zurückstehen. Doch Langeweile plagte Manfred Burth auch nach seiner Pensionierung nicht. Für ihn seien seine vielfältigen Tätigkeiten immer auch „Hobby“ gewesen, bekräftigt Burth.

Entsprechend lang ist die Liste seiner Aufgaben und Ehrenämter, die den jahrzehntelangen Vorsitz der NABU-Ortsgruppe und des Verkehrs- und Verschönerungsvereins in Rhoden ebenso umfasst wie das Amt des Beauftragten der hessischen Vogelschutzwarte, die Arbeit im Naturschutzbeirat des Kreises oder die Einrichtung des Rhoder Waldlehrpfades.

Auch im Pfarrgemeinderat der katholischen Kirche in Bad Arolsen hat sich Manfred Burth lange Jahre eingebracht. Bis heute freut er sich zudem über das rege Interesse, auf das seine Kurse für Baumschnitt und Veredelung bei der Kreisvolkshochschule stoßen. Sie nutzt Manfred Burth immer auch dazu, eine Lanze für die heimische Flora zu brechen. „Ich bin Anhänger der alten Sorten, die regional in die Gegend passen“, stellt er mit Blick auf seinen Apfelbaum fest.

Zum heutigen Geburtstag werden Freunde und Weggefährten des Jubilars erwartet. Mit der Familie, zu der auch vier Enkel gehören, wird das Ehepaar Burth später „zentral“ im Vogelsberg feiern. Die Heimat-
zeitung schließt sich den Gratulanten gern an. (sim)


Ein Herz für Pflanzen - Wolfgang Lehmann engagiert sich seit 40 Jahren beim Naturschutzbund in Korbach (2014)

HNA, 26.10.2014
Ein Herz für Pflanzen
Wolfgang Lehmann engagiert sich seit 40 Jahren beim Naturschutzbund in Korbach

Von Frank Brauner

KORBACH. Seit über 40 Jahren engagiert sich Wolfgang Lehmann beim Naturschutzbund für Tiere und Pflanzen im Landkreis Waldeck-Frankenberg. „Als ich nach Korbach gekommen bin, habe ich nach Möglichkeiten gesucht, mich im Naturschutz zu betätigen“, sagte Lehmann.

Am Anfang habe er sich vor allem für Amphibien eingesetzt. „Begonnen habe ich mit dem Amphibienschutz. Ich interessiere mich nicht nur für die großen Pflanzen und Tiere, sondern auch für die Kleinen, die sonst keine Fürsprecher haben.“, sagte der 76-Jährige. Das liege wohl daran, dass er selbst klein sei.

So war Lehmann einer der Initiatoren des Amphibienzauns bei Goldhausen. „Er wird seit 30 Jahren immer wieder aufgebaut“, sagte er. Damit sei der Zaun der älteste Amphibienschutzbereich in Hessen. Schon zu Schulzeiten war Lehmann oft draußen unterwegs. „Wir haben viel Höhlenforschung gemacht, sind in alte Bergwerksstollen und Sandgruben gegangen und haben geschaut, was es da so gibt“, erinnert er sich. Das sei nicht ungefährlich gewesen. „Deswegen durften meine Eltern das nicht mitkriegen.“

„Mein Interesse an Pflanzen hat mein Lehrer Helmut Sauer geweckt“, sagte Lehmann. Er habe ihm auch gezeigt, dass es sich lohne, sich für die Natur und deren Erhalt einzusetzen.

„In die Natur zu gehen, ist bis heute mein Fitnessprogramm für Beine und Kopf“, sagte er. Dabei notiert er akribisch alle Pflanzen. „Dazu haben wir den Landkreis in Raster aufgeteilt.“ erklärte er. Wenn er eine Pflanze sieht, trägt er ihren Fundort in das entsprechende Raster ein. Für den ganzen Kreis gibt es 1250 Raster auf den Messtischblättern.

Aus den Aufzeichnungen ist ein Buch über die Flora und Fauna der Region entstanden. „Es ist die erste flächendeckende Übersicht über die Pflanzenwelt im Kreis“, erklärt Lehmann, der seit 48 Jahren verheiratet ist, zwei Töchter und ein Enkelkind hat.

Besonderes Gefühl
Das Buch hat er zusammen mit Wilhelm Becker und Achim Frede, Fachbereichsleiter Naturschutz des Nationalparks Kellerwald-Edersee, herausgegeben. „Achim Frede ist ein ehemaliger Schüler von mir. Zu sehen, wie er dort eine leitende Funktion übernimmt und mit ihm zusammenzuarbeiten, ist schon ein besonderes Gefühl“, sagte der ehemalige Lehrer der Alten Landesschule in Korbach.

Für den Nationalpark selbst habe er sich schon früh eingesetzt. „Der Nationalpark ist ein Beispiel dafür, dass Naturschutz nicht nur verhindert, sondern dass davon eine ganze Region profitieren kann“, sagte der 76-Jährige.

Denn für ihn geht es immer um mehr als den bloßen Naturschutz. „Ich interessiere mich nicht nur für den Naturschutz an sich, sondern auch für seinen Beitrag zur Regionalentwicklung“, betont Lehmann.

Zur Person

Wolfgang Lehmann arbeitete von 1968 bis 2002 als Lehrer für Biologie und Chemie in der Alten Landesschule in Korbach. Sein Leben lang engagierte er sich im Naturschutzbund. 16 Jahre war er Vorsitzender der Gruppe Korbach. Außerdem gehörte er in den vergangenen zehn Jahren dem Forschungsbeirat des Nationalparks Kellerwald an. (fbr)


Ein Leben für die Umwelt - Wilhelm Breßler ist durch sein Hobby zum Experten für Naturschutz geworden (2014)

HNA, 16.10.2014

Ein Leben für die Umwelt
Wilhelm Breßler ist durch sein Hobby zum Experten für Naturschutz geworden

von Stefanie Rösner 

VÖHL. Mit Libellen kennt er sich aus, Eisvögel zählen zu seiner Lieblingsart, „wunderschöne Eulen“ und „seltene Orchideen“ faszinieren ihn. Der Einsatz für die Umwelt bestimmt Wilhelm Breßlers Leben. Für sein Engagement er- hält er nun den Preis für Naturschutz und Landschaftspflege des Landkreises.

Als Wilhelm Breßler ein Kind war, gab es in Ederbringhausen ein Auto und einen Traktor. Die Wiesen waren im Herbst violett wegen der giftigen Herbstzeitlosen. So sind seine Erinnerungen an die Zeit nach dem Krieg, als die Natur noch mehr bot als jetzt.

Er half im Schreinerbetrieb seines Vaters mit, und er musste per Hand wilde Kräuter vom Acker entfernen. „Ich hätte gerne Fußball oder Indianer gespielt“, sagt er. Stattdessen musste er seiner Familie helfen und lernte dabei etwas, das ihn bis heute prägt: die vielen Tiere und Pflanzen in unserer Landschaft zu achten. „Die Liebe zur Natur habe ich von meinem Vater übernommen.“ Wenn Wilhelm Breßler mit seinem Vater spazierenging, durfte er nicht ein einziges Papier-Schnitzelchen fallenlassen.

„Wie viel Natur habe ich von meinen Eltern übernommen, und wie viel kann ich an meine Enkel übergeben?“ Das fragt er sich. Und er weiß schon eine Antwort: „Vieles ist nicht mehr da.“ Es tut ihm leid, wenn Arten aussterben oder gefährdet sind. Der Frauenschuh zum Beispiel. Diese Orchideenart hat Breßler noch als blühende Pflanze ge- sehen. Jetzt steht sie aber auf der Roten Liste. Wenn Arten wiederkommen, wie die Wildkatze und der Schwarzstorch, dann sieht das der Naturschützer als Erfolg.


„Wenn man der Natur etwas gibt,
bekommt man es tausendfach zurück.“
Wilhelm Breßler


Der 71-Jährige ist Gründungsmitglied der Naturschutzbund-Gruppe Vöhl, tauscht sich mit anderen aus und gibt sein Wissen weiter. Dazu zählt auch, seinen beiden Töchtern und den drei Enkelkindern die Bedeutung der Natur zu vermitteln.

Er beobachtet Libellen, baut Nistkästen, erstellt Amphibienteiche, pflanzt Obstbäume. Vieles macht er gemeinsam mit befreundeten Naturschützern. Auch während der 40 Jahre, in denen er als Betriebselektriker bei der Conti arbeitete, fand Breßler Zeit für sein Hobby. „Wenn man der Natur etwas gibt, bekommt man es tausendfach zurück“, sagt er. Und nun erhält er auch noch einen Preis. „Ich bekomme ihn nicht für mich, sondern stellvertretend für alle, die sich für den Naturschutz engagieren.“ Breßler will das Preisgeld für Flachteiche auf dem Jungferhügel in Viermünden verwenden. Seit 2006 hat er dort 25 Libellenarten nachgewiesen. Fünf davon waren im Landkreis bislang noch nicht gesehen worden.

Breßler kennt die lateinischen Namen von 70 Arten. „Libellen sind unheimlich schön“, begründet er seine Leidenschaft. „Sie sind 200 Millionen Jahre alt und haben sich seitdem kaum verändert.“

Wünsche für die Natur

Wenn Breßler den Naturschutzpreis bekommt, möchte er auch Wünsche äußern: Es sollte in Waldeck-Frankenberg einen Landschaftspflegeverband geben. Außerdem mahnt er die Tourismus-Branche zu Rücksicht auf die Natur. Ausgaben der EU für die Landwirtschaft sollten nachhaltiger erfolgen. Und Landwirte sollten die Grundstücksgrenzen beachten, um diese Rückzugsgebiete für Tiere zu schützen.


Leidenschaft für Natur und Kultur - Preis für soziales Engagement an Wolfgang Lübcke (2013)

WLZ, 25.04.2013: Leidenschaft für Natur und Kultur
Rotary-Club verleiht Preis für besonderes soziales Engagement an Wolfgang Lübcke und Reckhard Pfeil

Der Rotary-Club Bad Wildungen-Fritzlar hat seinen Preis für besonderes soziales Engagement diesmal gesplittet. In einer Feierstunde in der Affolderner Festhalle wurde er zwei Edertalern verliehen, die sich mit Herzblut im Naturschutz und auf kultureller Ebene einsetzen.
VON CONNY HÖHNE

Edertal-Affoldern. Rotary-Präsident Frank Schrauf zeichnete NABU-Vorsitzenden Wolfgang Lübcke und den Leiter des Edertaler Posaunenchors, Reckhard Pfeil (Porträts siehe unten), mit dem Preis des Serviceclubs aus. Beide haben sich jahrzehntelang in der Region eingebracht. „Wir sind stolz auf die Preisträger“, betonte der Präsident.

Bürgermeister Klaus Gier skizzierte Lübcke als „Überzeugungstäter, der für die Sache kämpft“. Gier: „Er bevorzugt eher das Schwert als den Degen, was die Sache nicht immer einfach macht.“ Mit dem zweiten Preisträger hat der Bürgermeister bereits in Kindertagen im Posaunenchor gespielt. Gegründet wurde der Chor von dem damaligen Pfarrer Hans Gier, dem Vater des heutigen Rathauschefs, der in einem WLZ-Artikel von 1974 bei der Einweihung des Hemfurther Bürgerhauses als „James Last des Edertals“ bezeichnet wurde. „Das gebührt heute Reckhard Pfeil“, schmunzelte Gier in der Feierstunde, an der auch die Ehefrau des inzwischen verstorbenen Chorgründers, Margarethe Gier, teilnahm. Grüße der 3600 Rotarier im Distrikt überbrachte Assistant-Governer Reinhard Wiskemann. „Die Aktivitäten des Clubs Bad Wildungen-Fritzlar sind vorbildlich und stellen im Bezirk einen Aktivposten des rotarischen Wirkens dar.“

In einer kurzen Bilderschau zeigte Lübcke, wie der NABU Menschen zur Natur hinführt – bei Obstbaumschnittkursen, der Pflege von Streuobstwiesen, im Amphibienschutz oder auf Wanderungen. Schwalbenhäuser, Fledermausaktionen, die Edertaler Störche als Sympathieträger, aber auch ein Freilandlabor öffnen den Blick für die Tierwelt.

Hartmut Mai, Landesgeschäftsführer des NABU Hessen, skizzierte Lübcke als Naturschützer, Heimatkundler, Forscher und Wissenschaftler. Der in Wega aufgewachsene Laudator blickte auf seine erste Exkursion mit Lübcke zurück. „Das war am 29. März 1975 – seit diesem Tag führe ich auf seinen Rat hin ein ornithologisches Tagebuch.“

Mit charmanter Beharrlichkeit gelinge es Lübcke, Menschen für den Naturschutz zu begeistern. Seine Publikation über die Wacholderdrossel erfahre in Fachkreisen große Wertschätzung. Viele heimatkundliche Artikel aus seiner Feder erschienen in der WLZ.

Pfarrer Clemens Blum hielt die Laudatio auf Reckhard Pfeil, der von seinem hoch musikalischen Großvater – er war Bezirkschorleiter – geprägt wurde. „Die Bläsermusik wurde ihm zum Lebensthema.“ Als 17-Jähriger bestand Pfeil die Chorleiterprüfung und übernahm 1976 den Posaunenchor. „Das sollte vorübergehend sein – jetzt sind es 37 Jahre.“ Pfeil sei Bläser, Chorleiter und Arrangeur und habe „ganz große pädagogische Begabung“. Kurzum: „Er ist für uns die Idealbesetzung.“

Swingend und klingend bewies der Chorleiter mit seinen Blechbläsern, warum er ausgezeichnet wurde. Ob „Spirit, der wilde Mustang“ oder „Crazy Thing Called Love“ – das Publikum wippte mit und applaudierte. Die frühere Preisträgerin Gudrun Schollmeyer spielte auf der Blockflte den amüsanten Wettstreit der Nachtigall.

 

 

Kämpfer für die Natur


Vorsitzender der NABU-Gruppe Edertal Wolfgang Lübcke (Giflitz), 1941 in Mecklenburg geboren, ist verheiratet und Vater zweiter Töchter. Er war 1952 Gründungsmitglied einer Naturschutz-Jugendgruppe in Anraff, aus der der NABU Edertal hervorging. Der Biologie und Deutschlehrer, der sich auch politisch viele Jahre für die FDP engagierte, ist seit 1987 Vorsitzender des NABU Edertal und war Vorsitzender des Kreisverbands. Hinzu kommen zehn Jahre als Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und im Landesnaturschutzbeirat sowie im Vorstand des Kellerwaldvereins. Der pensionierte leitende Regierungsschuldirektor beim Regierungspräsidium Kassel und Leiter des Studienseminars für das Lehramt an Gymnasien wurde bereits mit dem Kreisnaturschutzpreis ausgezeichnet und ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. (höh)


Um Naturschutz in Burgwald verdient gemacht - Zum Gedenken an Willy Becker (2012)

In Ernsthausen verstarb der frühere Förster Willy Becker im 75. Lebensjahr

Ernsthausen. Die Nachricht vom Tod des langjährigen Ernsthäuser Revierförsters Willy Becker hat in der Burgwaldregion und darüber hinaus Trauer ausgelöst. Er starb kurz vor Vollendung seines 75. Lebensjahrs nach langer Krankheit, während der er dennoch mit großer Energie als Vorsitzender der NABU-Umweltgruppe Burgwald weiter ehrenamtlich für den Naturschutz tätig war.

Willy Becker wurde am 25. September 1937 in Langenhain bei Eschwege geboren. Er ging in Eschwege zum Gymnasium, begann seine Forstlehre im Forstamt Heringen und besuchte zwei Jahre die Forstschule in Schotten. Nach drei Jahren Vorbereitungsdienst in verschiedenen Forstämtern kam er 1960 zum damaligen Forstamt Wolkersdorf, wo er ein Jahr später die Revierförsterprüfung ablegte. Ab 1962 war Becker im Forstamt Korbach-Nord tätig, bis er 1972 die Revierförsterei Ernsthausen übernahm. Von 1973 bis 1993 engagierte er sich zusätzlich als Ausbilder für den gehobenen Forstdienst. Im Jahr 2002 wurde Forstamtsrat Willy Becker in den Ruhestand verabschiedet.

Im Forstamt Burgwald war er als engagierter Forstmann, Naturschützer und passionierter Jäger von den Kollegen hoch geschätzt. Als er 2004 vom Hessischen Ministerium für Umwelt mit der Ehrenplakette in Bronze für besondere Verdienste um den Naturschutz ausgezeichnet wurde, lobte Ministerialdirigent Carsten Wilke, wie sehr der Geehrte seiner Zeit weit voraus neben den ökonomischen auch die ökologischen Zusammenhänge im Wald erkannt habe. In „großer Ruhe und Bescheidenheit“, so der Laudator, habe Willy Becker sein Fachwissen auch an andere Naturinteressierte weiter gegeben.

Neben der waldbaulichen Arbeit in seinem Revier sorgte Förster Becker für eine Vielzahl von Biotopgestaltungsmaßnahmen in der Wald- und Feldgemarkung, für den Schutz von Höhlenbrütern in Althölzern, für Waldrand-Gestaltungsaktionen und die Pflege der Heideflächen. Es gelang dem Ernsthäuser Forstbeamten 1991, bei der Gründung der Umweltgruppe Burgwald im Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) seine eigene Begeisterung für den Naturschutz besonders auf jüngere Menschen zu übertragen.

Unter Beckers fachlicher Leitung wurden Teile des Landschaftsplans der Gemeinde Burgwald umgesetzt, neben anderen das „Biotopverbundsystem Oberes Wetschaftstal“ zwischen Ernsthausen und Roda angelegt, Feldgehölze und Streuobstwiesen geschaffen, Nistgelegenheiten für Schleiereule und Turmfalken eingerichtet, stillgelegte Trinkwasserhochbehälter zu Fledermausquartieren umgerüstet und Amphibienschutz betrieben.

Große Freude erfüllte Willy Becker und seine NABU-Gruppe, als 2009 erstmals nach 20 Jahren mit dem von ihnen betreuten Ernsthäuser Moor „Seitenbruch“ wieder ein flächenhaftes Naturdenkmal im Landkreis Waldeck-Frankenberg ausgewiesen werden konnte. Von seinem Altersruhesitz in der Ernsthäuser Siedlung genoss Willy Becker bis zuletzt gemeinsam mit seiner Frau Christa den weiten Blick auf den von ihm gehegten Burgwald und das Wetschaftstal.

Karl-Hermann Völker


Für die Natur engagiert - Robert Jäger ist seit der Jugend an Tieren und Pflanzen interessiert (2012)

Robert Jäger mit Roter SternrenetteTWISTE. In Naturschutzkreisen ist er bekannt wie ein bunter Hund: Robert Jäger. Kein Wunder, denn eigentlich ist er immerzu irgendwie mit der Natur beschäftigt. Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu, beispielsweise engagierte man ihn kürzlich für Apfelaktionen in Kindergärten, eine Biologieaktion Wegesrand der Grundschule Twiste, und bei den Apfeltagen in Naumburg ist er auch stets mit von der Partie.

Das Interesse für Natur entwickelte sich in Robert Jägers Jugend. Da angelte er regelmäßig am Edersee und beobachtete dabei Eisvögel und Graureiher. Die Natur am frühen Morgen faszinierte ihn, und er wurde vom Naturbeobachter zum Naturschützer. Er fand darin einen „Ausgleich zu Beton und Neonlicht“ bei der Fabrikarbeit und wollte alle Tierund Pflanzenarten kennen lernen. Denn „man kann nur schützen, was man kennt“, sagt er.

Aus über 1000 Büchern eignete er sich seine Artenkenntnis an, unternahm Exkursionen und stieß 1974 zum Naturschutzschutzbund Gruppe Twistetal (damals Deutscher Bund für Vogelschutz). Wenige Jahre später wurde er zum 2. Vorsitzenden gewählt. Seit einem Jahr ist er auch 2. Vorsitzender im NABU-Kreisverband.

Robert Jäger bezeichnet sich als „Praktiker“ im Vorstandsteam. Regelmäßig kontrolliert er die 37 Schutzgebiete des Nabu Twistetal. Da kartiert er Arten, pflegt die Obstbäume durch Schnitt und Maßnahmen gegen Wildschäden, er reinigt und kontrolliert Nistkästen, kümmert sich um Tümpel und Teiche, um Mahd von Wiesenflächen und Abfuhr des Schnittgutes. Er hilft bei Aktionen wie dem Bau einer Nisthilfe für Wanderfalken, der Errichtung des neuen Schwalbenhauses in Twiste oder der Öffnung alter Bergwerksstollen für die Fledermäuse. Mitgliederbetreuung gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben. Jeden Tag erhält er Anrufe und Emails in Sachen Naturschutz, oder Leute fragen ihn zu Hause um Rat. Vorstandssitzungen und monatliche Treffen stehen im Ehrenamt als 2. NABU-Kreisvorsitzender im Vordergrund. Außerdem vertreibt Robert Jäger Nistkästen.

Angetan haben es ihm die Streuobstwiesen, auf denen außer den Kleinstlebewesen bis zu 5000 Tierund Pflanzenarten vorkommen. Und da kann man auch die alten Apfelsorten als Kulturgut erhalten. Robert Jäger kennt viele hundert Obstsorten und bemüht sich um Erhalt von alten Spezialitäten wie dem Twister Apfel, der Korbacher Edelrenette oder der Volkmarser Birne. Deren Vorkommen kartiert er, schneidet Edelreiser und bringt diese zu Baumschulen, wo sie auf geeignete Wuchsunterlagen aufgepfropft werden. Einige Raritäten hat Robert Jäger in seinem Privatgarten stehen. Sein Wunsch ist es, „dass auf die Belange des Naturschutzes seitens der Öffentlichkeit mehr Rücksicht genommen wird“. Und dass bei den Arbeitseinsätzen des Nabu mehr Leute helfen.

Zur Person
Robert Jäger ist 64 Jahre alt und gebürtiger Twister. Bis zum Renteneintritt arbeitete er als Wartungsschlosser bei Continental. Er ist verheiratet und wohnt in Twiste. Die Hobbys Naturschutz und Pomologie (Obstsortenkunde) füllen fast seine gesamte Freizeit aus. (zut)

 

Text und Bild Von Ursula Trautmann (HNA-Serie: Mein Verein und ich)


Gratulation zum 70. Geburtstag von Wolfgang Lübcke (2011)

Wolfgang Lübcke, seit 1987 Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Edertal und von 1992 bis 1998 engagierter Vorsitzender des NABU-Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg, konnte am 2. Dezember 2011 seinen 70. Geburtstag feiern.

 

Der Jubilar zählt zu den herausragenden Köpfen im NABU-Kreisverband und gilt als "Motor" der Vogelkundlichen Hefte Edertal (VHE). Diese deutschlandweit anerkannte Dokumentation der heimischen Vogelwelt, die mit diesem Band seit 38 Jahren erscheint, begleitet er als Schriftleiter, plant, organisiert, mahnt und bindet viele, nicht nur heimische Ornithologen in die Fertigstellung dieser Schriftenreihe ein.

 

Auch an der Organisation und Auswertung der Internationalen Wasservogelzählung im Edersee-gebiet seit 1970/71 sowie der Wintervogelzählung an der gesamten hessischen Eder seit 1996/97, die also im Winter 2011/12 zum 16. mal entlang der Eder von der Landesgrenze bei Beddelhausen bis zur Mündung in die Fulda bei Edermünde-Grifte durchgeführt wurde, ist er führend beteiligt. Zu seiner Koordinierung kreisweiter avifaunistischer Bestandserfassungen schrieb Stefan Stübing (HGON) einmal: "Es gibt landesweit kaum einen Kollegen, der das von der Organisation bis zur Publikation derart umsichtig, konsequent und über Jahrzehnte erfolgreich macht, wie Sie es tun." Lübckes Rat, seine Erklärungen und Kommentare auf dem Gebiet der Natur und speziell der Ornithologie sind gefragt und finden oft auch ihren Niederschlag in der lokalen Presse. Seine Publikationen, vor allem in den VHE, sind zahlreich. Als Autor und Mitautor verfasste er über 150 Publikationen.

Als es um den drastisch reduzierten Rotwildbestand im heutigen Nationalpark Kellerwald -Edersee ging, brachte sich Wolfgang Lübcke nicht nur als Jäger, sondern vor allem als ökologisch denkender Naturschützer zum Erhalt eines artgemäßen, gesunden Rotwildbestandes ein. Neben all diesen Aktivitäten, auch neben seiner anspruchsvollen, beruflichen Tätigkeit bis zu seiner Pensionierung Ende 2003 fand und findet der engagierte Naturschützer noch Zeit für die Haltung und Pflege einiger Schafe, für die Jagd in seinem Revier, für Exkursionsführungen, für Vorträge, für das Verfassen von Beiträgen zur Ornithologie und Heimatgeschichte, aber auch für Radtouren und Wanderungen mit seiner Frau und für seine Familie mit der Enkelin.

Wenn man seine Vita liest, wird deutlich, dass sich Wolfgang Lübcke stets einbrachte, etwas bewirken und Kenntnisse vermitteln wollte.

Am 2. Dezember 1941 wurde er in Parchim/Mecklenburg geboren. Er besuchte das Gustav-Stresemann-Gymnasium in Bad Wildungen, wo er 1961 das Abitur ablegte. An dieser Schule erhielt er von seinem Biologie-Lehrer Eduard Schoof entscheidende und prägende Impulse für sein späteres ornithologisches und naturkundliches Schaffen.

 

Seit 1973 war er selbst Lehrer an seiner ehemaligen Schule in Bad Wildungen mit den Fächern Biologie und Deutsch. 1982 bis 1988 war er Ko-ordinator an der Gesamtschule Edertal, schuf dort ein Freilandlabor und übernahm die Leitung von Lehrerfortbildungslehrgängen im Fachbereich Biologie. 1988 wechselte er ins Regierungspräsidium Kassel, wo er zuletzt als Dezernent für Gymnasien tätig war. Ab 1994 bis zu seiner Pensionierung war er Leiter des Studienseminars I in Kassel.

 

Als Kreistagsabgeordneter engagierte er sich von 1977 bis 1985 im Kreistag Waldeck-Frankenberg in den Bereichen Umwelt- und Naturschutz sowie in der Schulpolitik. Acht Jahre lang war er Mitglied der Waldeckischen Domanialkommission. Von 2001 bis 2005 gehörte er als Fraktionsvorsitzender dem Gemeindeparlament in Edertal an.

 

Sein hohes Engagement drückt sich auch in folgenden Mitgliedschaften aus: Neben seiner DBV/NABU-Mitgliedschaft seit 1956 ist er seit 1966 Mitglied in der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (DOG), 1967 wurde er Mitglied in der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), in der er zehn Jahre dem geschäftsführenden Vorstand angehörte und die er im Landesnaturschutzbeirat vertrat. Er vertritt die Naturschutzverbände im Kellerwaldverein, ist Mitglied der projektbegleitenden Arbeitsgruppe des Naturschutzgroßprojektes Kellerwald und war einige Jahre Vertreter der Naturschutzverbände im Kreisjagdbeirat. Er arbeitete in der Arbeitsgruppe Umweltbildung beim Aufbau des Nationalparkes Kellerwald-Edersee mit und schrieb die Texte zum offiziellen Bildband des Nationalparkes, der 2007 erschien. Vielfach liest er die Texte anderer Autoren Korrektur. Als Mitglied des Waldeckischen Geschichtsvereins verfasste er vier Schriften zur Ortsgeschichte und als Mitautor die "Edertaler Schulchronik".

Lübckes Engagement fand 2002 Würdigung in der Verleihung der Goldenen Ehrennadel des NABU und 2003 des Bundesverdienstkreuzes für 50 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit. Er genießt hohes Ansehen und ist uns NABU- und HGON-Mitgliedern bekannt als kenntnisreich, kompetent, konsequent, zielstrebig, maßvoll und zuwendend. Seine Schaffenskraft ist überaus erstaunlich und vorbildlich.

 

Seine Kollegen aus der Zeit in Kassel beschreiben ihn als "humorvoll, aufgeschlossen, großzügig und unternehmungslustig, als Menschen mit hoher Energie und hohem Optimismus, der nicht nur begeistern, sondern auch motivieren kann." Wir wünschen ihm alles Gute und noch lange die Kraft, sich für die Natur und seine Heimat einbringen zu können.

Herzlichen Glückwunsch auch im Namen des NABU-Kreisverbandes, der NABU-Ortsgruppen und des HGON-Arbeitskreises Waldeck-Frankenberg.

Gerhard Kalden


Ehrung für Karl Staiber (2011)

Er ist der älteste aktive Natur-schützer in Hessen. Sein Name ist untrennbar mit dem NSG Twistesee-Vorstau verbunden. Und dort erfuhr Karl Staiber am 12. April 2011 eine ganz besondere Ehrung:

Die Beobachtungshütte am Rande des Schutzgebietes wurde in  Karl-Staiber-Hütte umbenannt.  

Damit wird der Einsatz des Bad Arolser Naturschützers und Vogelkundlers gewürdigt, der das Naturschutzgebiet seit seiner Ausweisung Mitte der 70er Jahre fast täglich  beobachtet.  Maik  Sommerhage,  der  beim  NABU-Landesverband  für  die Schutzgebietsbetreuung zuständig ist, wies darauf hin, dass der Twistesee-Vorstau dank Staiber das am besten dokumentierte Schutzgebiet in Hessen ist. Der Geehrte ist mit 92 Jahren gleichzeitig der älteste aktive Schutzgebietsbetreuer in unserem Bundesland.  

Auch die  Bad  Arolser NABU-Gruppe  würdigte  sein  Engagement.  In der  Jahreshauptversammlung – am Abend nach der Hütten-Benennung – wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Bundesweit war er der älteste Vorsitzende einer NABU-Ortsgruppe. Detlef Volmer wurde zum Nachfolger gewählt.  

Karl Staiber war ein bisweilen unbequemer Verhandlungspartner, wenn es um den Schutz der Natur ging. Ohne Rücksicht auf seine Person setzte er sich für die Belange der Umwelt ein. Das bestätigte ihm einst auch die Arolser Stadtverordnetenversammlung:  Der  Bund  für  Vogelschutz  sei  nicht  bereit  zur  Zusammenarbeit, schrieb ihm der Parlamentsvorsitzende, Herr Staiber starte „permanente Angriffe auf die Stadt“. Dabei setzte er sich damals für ganz menschliche Belange ein. So wurde erst auf sein Drängen hin an einer Baustelle am Twistesee eine Toilette für die Bauarbeiter aufgestellt, erzählt er schmunzelnd.  

Die Einrichtung des Naturschutzgebietes Twistesee-Vorstau sieht Karl Staiber als seinen größten Erfolg für die heimische Natur an. Gemeinsam mit dem verstorbenen  Mediziner  Dr.  Gerhard  Pfeiffer  setzte  er  sich  dafür  ein,  dass  die  27  Hektar große Fläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Der See gilt als Vorzeigeprojekt: auf der einen Seite viel Platz für Freizeit, Wassersport und Erholung, auf der anderen Seite viel Schutzraum für seltene Wasservögel und andere Tiere.  Staiber verschaffte anderen Menschen Zugang zur Natur und gewann sie für den Naturschutz. Dazu zählen Prof. Dr. Eckhard Jedicke und Maik Sommerhage (beide Bad Arolsen), die heute hauptberuflich für den Schutz unserer Umwelt tätig sind.  Karl Staiber war Anfang der 60er Jahre nach Arolsen gekommen, zu einer Zeit, als Naturschutz noch weithin ein Fremdwort war. Damals lernte er den Förster Lothar Nitsche,  den  Schwager  des  unvergessenen  Vorsitzenden  des  Waldeckischen  Geschichtsvereins, Günter Jedicke, kennen, der ihn in die heimische Vogelwelt einführte und so Staibers Interesse für Natur und Naturschutz weckte.  

Seit der ersten Ausgabe der Vogelkundlichen Hefte Edertal gehört er mit über 20 Beiträgen zu deren Autoren und ist mit seinen Beobachtungsdaten in allen Ausgaben vertreten. Er beteiligt sich an der Internationalen Wasservogelzählung, besucht regelmäßig den Twistesee, das Wattertal sowie die Billinghäuser Teiche und notiert, welche Vogelarten er dort beobachtet hat.  

Sein Alter merkt man Karl Staiber nicht an. Auch mit über 90 Jahren hat er noch einen Uhu-Horst bewacht, aus dem im Vorjahr vermutlich die Jungvögel aus dem Nest gestohlen worden waren.  

Dabei ist er nicht nur mit der Vogelwelt bestens vertraut. Karl Staiber kennt sich mit  den  heimischen  Pflanzen  aus  und  ist  auch  in  der  Geschichte  des  Waldecker Landes bewandert, das seit rund 50 Jahren seine neue Heimat ist.
 
Bernd Schünemann


Zum 75. Geburtstag von Gerhard Kalden (2011)

Seitdem wir das Wirken von Gerhard Kalden (geb. am 18. August 1935 in Marburg/Lahn) aus Anlass seines 60. Geburtstags für den Schutz der heimischen Natur und sein Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit mit Wort und Bild gewürdigt haben (Vogelkundliche Hefte Edertal 21/1995, S. 157-158), ist viel Wasser die Eder hinab geflossen. Und Gerhard Kalden ist über all die Jahre hinweg noch immer nicht müde geworden, seine Anstrengungen fortzusetzen.

Besondere Höhepunkte seiner Arbeit waren sicherlich zwei Buch-Publikationen im nordhessischen Verlag cognitio (Niedenstein). Gemeinsam mit dem früheren Edertaler Forstamtsleiter Hugo Hücker brachte er brachte er 2004 den Bildband „Natur- und Nationalpark Kellerwald-Edersee“ heraus, der inzwischen vergriffen ist. Die Zusammenarbeit mit Hugo Hücker steht für Kaldens langjähriges Bemühen um eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den heimischen Forstleuten. Im Geburtsjahr des Nationalparks war dieser Bildband eine wichtige Gesamtschau der Natur- und Kulturschätze in der Kellerwaldregion. Natur und kulturelle Facetten hat Gerhard Kalden auch in seinem Buch “Naturerlebnis Edertal – von der Quelle bis zur Mündung“ verknüpft. Die hervorragend bebilderten Kapitel über Natur und Landschaft sind durch informative Porträts der größeren Städte entlang der Eder ergänzt. Als einer der besten Kenner des gesamten Flusses war Kalden für den Fernsehsender HR 3 idealer Ansprechpartner für dessen am 22. November 2010 gesendeten Produktion „Flussgeschichten von der Eder“, um in Wort und Bild den Naturaspekt zu veranschaulichen.

Seine Arbeit als Naturfotograf fand eine schöne Anerkennung, als ihn die Gesellschaft Deutscher Naturfotografen (GDT) 2006 zum Naturfotografen des Jahres kürte. Diese Auszeichnung erhielt er für sein stimmungsvolles Bild „Rehe im Sonnenblumenfeld“.

Vom ersten 1975 erschienenen Jahresband an unterstützte er die Vogelkundlichen Hefte Edertal durch Fotos aus der heimischen Vogelwelt, in aller Regel schon dokumentiert mit dem jeweiligen Vogel des Jahres auf der Titelseite. Aus seiner Feder stammen 34 eigene Textbeiträge für diese Schriftenreihe, von dem Beitrag über Seidenschwanz-Beobachtungen in Band 1 bis hin zu dem Bericht über die Rettung eines Uhus aus der Eder. Oft inspirierten ihn seine Beobachtungen bei der Fotopirsch zu größeren Aufsätzen und Kleinen Mitteilungen. Alljährlich ist er an der Organisation der Wintervogelzählungen an der Eder und deren Dokumentation in den Vogelkundlichen Heften beteiligt.

Mit zahllosen Presseartikeln weckt Gerhard Kalden Interesse für die heimische Natur. In den letzten Jahren erschien kein „Waldeckischer Landeskalender und kein „Frankenberger Kalender“, in denen nicht ein schön bebilderter und zugleich inhaltlich interessanter Beitrag die Neugier der Leser geweckt hätte.

Die vom Regierungspräsidium Kassel am 16.9.2010 ausgerichtete Veranstaltung zum 25jährigen Jubiläum des NSG „Ederseeufer bei Herzhausen“ war Anlass, den Antrag von NABU- und HGON-Mitglied Gerhard Kalden auf Unterschutzstellung dieses wertvollen Bereiches zu würdigen. Bereits 1980 richtete er einen entsprechenden Vorschlag an die Obere Naturschutzbehörde. Den persönlichen Anstoß dazu bildete die Entstehung einer Haubentaucherkolonie, die ihn als Naturfotografen begeisterte. Natürlich begleitete er seinen Antrag durch mehrere wirkungsvolle Presseartikel, z. B. am 21.6.1982 in der HNA unter der Überschrift „Ein Kilometer für Naturschutz“ und brachte damit zum Ausdruck, dass die Ausweisung von nur einem Kilometer als Naturschutzgebiet bei 69 Kilometer Uferlänge des Edersees wahrlich nicht zuviel verlangt ist.

Wolfgang Lübcke


Hans-Heiner Bergmann 70 Jahre (2009)

In meinem ersten Studiensemester 1968 in Marburg an der Lahn lernte ich Hans-Heiner Bergmann, damals Assistent im Zoologischen Institut, kennen und schätzen. Aus dem Blickwinkel einer 41 Jahre dauernden Begleitung und Freundschaft sei mir eine kurze Würdigung des Jubilars erlaubt.

Bergmann wurde am 27. September 1939 im nordhessischen Sachsenhausen geboren. Die Schulzeit verbrachte er in Bad Wildungen. Nach dem Abitur studierte er in Marburg Biologie und Latein. Anschließend wählte er die wissenschaftliche Laufbahn als Biologe mit Promotion, Assistententätigkeit und Habilitation in Marburg. 1978 wechselte er an die Universität Osnabrück, wo er bald darauf zum Professor ernannt wurde. Nach seiner Pensionierung kehrte Hans-Heiner Bergmann in seine nordhessische Heimat zurück. Er lebt jetzt in Bad Arolsen-Mengeringhausen.

Schon als Kind und Jugendlicher erkundete Hans-Heiner Bergmann zielstrebig und wissbegierig die Natur. Eine gute biologische und ornithologische Ausbildung erhielt er als Schüler des Bad Wildunger Gustav-Stresemann-Gymnasiums durch seinen Biologielehrer Eduard Schoof. Schoof war ein anerkannter Ornithologe, der eine ganze Schar von Schülern um sich versammelte und es verstand, ihnen die Leidenschaft für die Vogelkunde einzupflanzen. Neben Hans-Heiner Bergmann zählten unter anderen auch Rudolf Abraham und Wolfgang Lübcke zu diesen Jungornithologen. Mit großer Begeisterung las Bergmann damals das Buch von Bengt Berg „Mein Freund, der Regenpfeifer". Einem Regenpfeifer galt auch mit 18 Jahren seine erste Fachveröffentlichung „Flussregenpfeifer brüten an der Eder" 1957 in Werner Sunkels „Vogelring".

Das früh entwickelte und geformte vogelkundliche Interesse ließ Hans-Heiner Bergmann zu einem der bedeutenden Ornithologen unserer Zeit werden, und das aus mindestens sechs Gründen:
1.    Hans-Heiner setzte mit seinen Freunden aus Jena wesentliche Akzente in der Raufußhuhnforschung.
2.    Unter Hans-Heiners Federführung entwickelte sich in der Osnabrücker Zoologie ein Zentrum für Gänseforschung in Europa. Viele Fachartikel, Bücher, Diplom- und Doktorarbeiten entsprangen diesen Aktivitäten. Auch die Gründung der AG Gänse der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft geht auf ihn zurück.
3.    Hans-Heiner leistete bedeutende Beiträge in dem Forschungsgebiet, das ihn am längsten begleitete und ihn nie losließ, der Bioakustik der Vögel. Neben Studien über Lautäußerungen des Buchfinken rückte vor allem die vergleichende Bioakustik der europäischen Grasmücken für viele Jahre in den Forschungsmittelpunkt. In der Osnabrücker Zeit begannen die Arbeiten zu zwei Meilensteinen der Vogelstimmenkunde: einmal das mit Hans-Wolfgang Helb und Sabine Baumann bearbeitete Standardwerk „Die Stimmen der Vögel Europas". Zum anderen begeistert alle Vogelfreunde „Die Kosmos Vogelstimmen DVD", in der er zusammen mit Wiltraud Engländer die Rufe und Gesänge von 100 Vögeln in Kurzfilmen schnabelsynchron vorstellt. Beide Werke bilden eine fundierte und medial moderne Vogelstimmen-Einführung und wissenschaftliche Dokumentation.

4.     Hans-Heiner vernetzte sein biologisches „Hauptfach", die Ethologie, mit der Ökologie und trug damit, vor allem bei den Rauhfußhühner- und Gänseprojekten, entscheidend zum Verständnis der Lebensweise dieser Vogelarten in ihren Lebensräumen bei.

5.    Hans-Heiner war und ist ein begnadeter Lehrer, der es wie kaum ein anderer versteht, seinen Studenten, Kollegen, Freunden und Mitmenschen Begeisterung an der Natur zu vermitteln, Lernen und Erkenntnisgewinn durch die „richtigen" Fragen und Aufgaben zu initiieren, die Augen für biologische Phänomene zu öffnen und Impulse für eigene biologische Aktivitäten zu setzen.

6.    Und schließlich zeichnet Hans-Heiner eine feine, gebildete und überaus freundliche Menschlichkeit aus. Seine warme und gewinnende Ausstrahlung ist die entscheidende Basis dafür, dass er Spuren hinterlässt, Spuren bei Menschen, bei seinen Freunden und insbesondere bei jungen Ornithologen.

Im Unruhestand setzt er nun seine engagierte Arbeit mit ungebrochenem Fleiß fort. Tag für Tag, auch am Wochenende und auf Reisen, ist Hans-Heiner Bergmann wissenschaftlich aktiv: beobachtend, schreibend, ton- und filmaufnehmend, auswertend, diskutierend.

Lieber Hans-Heiner, herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag! Es wird bei Dir keinen Stillstand geben, denn es warten neue Videotechnik, neue Ideen, neue Projekte, neue Freunde auf Dich - und die alten Freunde natürlich auch. Etwas mehr Muße im neuen Jahrzehnt sei Dir jedoch gewünscht und gegönnt - und auch empfohlen.

Jo Weiss


117 Vogelarten im Visier - Jungornithologen beim bundesweiten Birdrace (2009)

Jungornithologen beim Birdrace

 

WALDECK-FRANKENBERG. 500 Beobachter haben die Vogelwelt ihrer Heimatkreise am Samstag in Deutschland genau unter die Lupe genommen. Drei von ihnen waren dafür in Waldeck-Frankenberg unterwegs: Die jungen Ornithologen (Vogelkundler) Bastian Meise, Christian Gaulke und Michael Wimbauer haben zwischen Rennertehausen und Korbach die Vielfalt der Vögel erfasst und 117 Vogelarten beobachtet. Sie beteiligten sich am bundesweiten Birdrace, den der Dachverband der Deutschen Avifaunisten ausrichtet.

Wettbewerb aus England


Seit einigen Jahren gibt es diesen Wettbewerb, der aus England nach Deutschland kam. Die Teams haben 24 Stunden Zeit, um in ihrem Landkreis möglichst viele Vogelarten zu beobachten. Für den Mehlener Bastian Meise (19 Jahre), den Wildunger Christian Gaulke (22) und den Hundsdorfer Michael Wimbauer (19) bedeutete das zunächst fast generalstabsmäßige Vorbereitung.

Wann können sie wo am besten die meisten Vogelarten finden? Wo beobachten sie, falls es regnet? Wie registrieren sie am besten die nachtaktiven Eulen fest? Anhand solcher Fragen hatte sich das Trio seine vogelkundliche Reiseroute zusammengestellt.

„Wir hangeln uns entlang der interessantesten Gebiete in Waldeck-Frankenberg“, erklärt Bastian Meise. Für eine Pause bleibt unterwegs keine Zeit. Deswegen rüsteten sich die drei mit Proviant im Rucksack aus.

Start um 2 Uhr


Ihre Birdracer-Tour starteten die drei gegen 2 Uhr mit nächtlichen Beobachtungen in der Ederaue bei Rennertehausen. Dort begrüßte sie als erste Art der Kuckuck mit seinen Rufen. Auch die sehr seltenen Blauund Braunkehlchen sangen lautstark in dem Schutzgebiet.

Über die Frankenberger Nemphe-Sümpfe, Dainrode und die Frankenauer Hochfläche ging es weiter zu den Kiesbaggerteichen zwischen Mehlen und Giflitz.

Vom Rabenstein im Nationalpark fuhren sie zum Ederund dann zum Twistesee und ins Wandetal bei Volkmarsen. Schleiereule zum Abschluss Am späten Abend kehrten sie zurück ins Edertal. Als letzte Vogelart registrierte das Trio bettelnden Schleiereulen-Nachwuchs in Mehlen kurz vor Mitternacht, fast vor der Haustür von Bastian Meise.

Der Gesang reicht zum Erkennen


Nachschlagen im BestimmungsbuchBastian Meise und Christian Gaulke waren schon 2007 beim Birdrace dabei. Im vergangenen Jahr verstärkte der Mehlener Bastian Meise das Team im Schwalm-Eder--Kreis. 101 Vogelarten beobachteten die beiden Vogelkundler beim Birdrace vor zwei Jahren. Mit 117 Arten haben sie ihr Ziel erreicht, dieses Ergebnis zu übertrumpfen.

Keine leichte Aufgabe, die auch abhängig vom Wetter ist. Hätte es am Samstag über dem Kreis geregnet, wäre das Trio von der vorbereiteten Route abgewichen. Dann wäre der Edersee ein wichtiges Ziel gewesen. Dort finden sich zahlreiche Wasservögel, die dem Regen ausweichen und sich an dem See sammeln. Bei gutem Wetter fliegen sie über den Kreis hinweg weitgehend unbeobachtet.

Was den Wettbewerb nicht einfacher macht: Drei TeamMitglieder müssen eine beobachtete Vogelart identifizieren. Das setzt gute sehr Kenntnisse der einzelnen Vogelarten voraus. Und die haben die drei Spezialisten: Sie können die Vögel nicht nur anhand des Aussehens erkennen, sondern auch am Gesang oder am charakteristischen Flugbild. Rund 200 Kilometer legte das Trio am Samstag mit dem Auto zurück. Auf den Rabenstein im Nationalpark ging es natürlich zu Fuß. Der Aufstieg wurde mit der Beobachtung von Kolkrabe, Schwarzmilan und Wespenbussard belohnt. Besonders gefreut hat sich das Trio über Schellenten auf dem Stausee von Affoldern eine Art, die im Frühling im Binnenland äußerst selten ist sowie über den Wendehals. Diese Spechtart haben sie im Raum Frankenberg gefunden.

Hintergrund


Intensivste Beobachtung der Vogelwelt Deutschlands  Diese intensivste Beobachtung der Vogelwelt endete 2008 mit bundesweit 270 Arten. Das Siegerteam aus Nordfriesland zählte an dem Tag allein 161 Arten.

An diese Werte kommen die drei heimischen Birdracer nicht heran das wissen sie genau. An Nordoder Ostseeküste können deutlich mehr Vogelarten beobachten werden als im Binnenland. In Hessen waren am Samstag zehn Teams unterwegs, bundesweit waren es etwa 130.

Dass beim Birdrace nicht gemogelt wird, ist Ehrensache, erklären die Team-Mitglieder. Auch Störungen der Tiere vor allem am Brutplatz sind tabu. „Schließlich wollen wir mit unserer Aktion für den Schutz der Vogelwelt und ihrer Lebensräume werben“, betonen sie. Ein weiteres Ziel: die Unterstützung der bundesweiten Vogelkartierung Adebar. Bis 2010 soll ein Katalog der deutschen Brutvögel erstellt werden. Sponsorenerlöse aus dem Birdrace werden zur Verfügung gestellt. Das Trio hatte zuvor um Unterstützung von Sponsoren geworben. (ber)


Ein Herz für die Natur - In memoriam Anneliese Kuprian (13.4.1921 - 19.1.2009)

Nach langer Krankheit hat ein Herz für die Natur aufgehört zu schlagen. Anneliese Kuprian, geb. Renke, trat bereits 1962 der damaligen DBV-Gruppe (heute NABU) Korbach bei. Ihr Mann Alfred war zeitweilig deren Vorsitzender.

Angeregt von Falko Emde widmete sie sich mit Begeisterung der Vogelbeobachtung.

Vom ersten Vogelkundlichen Heft an, das 1975 erschien, lieferte sie viele wichtige Daten, die u. a. in das Buch „Die Vogelwelt zwischen Eder und Diemel" (1993) einflossen.

Aus ihrer Feder stammen 22 fundierte Aufsätze in den Vogelkundlichen Heften. Hervorzuheben sind Bestandserfassungen von Dorngrasmücke, Braunkehlchen, Wachtel, Wiesenpieper und Mauersegler. Ihr Beobachtungsgebiet war über lange Jahre hinweg die Umgebung von Korbach, aber auch das Waldeckische Upland. Während ihrer Jahre in einem Bad Arolser Seniorenheim suchte sie sich vor Ort ein wichtiges Betätigungsfeld. Mit großem Zeitaufwand und viel Akribie erfasste sie von 1993 bis 2000 alljährlich den Mauerseglerbestand der Stadt und lieferte damit hessenweit beachtete Kenntnisse über die Siedlungsdichte einer Vogelart, mit der sich nur wenige Ornithologen so intensiv beschäftigt haben.

Das Interesse von Anneliese Kuprian galt auch der Heimatgeschichte. Gern verband sie diese mit der Natur. Beispielhaft steht dafür der Aufsatz „Kiebitzbrutplatz 1975 über dem Bergwergsschacht 'Kiebitz' von 1730". Für die 1987 erschienene „Geschichte des Naturschutzes in Waldeck" lieferte sie wertvolles Material und schrieb zwei eigene Beiträge: „50 Jahre DBV-Gruppe Korbach" sowie „Vögel und Landwirtschaft".

In ihrer Korbacher Zeit verfasste sie viele naturkundliche Beiträge für die Waldeckische Landeszeitung. Stets hatte sie dabei den Schutz der heimischen Natur im Blickfeld. 1988 wurde sie mit dem Kreisnaturschutzpreis ausgezeichnet. Eine ausführliche Würdigung ist in den Vogelkundlichen Heften 27 (2001) anlässlich ihres 80. Geburtstags veröffentlicht.

Wolfgang Lübcke


Karl Staiber auch mit 90 Jahren noch aktiv! (2009)

Er ist der älteste aktive Naturschützer in Hessen und der älteste Vorsitzende einer NABU-Gruppe in Deutschland. Zugleich ist er einer der ältesten (oder der älteste?) hessischen Vogelbeobachter.

Der Bad Arolser Ornithologe und Naturschützer Karl Staiber konnte am 4. Juli 2008 im Kreise seiner Freunde und Weggefährten seinen 90. Geburtstag feiern. Oliver Konz übermittelte dem aus Duisburg stammenden Jubilar die Glückwünsche der HGON, der Staiber seit vier Jahrzehnten angehört. Er wirkt von Anfang an in deren 1974 gegründetem Arbeitskreis Waldeck-Frankenberg mit. Seine ornithologischen Beobachtungsdaten aus dem Raum Bad Arolsen und insbesondere vom Twistestausee liefert er seit 35 Jahren regelmäßig für die Vogelkundlichen Hefte Edertal. Über zwanzig Beiträge in dieser Schriftenreihe stammen aus Staibers Feder. Seine Ortskenntnisse und sein Datenschatz waren ein wichtigerBaustein für die 1993 erschienene Kreisavifauna „Vogelwelt zwischen Eder und Diemel". Nach wie vor arbeitet er im Rahmen der Internationalen Wasservogel-zählung mit.

Sein „naturschützerisches Lebenswerk" ist das Naturschutzgebiet „Twistesee-Vorstau". Gemeinsam mit dem verstorbenen Bad Arolser Arzt und HGON-Mitglied Dr. Gerhard Pfeiffer ergriff er im ersten Europäischen Naturschutzjahr 1970 die Initiative, den Vorstau des Twistestausees für den Naturschutz zu sichern. Mit tatkräftiger Unterstützung von Willy Bauer gelang 1976 die Ausweisung als Naturschutzgebiet. Die gutachterlichen Beobachtungsdaten von Karl Staiber waren damals von großem Wert. Von Anfang an fungierte Karl Staiber als ehrenamtlicher Gebietsbetreuer und nimmt auch heute noch diese Aufgabe engagiert wahr. Sein „Pflegekind" besucht er fast täglich, um nach dem Rechten zu schauen und sorgfältig die aktuellen Vogelbeobachtungen zu notieren. Wenn es sein muss, legt er noch immer Hand an und drängt darauf, dass die notwendigen Pflegemaßnahmen durchgeführt werden. Seine langjährig erhobenen Beobachtungsdaten aus diesem NSG geben Aufschluss über dessen Entwicklung und sind Argumentationshilfe für erforderliche Maßnahmen, beispielsweise die Entschlammung des flächenmäßig stark geschmolzenen Vorstaus.

Lange Jahre war Karl Staiber örtlicher Vogelschutzbeauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt und ist Vorsitzender des NABU Bad Arolsen. Karl Staiber nimmt ernst, dass es für Naturschützer keine Pensionierung gibt. Wir wünschen ihm Gesundheit und Kraft, sich weiterhin für die heimische Tier- und Pflanzenwelt engagieren zu können.

Wolfgang Lübcke


Falko Emde zum 60. Geburtstag (2005)

Die Ornithologen und Naturschützer des Kreises Waldeck-Frankenberg gratulieren Falko Emde zu seinem 60. Geburtstag. Er wurde am 29. November 1944 in Korbach geboren, wo er auch seine Schulzeit verbrachte. Schon als Zehnjähriger kam er zur Ornithologie, ein Hobby, das er für sich selbst entdeckt hatte. Angeregt und gefördert wurde sein Interesse insbesondere durch seinen Großvater mütterlicherseits, der in Korbach Orgelbauer war. Von ihm mag er sein phänomenales Gehör für Vogelstimmen geerbt haben. Bemerkenswert ist auch, dass dem jungen Vogelbeobachter zunächst noch kein Fernglas zur Verfügung stand. Deshalb waren ein naturgerechtes Verhalten und eine gute Beobachtungsgabe vonnöten, um die faszinierende Vogelwelt in der heimischen Flur kennen zu lernen.

Ganz selbstverständlich galt Emdes 1. Staatsexamensarbeit zum Abschluss des Lehrerstudiums einem ornithologischen Thema. Die Erforschung des Eisvogels hatte es ihm besonders angetan. Schon als Schüler kannte er einen Brutplatz dieser seltenen Vogelart an der Orke. Um mehr über die Lebensweise des „fliegenden Edelsteins" zu erfahren, musste er die Vögel beringen. Auf diese Weise fand er Kontakt zu dem Bad Wildunger Ornithologen und Beringer Eduard Schoof. Schoof verwandte sich gegenüber der Vogelwarte Helgoland für die Erteilung einer Beringungserlaubnis an Falko Emde. Ein besonderes Erlebnis war für ihn der gemeinsame Vogelfang mit dem Japannetz in einer Schneise durch das Ufergehölz der Eder oberhalb der Mehlener Brücke. Die wissenschaftliche Vogelberingung bot willkommene Gelegenheit zum ornithologischen Erfahrungsaustausch. Hier lernte Falko Emde auch die Schoof-Schüler Hans-Heiner Bergmann und Rudolf Abraham kennen. Schließlich führte der Beruf als Realschullehrer Falko Emde nach Bad Wildungen, wo er neue Ornithologen-Freunde fand. An der jetzigen Ense-Schule unterrichtete er von 1970 bis 1999 die Fächer Biologie, Kunst und Erdkunde. Die sehr zeitaufwändige Beringungstätigkeit übte er bis 1999 aus, bis er sich aus gesundheitlichen Gründen pensionieren lassen musste. Ornithologischer Arbeitsschwerpunkt über viele Jahre hinweg blieben die Vögel des Bergbaches, insbesondere der Eisvogel. Diese Vogelart hat er in Nordhessen seit 1967 planmäßig erfasst und mehrfach darüber publiziert. Wenn im September Hochsaison der Eisvogelberingung war, musste seine Frau Helga assistieren.

Seine ornithologischen Untersuchungsergebnisse hat Falko Emde auf vielfältige Weise an andere weitergegeben. Insgesamt 69 Veröffentlichungen stammen aus seiner Feder, insbesondere in den Vogelkundlichen Heften Edertal, die er mitbegründet hat. Aber auch die Zeitschriften „Luscinia" und „Ornithologische Mitteilungen" brachten Beiträge von ihm. Seine erste ornithologische Veröffentlichung erschien 1968 in den „Ornithologischen Mitteilungen" mit dem Titel „Bemerkenswerte Durchzügler in Waldeck (Hessen)". Der Vogelzug zog ihn immer wieder in den Bann. Zwanzig Jahre lang hat er mit großer Energie den Herbstzug der Vögel bei Altwildungen beobachtet und dokumentiert. Eine bewundernswerte Leistung! Große Freude bereitete es ihm, wenn er als Mitglied der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (seit 1968) eine Tagung besuchen und mit Fachleuten über die Vogelzug-Planbeobachtung diskutieren konnte.

Als Redaktionsmitglied der Vogelkundlichen Hefte hat er maßgeblich an den Avifaunistischen Sammelberichten mitgearbeitet; 23 Berichte entstanden unter seiner Federführung. Insgesamt 12 Ringfundberichte hat er zusammengestellt und eine Reihe neuer Naturschutzgebiete porträtiert. Seine profunden Fachkenntnisse brachte Falko Emde in zwanzig Artkapitel der Avifauna des Kreises Waldeck-Frankenberg („Vogelwelt zwischen Eder und Diemel") ein.

Für den engagierten Ornithologen war es aber auch eine Selbstverständlichkeit, sich für den Vogel- und Naturschutz einzusetzen. Schon in seinem Aufsatz über die Brutverbreitung des Eisvogels in Hessen (Luscinia 41/1971, S. 182-183) hatte er gemahnt: „Für einen wirksamen Schutz des Eisvogels müssen sofort und konsequent Maßnahmen ergriffen werden. Der Eisvogel steht in Hessen kurz vor der Ausrottung!" (1970 landesweit nur 11 bis 17 Brutpaare).

Falko Emde war von der Gründung des Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV, jetzt NABU) im Jahre 1973 bis 1991 dessen Kreisvorsitzender. 1974 war er Mitbegründer des Arbeitskreises Waldeck-Frankenberg der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), den er bis 1985 leitete. Bis zu seiner Erkrankung fungierte er auch als Vorsitzender der NABU-Gruppe Bad Wildungen und als Beauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte Frankfurt.

Für seine herausragenden Verdienste um die Erforschung der heimischen Vogelwelt und den Naturschutz in Waldeck-Frankenberg erhielt er 1992 den Kreisnaturschutzpreis.

Wir sind Falko Emde zu großem Dank verpflichtet und wünschen ihm von Herzen alles Gute!

Wolfgang Lübcke


Charlotte Nieschalk - Wegbereiterin des Naturschutzes (6.4.1913-2.1.2005)

Charlotte Nieschalk ist am 2. Januar im 92. Lebensjahr verstorben. Mit den Verwandten und Bekannten trauern weit über die Kreisgrenzen hinaus viele Botaniker, Naturschützer und Heimatfreunde. Ihre Schulzeit verbrachte Charlotte Nieschalk, geb. Kupfer, in Korbach und Marburg, wo sie ihr Abitur ablegte. Danach besuchte sie die Hochschule für Lehrerausbildung in Hannover und war als junge Lehrerin in Eimelrod tätig.

 

1939 heiratete sie den vielseitig interessierten und begabten Maler Albert Nieschalk. Er betätigte sich als Landschaftsmaler, Restaurator von Kirchen und anderen kunsthistorisch wertvollen Gebäuden, engagierte sich im Korbacher Heimatmuseum und erforschte die heimische Flora. Die verbindenden Neigungen des Ehepaares Nieschalk erwiesen sich als überaus fruchtbar für die botanische Forschung und den Naturschutz im Kreis Waldeck-Frankenberg.

Charlotte Nieschalk hat an über 80 botanischen Veröffentlichungen mitgewirkt; viele davon sind gemeinsam mit ihrem Mann entstanden. Der wissenschaftliche Ruf des Ehepaares beschränkt sich keineswegs auf die Waldecker Heimat. Mit ihren Forschungsbeiträgen zur europäischen Farn- und Orchideenflora erwarben sich Nicschalks internationale Anerkennung; sie standen in engem Kontakt zu zahlreichen angesehenen Wissenschaftlern. Durch ihre profunde Kenntnis der Flora und Vegetation Nordhessens war es ihnen 1958 möglich, die von Adolf Grimme vorbereitete „Flora von Nordhessen" zu überarbeiten und herauszugeben. Ein besonderer Schwerpunkt des Ehepaares Nieschalk war auch die Erforschung der nordhessischen Rosenflora. Lange bevor die Diskussion um einen Buchennationalpark im Kellerwald begann, veröffentlichten sie eine grundlegende Arbeit über die „Naturwälder in Nordhessen". Darin forderten sie, charakteristische Naturwald-Schutzgebiete aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herauszunehmen.

Nach dem Tode ihres Mannes im Jahre 1985 setzte Charlotte Nieschalk mit bewundernswerter Tatkraft das gemeinsame Lebenswerk fort. Krönung ihrer botanischen Arbeit war sicherlich das 1996 erschienene Buch „Pflanzenwelt zwischen Eder und Diemel", die Flora des Kreises Waldeck-Frankenberg. Charlotte Nieschalk brachte ihr breites, in sechs Jahrzehnten gesammeltes Datenmaterial in das über 500 Seiten umfassende Werk ein und war den Autoren eine geschätzte Beraterin. Ohne ihre Vorarbeit wäre diese Flora von solch herausragender Qualität nicht möglich gewesen. Insbesondere konnten durch ihre akribischen wissenschaftlichen Arbeiten langfristige Veränderungen in der heimischen Flora dokumentiert werden. Im Botanischen Arbeitskreis des Naturschutzbundes Waldeck-Frankenberg (NABU) galt sie als höchst geachtete Autorität.

Ihre fachlichen Kenntnisse hat Charlotte Nieschalk in zahlreiche Gutachten zur Ausweisung von Naturschutzgebieten und Naturdenkmalcn eingebracht, die sie als Mitarbeiterin der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) der Oberen Naturschutzbehörde vorlegte. Besondere Verdienste erwarb sie sich um die Erhaltung der Hochheideflächen im Waldecker Upland, die inzwischen für den Tourismus einen hohen Stellenwert haben.

In lesenswerten Publikationen porträtierte sie mehrere heimische Naturschutzgebiete mit botanischem Schwerpunkt: Sonderrain bei Bad Wildungen, Kalkrain bei Giflitz, Osterkopf bei Usseln, Jägers Weinberg bei Usseln, Zechsteinhänge zwischen Buhlen und Lieschenruh und Alter Hagen bei Willingen.

Ungeachtet ihres botanischen Forschungsschwerpunktes interessierte sich Charlotte Nieschalk gemeinsam mit ihrem Mann zeitlebens für volkskundliche, kultur-und kunstgcschichtlichc Zusammenhänge. Schon während ihrer Lehrerinncnaus-bildung wählte sie Volkskunde als Nebenfach. Dr. Jens Kulick, der dem Ehepaar Nieschalk freundschaftlich verbunden war, verweist in einem volkskundlichen Aufsatz auf die vielen Notizbücher von Charlotte Nieschalk. Sie seien ein Schatz, der zahlreiche, heute nicht mehr mögliche Beobachtungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte enthalte. Er schreibt: Ich verdanke ihr „viele Kenntnisse zu diesem Forschungsbereich, die mir (...) sowohl bei der Arbeit im Korbacher Heimatmuseum als auch im Rahmen archäologischer Ausgrabung und Feldforschung zustatten kommen."

Das Wirken von Frau Nieschalk ist vielfältig gewürdigt worden. 1983 erhielt sie gemeinsam mit ihrem Mann den ersten Kreisnaturschutzpreis. Anlässlich ihres 80. Geburtstages erschien in der Reihe „Naturschutz in Waldeck-Frankenberg" die Schrift „Beiträge zur botanischen und heimatkundlichen Forschung in Waldeck-Frankenberg". Diese Publikation wurde gemeinsam von den Naturschutzvcrbänden HGON und NABU sowie dem Landkreis Waldeck-Frankenberg und der Stadt Korbach herausgegeben, ein Zeichen ihrer allseitigen Wertschätzung (siehe auch die Würdigung zu ihrem 90. Geburtstag in den Vogelkundlichen Heften Edertal 29/2003, S. 189-190).

Wolfgang Lübcke


Dank an Eckhard Richter (2004)

In dem Vogelkundlichen Heft 20/1994 findet sich im „Avifaunistischen Sammelbericht" ein neuer Name. Den jungen Forstbeamten Eckhard Richter hatte es beruflich in den Kreis Waldeck-Frankenberg verschlagen. Seine Mitarbeit im Kreise der Ornithologen und Naturschutzer sollte sich als äußerst produktiv erweisen, wofür wir ihm herzlich danken möchten.

Stets hatte Eckhard Richter neue Ideen zur Vogelbeobachtung und für Naturschutzprojekte.

Seine umfangreichen ornithologischen Beobachtungsdaten stellte er zehn Jahre lang für die Vogelkundlichen Hefte Edertal zur Verfügung. Seit Nr. 24/1998 wirkte er auch in der Redaktion der Vogelkundlichen Hefte mit und gehörte zu den Autoren des „Avifaunistischen Sammelberichtes".

Wir verdanken ihm insbesondere vertiefte Kenntnisse über die Verbreitung und Siedlungsdichte einer ganzen Reihe von Waldvogelarten. Seine guten Kontakte zu den Berufskollegen nutzte er für eine ornithologische Umfrage bei den Forstbeamten des Kreises Waldeck-Frankenberg (VHE 24/1998). Von insgesamt 73 Revierförstereien erhielt er den bemerkenswerten Rücklauf von 57 Erhebungsbögen. Dieser Initiative verdanken wir insbesondere wertvolle Informationen über die Waldschnepfe und den Schwarzspecht.

Viele Mitarbeiter für ein gemeinsames Projekt zu gewinnen, war eine der Stärken von Eckhard Richter. An der von ihm koordinierten Buntspechtkartierung beteiligten sich wiederum eine ganze Reihe von Forstbeamten, so dass 44 Probeflächen mit einer Gesamtgröße von 3670 ha ausgewertet werden konnten. (VHE 24/1998).

Im VHE 27/2001 stellte er die „Repräsentative Rotmilanerfassung in Hessen - Ergebnisse aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg" dar. Immerhin kamen elf Probeflächen von der Größe jeweils eines Messtischblatt-Viertels (ca. 33qkm) zusammen.

Siedlungsdichteuntersuchungen in den Dörfern unseres Landkreises sind bisher leider recht selten. Deshalb seien seine Siedlungsdichteuntersuchungen 1998 und 1999 in Lichtenfels-Immighausen besonders hervorgehoben. (VHE 26/2000)

Als größte persönliche Leistung im Bereich der Ornithologie sei jedoch seine sehr aufwändige, kreisweite Mittelspechtkartierung gewürdigt. Seine Veröffentlichung zur Verbreitung, Siedlungsdichte und Habitatwahl dieser Vogelart genügt durchaus den Ansprüchen einer Diplomarbeit. (VHE 23/1997)

Eine Selbstverständlichkeit für den engagierten Forstmann war auch die Mitarbeit in den heimischen Naturschutzverbänden. Er war stellvertretender Vorsitzender der NABU-Gruppe Frankenau (März 2000 bis März 2004) und stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Waldeck-Frankenberg der HGON.

Nachdem Ralf Enderlein aus beruflichen Gründen die Leitung des Arbeitskreises niedergelegt hatte, hielt Eckhard Richter die organisatorische Präsenz der HGON in Waldeck-Frankenberg aufrecht. Ihm lag auch daran, eine breitere Öffentlichkeit in die Vogelbeobachtung einzubeziehen. So rief er z. B. in der Lokalpresse mit gutem Erfolg zur Mitteilung von Kuckuckbeobachtungen auf und berichtete dann auch in der Zeitung über das Ergebnis.

Als stellvertretender Vorsitzender der NABU-Gruppe Frankenau hat er sich überwiegend um die ornithologischen Belange gekümmert. So hat er z. B. die Artenschutzprogramme für Turmfalke und Mauersegler organisiert. Zusammen mit G. Faust und G. W. Gruhs bemühte er sich um ein größeres Wiesenbrüterprojekt auf dem Alten Feld bei Dainrode . Zwar ist das Projekt nach seinem Weggang nicht mehr intensiv verfolgt worden, aber es ihm wesentlich zu verdanken, dass das Alte Feld als IBA - Gebiet in die weiteren Planungen aufgenommen wurde. Eckhard Richter hat es verstanden, junge Menschen für die Ornithologie zu begeistern und konnte bei Vogelstimmenexkursionen sein allgemeines Naturverständnis immer wieder sehr gut vermitteln.

Beruflich war er zuletzt im Forstamt Bad Wildungen tätig. Dort leistete er eine vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit. Insbesondere pflegte er die Waldpädagogik an den Schulen, unterstütze Projekte und Arbeitsgemeinschaften und bot Exkursionen und Vorträge an.

Mit Nachdruck hat sich Eckhard Richter auch für den Nationalpark Kellerwald engagiert. Er verfasste zu diesem Thema mehrfach Leserbriefe und stand in Diskussionen seinen Mann.

Sein beruflich bedingter Weggang aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg ist für die heimischen Ornithologen und Naturschützer ein großer Verlust. Eckhard Richter hat die Leitung der Revierförsterei in Lich übernommen. Wir wünschen ihm und seiner Familie alles Gute.

Wolfgang Lübcke


Dr. Holger Stiebel - Gratulation zur Promotion (2004)

Holger Stiebel (Edertal-Buhlen), langjähriger Mitarbeiter der Vogelkundlichen Hefte Edertal, hat im Jahr 2003 an der Fakultät für Mathematik und der Naturwissenschaften der Carl-von-Ossietzki-Universität Oldenburg promoviert. Seine Dissertation hat er im Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland" in Wilhelmshaven angefertigt.

 

Sie trägt den Titel „Frugivorie bei mitteleuropäischen Vögeln. Der Mutualismus zwischen Vögeln und ornithochoren Pflanzen: Ernährung frugivorer Vögel und Konsequenzen für die Samenausbreitung".

 

Die Freilanduntersuchungen erfolgten im Bereich der Gemeinde Edertal.

 

Wir gratulieren Holger Stiebel sehr herzlich.

Die Redaktion der Vogelkundlichen Hefte Edertal


In memoriam Volker Lucan (1936- 19.03.2003)

Noch am Vormittag seines Todestages hat Volker Lucan einen wichtigen Naturschutztermin wahrgenommen. Die hessischen Ornithologen, Botaniker und Naturschützer trauern um einen langjährigen Weggefährten, dem sie viel zu verdanken haben.

Volker Lucan wuchs in Korbach auf, wo er an der Alten Landesschule sein Abitur ablegte. Nach dem Studium der Fächer Biologie, Chemie und Geographie in Marburg wirkte er als Lehrer an der Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen, wo er viele Schüler im Unterricht, auf Exkursionen und Studienfahrten für die Natur begeisterte.

Das Erleben der Natur hat ihm - auch in schweren Zeiten - immer wieder die Kraft gegeben, die heimische Vogelfauna und Flora zu erforschen und sich unermüdlich für ihren Schutz einzusetzen. Die wissenschaftliche Grundlagenarbeit war ihm genauso wichtig wie das Zupacken im praktischen Naturschutz und die Öffentlichkeitsarbeit.

30 Jahre wirkte er als Vorsitzender der NABU-Gruppe Wolfhagen-Naumburg. Zahlreiche Publikationen stammen aus seiner Feder, oft gemeinsam mit anderen Autoren. Das zeigt seine Fähigkeit, Menschen zu einer gemeinsamen Sache zusammenzuführen. Stellvertretend sei das 1974 erschienene Buch „Vogelwelt des Land- und Stadtkreises Kassel" genannt, das er zusammen mit Lothar Nitsche und Günther Schumann verfasst hat. Es war die erste regionale Darstellung einer Avifauna in Hessen. Für die Ornithologen des Kreises Waldeck-Frankenberg bedeutete diese Publikation einen wichtigen Impuls. Es war ihnen klar, dass in ihrem Bereich für eine solche Veröffentlichung zu wenig Material über die Verbreitung, Siedlungsdichte und Phänologie der Vogelarten vorlag. Deshalb entschlossen sie sich, ab 1975 die „Vogelkundlichen Hefte Edertal" herauszugeben und erst später den Plan einer Kreisavifauna zu realisieren.

Die seit 1976 erscheinenden „Vogelkundlichen Mitteilungen aus dem Kasseler Raum" sind eng mit dem Namen Lucan verbunden.

 

Volker Lucan hat in der „Geschichte des Naturschutzes in Waldeck" (Schriftenreihe Naturschutz in Waldeck-Frankenberg, Band 1/1987) einen Beitrag über seinen Biologielehrer Helmuth Henning an der Alten Landesschule geschrieben. Er macht deutlich, wie stark der Schüler und spätere Student Volker Lucan von seinem Lehrer motiviert worden ist, die heimische Natur zu erforschen, aber auch zu schützen. Genau in diesem Sinne hat er seine eigenen Schüler geprägt. Folgendes Zitat seines Lehrers Henning hat er als Motto über dessen Würdigung gesetzt:
„Wie trostlos wären unsere weiten Feldfluren ohne den Schlag der Wachtel, ohne Lieder von Ammer, Fink und Lerche." Dieses Zitat könnte auch als Motto für sein eigenes Lebenswerk stehen.

Zeitlebens blieb Volker Lucan seiner Waldecker Heimat verbunden. Seit dem Erscheinen des ersten „Vogelkundlichen Heftes" hat er in den avifaunistischen Sammelberichten regelmäßig seine Beobachtungen im Waldecker Land beigesteuert. Er war an ornithologischen und botanischen Kartierungen im Kreis Waldeck-Franken berg beteiligt und hat somit wichtige Beiträge für die Bücher „Vogelwelt zwischen Eder und Diemel" (1993) und „Pflanzenwelt zwischen Eder und Diemel" (1996) geliefert. In der Avifauna hat er auch einige Artkapitel verfasst.

Wir werden Volker Lucan in dankbarer Erinnerung behalten.

Wolfgang Lübcke


Charlotte Nieschalk zum 90. Geburtstag (2003)

Charlotte Nieschalk (geb. am 6. April 1913) ist ein Glücksfall für die botanische Erforschung des Kreises Waldeck-Frankenberg. Dieser kenntnisreichen Frau mit ihrem bemerkenswerten Forscherdrang und ihrem außergewöhnlichem Engagement für Natur und Heimat hat der Naturschutz in unserer Region unendlich viel zu verdanken. Ihr zukunftsweisendes Denken und Handeln verknüpfte stets wissenschaftliches Interesse mit Übernahme von Verantwortung für die Natur. Sie ist ein Vorbild für viele Jüngere.

1939 heiratete die Lehrerin Charlotte Kupfer den vielseitig interessierten und begabten Korbacher Maler Albert Nieschalk. Er betätigte sich als Landschaftsmaler, Restaurator von Kirchen und anderen kunsthistorisch wertvollen Gebäuden, engagierte sich im Korbacher Heimatmuseum und erforschte die heimische Flora. Die verbindenden Neigungen des Ehepaares Nieschalk erwiesen sich als überaus fruchtbar für die botanische Forschung und den Naturschutz. Nach dem Tode ihres Mannes im Jahre 1985 setzte Charlotte Nieschalk mit bewundernswerter Tatkraft das gemeinsame Lebenswerk fort.

Charlotte Nieschalk hat an über 80 botanischen Veröffentlichungen mitgewirkt; viele Publikationen sind gemeinsam mit ihrem Mann entstanden. Der wissenschaftliche Ruf des Ehepaares beschränkt sich keineswegs auf die Waldecker Heimat. Mit ihren Forschungsbeiträgen zur europäischen Farn- und Orchideenflora erwarben sich die Nieschalks international Anerkennung. Durch ihre profunde Kenntnis der Flora und Vegetation Nordhessens war es ihnen 1958 möglich, die „Flora von Nordhessen,, überarbeitet herauszugeben, die deren Autor Adolf Grimme nicht hatte beenden können. Ein besonderer Schwerpunkt war auch die Erforschung der nordhessischen Rosenflora. Lange bevor die Diskussion um einen Buchennationalpark im Kellerwald begann, veröffentlichten sie eine grundlegende Arbeit über die „Naturwälder in Nordhessen,, (Naturschutz in Nordhessen, Band 4/1980). Darin forderten sie, charakteristische Naturwald-Schutzgebiete aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen.

Krönung ihrer botanischen Arbeit war für Charlotte Nieschalk sicherlich 1996 das Erscheinen des Buches „Pflanzenwelt zwischen Eder und Diemel. Flora des Landkreises Waldeck-Frankenberg mit Verbreitungsatlas,,. Dieses 510 Seiten starke Werk von Winfried Becker, Achim Frede und Wolfgang Lehmann sucht bundesweit seinesgleichen. Charlotte Nieschalk brachte ihr breites, in Jahrzehnten gesammeltes Datenmaterial ein und war den Autoren eine geschätzte Beraterin. Ohne ihre Vorarbeit wäre diese Flora von solch herausragender Qualität und überregionaler Bedeutung nicht möglich gewesen. Insbesondere konnten durch ihre akribischen wissenschaftlichen Arbeiten langfristige Veränderungen in der heimischen Flora dokumentiert werden.

Ihre fachlichen Kenntnisse hat Charlotte Nieschalk in zahlreiche Gutachten zur Ausweisung von Naturschutzgebieten und Naturdenkmalen eingebracht, die sie als Mitarbeiterin der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) der Oberen Naturschutzbehörde vorlegte. Besondere Verdienste erwarb sie sich um die Erhaltung der Hochheideflächen im Waldecker Upland, die inzwischen auch für den Tourismus einen hohen Stellenwert haben. In den Vogelkundlichen Heften Edertal porträtierte sie mehrere Naturschutzgebiete mit botanischem Schwerpunkt: Kalkrain bei Giflitz (1986), Jägers Weinberg bei Usseln (1988), Zechsteinhänge zwischen Buhlen und Lieschensruh (1990) und Alter Hagen bei Willingen (1991).

Das Wirken von Charlotte Nieschalk ist vielfach gewürdigt worden. 1983 erhielt sie zusammen mit ihrem Mann den ersten Kreisnaturschutzpreis. Anlässlich ihres 80. Geburtstages erschien ein Sonderheft in der Schriftenreihe „Naturschutz in Waldeck-Frankenberg" mit dem Titel „Beiträge zur botanischen und heimatkundlichen Forschung in Waldeck-Frankenberg". Die Texte dieser Publikation haben der Jubilarin freundschaftlich verbundene Autoren verfasst.

Wolfgang Lübcke


Forstdirektor Hugo Hücker zum Eintritt in den Ruhestand (2002)

Am 1. März 2002 hat Forstdirektor Hugo Hücker die Leitung des Forstamtes Edertal im Landesbetrieb „Hessen-Forst" in die Hände eines jüngeren Kollegen weitergegeben. Dreißig ereignisreiche Jahre lang lenkte er gewissenhaft und erfolgreich die Geschicke in dem bemerkenswerten Waldgebiet, das zur Zeit seines Dienstantritts 1972 noch die Bezeichnung „Staatliches Forstamt Affoldern" führte.

Lebhaft erinnert sich der Chronist, wie gleich zu Anfang Hugo Hücker auch an der Seite des Naturschutzes Einsatz zeigte: Gemeinsam mit dem unvergessenen HGON-Vorsitzenden Willy Bauer sowie den Edertaler Vogelkundlern konnte erreicht werden, dass im Zuge einer erheblichen Flächenvergrößerung der „Stausee von Affoldern" als erstes Edertaler  Naturschutzgebiet  ausgewiesen   wurde.   Dabei   trugen  Hückers   Verwaltungserfahrung aus vorheriger Regierungs- und Ministerialtätigkeit, aber auch sein Geschick als Vermittler wesentlich zum Erfolg bei, ebenso das Vertrauen, das er  sowohl   bei   den  kommunalen   Verwaltungen  als   auch  bei   der  damaligen Preußenelektra AG, Bauherrin und Eigentümerin des Stausees, rasch gewonnen hatte. Noch manches Naturschutzvorhaben, das den Wald nicht nur am Rande berührte, sollte folgen.

Bei Übernahme seines Dienstes galt der vom Waldeigentümer Land Hessen gesetzte Vorrang als Staatsjagdrevier („Wildschutzgebiet Edersee" - mit jagdlicher Tradition bis in frühere Zeiten als Hofjagdrevier der Fürsten zu Waldeck). Gattertore,   Betretungsverbote   und   mancherlei   weitere   Verhaltensvorschriften   zum Schutze des Jagdbetriebes zugunsten der offiziellen Jagdgäste des Landes Hessen engten die Möglichkeiten der übrigen Waldbesucher ein. Andererseits schätzten diese, dass es infolge eines hohen Wildbestandes regelmäßig gelang, Rot-, Dam, Muffel- und Schwarzwild zu beobachten. Trotz zunehmend ins Blickfeld geratender Wildschäden hatte der Wald seine Urtümlichkeit und ökologische Vielfalt, auch seine Eigenschaft als großflächiges Laubwaldrevier, insbesondere mit Rotbuche, bewahrt.

Dies weckte bald auch das Interesse des ehrenamtlichen Naturschutzes, der im Laufe der Jahre für eine wachsende Anzahl von Waldflächen den Status als Naturschutzgebiet anstrebte, in freiwilligem Einsatz Gutachten erarbeitete sowie bei Ämtern und Öffentlichkeit für Verständnis und Unterstützung warb. Den Anfang machte der „Arensberg" mit seiner (damals vorhandenen) Graureiher-Kolonie, inzwischen zu einer größeren Schutzfläche mit „Fahrentriesch, Bärenbachtal und Bloßenberg" vereint. Es folgten „Hagenstein", „Ruhlauber" und „Dicker Kopf. Die Forstverwaltung trug das Ihre dazu bei, indem sie im Rahmen der mittelfristigen Planung (Forsteinrichtung) Flächen mit naturnaher Waldbestockung ihrer Eigendynamik überließ (ein knappes Drittel der Gesamtfläche), beispielsweise Som-merlinden-Blockwälder an den Edersee-Hängen. Für den Forstamtsleiter Hücker bedeutete dies, mit einem hohen Maße an „Diplomatie" zu Werke zu gehen — zwischen Pflichterfüllung im (noch) Wildschutzgebiet einerseits und andererseits überzeugt von der Berechtigung der Naturschutzmaßnahmen. Dies führte schließlich zu dem Ergebnis, dass 1990 aus dem Wildschut/gebiet ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Waldschutzgebiet Gatter Edersee" wurde.

Im Unterschied zu den geschilderten erfolgreich verwirklichten Schutzvorhaben sei zu dem vermutlich nur vorläufig abgeschlossenen Thema „Naturpark Kellerwald" / „Nationalpark Kellerwald" lediglich angedeutet, welche Zumutung vonseiten der Politik es für den loyalen Beamten am Orte bedeutet haben mag, heute das eine und morgen das andere gegenüber seinen Mitbürgern „glaubhaft" vertreten zu müssen.

Hugo Hücker entstammt in neunter Generation einer Forstfamilie und erlebte dort von Anfang an eine Atmosphäre selbstverständlicher Achtung für das über die Jahrhunderte währende Werden und Vergehen im Walde. Beruflich wirkte er in dem Bewusstsein, dass das eigene Handeln daran gemessen nur eine Episode darstellt. Ihn leitete daher der Grundsatz, Stetigkeit zu wahren, Wandlung behutsam in Angriff zu nehmen, jähe Veränderung zu vermeiden, damit der ihm anvertraute Wald nicht kurzatmigem, wechselwendigem, einseitigem Zugriff anheimfalle.

Mit Einfallsreichtum hat Hugo Hücker schließlich anschauliche und allgemeinverständliche Informationsangebote für ein heute angesagtes vertieftes Naturverständnis unter den Mitbürgern geschaffen: durch art- und verhaltensgerechte Gestaltung des vielbesuchten Wildparks Edersee im Einklang mit der Natur- und Tierschutzgesetzgebung, in Konzeption und Aufbau des waldpädagogischen Zentrums „Fagutop" (aus: lateinisch fagus = Buche und griechisch topos = Ort) sowie mit der Anlage von Lehrpfaden im Gelände zu aktuellen und historischen Wald-Themen. Ferner legte er stets Wert darauf, durch Vergabe von naturkundlichen Gutachten die Kenntnisse über die Tier- und Pflanzenwelt des Gebietes zu erweitern sowie praktische Schutz- und Pflegemaßnahmen dadurch kritisch begleiten zu lassen.

Hückers vielseitiges, fachkundiges und administrativ gediegenes dienstliches Wirken in Verbindung mit seiner umsichtigen, ausgleichenden und verbindlichen Wesensart hat dazu geführt, dass unter dem Dache des traditionsreichen Dienstgebäudes am Ortsausgang von Affoldern in dreifacher Einhelligkeit residierten:
•  Naturpark Kellerwald - Edersee
•  Hessen-Forst / Forstamt Edertal
•  Entwicklungsgruppe Kellerwald - Edersee e.V.
- begleitet von der Hoffnung: zum Nutzen des Waldes.

Wie der Chronist seinen Freund Hugo kennt, ist es in dessen Sinne, hier mit Nachdruck zu betonen, dass alles Erreichte ganz wesentlich dem vertrauensvollen Zusammenwirken mit tatkräftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu danken ist.

Hans-Joachim Böhr


Wolfgang Lübcke - Naturschützer mit Augenmaß beging 60. Geburtstag (2001)

Am 02. Dezember 2001 beging Wolfgang Lübcke (Edertal-Giflitz) seinen 60. Geburtstag. Er machte kein Aufhebens um dieses Jubiläum und so entging einer Reihe seiner Weggefährten dieser runde Geburtstag. Jedoch, weil nur wenige in den Reihen des Naturschutzes im Landkreis Waldeck-Frankenberg es so sehr verdient haben, wie er gewürdigt zu werden, möchten wir ihm auch an dieser Stelle recht herzlich zu seinem 60. Geburtstag gratulieren, ihm alles Gute und vor allem noch viel Schaffenskraft für den heimischen Naturschutz wünschen.

Wolfgang Lübcke ist inzwischen ein Urgestein im heimischen Naturschutz. Früh machte er den Schutz der Natur zu seiner Angelegenheit, die er bis heute konsequent, unablässig, zielstrebig, mit viel Energie und Augenmaß verfolgt. Er hat eine berufliche Karriere vom Studienrat an der Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen bis zum Oberstudiendirektor aufzuweisen. Trotz inzwischen hoher beruflicher Belastung findet er immer wieder Zeit für ornithologische Beobachtungen und Bestandsaufnahmen in der Natur und seinem Hobby als Jäger in einem gepachteten Revier. Wolfgang Lübcke, selbst "infiziert" von dem re-nomierten Ornithologen und seinem ehemaligen Lehrer Eduard Schoof (Bad Wildungen), wurde Vorbild für viele Jugendliche, die sich heute engagiert im Naturschutz betätigen oder durch ihn beruflich zur Naturwissenschaft gelangten. Immer wieder führte er seine Schüler an die komplizierten Zusammenhänge in der Natur und schließlich zum Naturschutz.

Mit großer Übersichtlichkeit und großem Feingefühl gilt er im heimischen Naturschutz als Motor für viele Projekte, die er anregte, zur Realisierung verhall' und die er am Laufen hält. Seine fundierten Kenntnisse stellte er als Kreistagsabgeordneter der FDP vom April 1977 bis März 1985 im Kreistag des Kreises Waldeck-Frankenberg zur Verfügung. Als Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Edertal seit 1987 genießt er großes Ansehen weit über den engeren Kreis der Mitglieder hinaus. Auf ornithologischen und naturkundlichen Exkursionen, die er leitete, vermittelte er mit großem Sachverstand Einblicke in die Zusammenhänge der Natur. Von 1992 bis 1998 war er Vorsitzender des NABU-Kreisverbandes, in den er sich mit viel Engagement einbrachte, Verhandlungen mit Gremien des öffentlichen Lebens führte oder wichtige Impulse für die Öffentlichkeitsarbeit lieferte. Seine Naturschutzauffassung läßt keine halsstarrigen Extrempositionen zu. Er geht auch keine faulen Kompromisse ein, doch er urteilt unter Berücksichtigung anderer Belange stets mit Augenmaß und dient damit mehr dem Naturschutz als oft spontan zu erkennen ist. Als Naturschützer und Jäger vermag er auch zwischen beiden Verbänden wohltuend zu vermitteln. Seine fundierte Mitarbeit in der Rotwild AG Deutschland zum Schutz heimischer Rotwildbestände spricht dafür. Bei aller Zielstrebigkeit, sich als exzellenter Kenner der heimischen Natur für die Belange des Naturschutzes zu engagieren, verlor er nie seine Mitstreiter aus den Augen. Mit wohltuender Wärme lancierte er Ehrungen und vergaß nicht die Leistungen seiner Mitstreiter angemessen zu würdigen. Nun verdient er es aus tiefster Überzeugung, ebenfalls gewürdigt zu werden. Seine umfassende und umsichtige Naturschutzarbeit blieb auch dem Kreis Waldeck-Frankenberg nicht verborgen. 1991 erhielt er den Naturschutzpreis des Kreises Waldeck-Frankenberg.

Der Name Wolfgang Lübcke ist untrennbar mit den Vogelkundlichen Heften verbunden, die über die Ornithologie, andere Naturbereiche und den Naturschutz im Landkreis Waldeck-Frankenberg seit März 1975, dem Tag des ersten Erscheinens, informieren. Seit dieser Zeit gehört Wolfgang Lübcke der Redaktion der "Vogelkundlichen Hefte Edertal für den Kreis Waldeck-Frankenberg" (heutiger Titel) an. In dieser Arbeit erwies er sich als Katalysator und Motor. Mit Nachdruck vermag er auf Terminzwänge hinzuweisen und Beiträge zur Zeit einzufordern, Nachlässigkeiten duldet er nicht und verdientes Lob zollt er gelungenen Arbeiten. Die Zeitschrift erlangte nicht nur in Deutschland zu großem Ansehen in Fachkreisen. Selbst trug er immer wieder mit tiefgreifenden und anspruchsvollen Beiträgen, schlüssig argumentierend und richtungsweisend, zur Vielfalt der VK-Hefte bei. So veröffentlichte er regelmäßig in den "Vogelkundlichen Heften Edertal", darunter wegweisende und umfassende Untersuchungsberichte. Zur sensiblen Thematik Kormoran verfasste er zum Beispiel: "Zehn Fragen zum Thema Kormoran" (VK-Heft 23, 1997, S. 92 ff) oder im Heft 20, 1994 brachte er seinen Rückblick "20 Jahre Vogelkundliche Hefte Edertal". Im Heft 8, 1982, schrieb er. "Das Artenschutzprogramm für den Kreis Waldeck-Frankenberg ..." , um nur einige Beispiele zu nennen. Dazu lieferte er regelmäßig Daten zum avifaunistischen Sammelbericht in den "Vogelkundlichen Heften Edertal".

Darüber hinaus setzte er sich wissenschaftlich vornehmlich mit ornithologi-schen Themen aus der Region auseinander und publizierte nicht nur in den "Vogelkundlichen Heften Edertal". In der Literaturliste zur Vogelwelt des Landkreises Waldeck-Frankenberg in "Vogelwelt zwischen Eder und Diemel" finden sich 39 Titel, die mit seinem Namen verbunden sind. Beispielsweise verbreitete er seine Erkenntnisse über die heimische Vogelwelt auch in der "Luscinia", im "Journal für Ornithologie", im "Preußen Elektra Magazin", im "Waldeckischen Landeskalender", in "Vogel und Umwelt", in den Veröffentlichungen "Naturschutz Landschaftspflege, Baden-Württemberg", in "Auspicium" oder im "Jahrbuch Naturschutz in Hessen" des Naturschutzringes Nordhessen. Jahrelang befasste er sich intensiv mit der Wachholderdrossel, gab seine Erkenntnisse in Aufsätzen bekannt und schrieb zusammen mit Robert Furrer die Monografie "Die Wachholderdrossel" in der Reihe "Die Neue Brehm-Bücherei", Band 569, 1985 (198 Seiten). Darüber hinaus verfasste er "Die Geschichte des Naturschutzes in Waldeck" Band 1 in der Schriftenreihe "Naturschutz in Waldeck-Frankenberg". Auch an folgendem Titeln hatte er maßgeblichen Anteil: "Vogelwelt zwischen Eder und Diemel, Avifauna des Landkreises Waldeck-Frankenberg", Bd. 4 (1993) der oben genannten Schriftenreihe. Hier war er nicht nur in der Redaktion beteiligt, sondern fungierte auch als Schriftführer. Überregional arbeitete er als Bearbeiter von mehreren Artkapiteln an der neuen Avifauna von Hessen der HGON (1993 bis 2000) mit.

Sein Anliegen war und ist es, Menschen zu informieren, einzubinden in Natur als Grundlage unserer Existenz und aufzuschließen für die Schönheiten in der Natur damit schließlich für eigene Naturschutzaktivitäten zu motivieren. Auch seine Publikationen sind als Hilfestellung für behördliche Entscheidungen bei geplanten Eingriffen in die Natur gedacht.

Wolfgang Lübcke ist ein Arbeitsmensch, der es vermag, in möglichst geringer Zeit möglichst viel und effektiv zu leisten, ohne seinen Beruf oder seine Familie zu vernachlässigen. Er ist wegen seiner Umsichtigkeit und hohen Kompetenz im heimischen Naturschutz ein vielseitig geschätzter Partner. Er genießt hohes Ansehen. Wir hoffen, dass er uns weiterhin unter die Arme greift und uns mit seinem Wissen, seinem Taktgefühl und seiner Begeisterungsfähigkeit unterstützt.

Im Namen des NABU-Kreisverbandes, der NABU-Ortsverbände und des HGON-Arbeitskreises Waldeck-Frankenberg

Gerhard Kalden


Anneliese Kuprian zum 80. Geburtstag (2001)

Die naturkundliche Forschung im Kreis Waldeck-Frankenberg wurde durch zwei Frauen geprägt, denen wir viel verdanken. In der Botanik ist es Charlotte Nieschalk (Korbach) und in der Ornithologie Anneliese Kuprian (Bad Arolsen).

Anneliese Kuprian kam erst relativ spät zu der Beschäftigung mit der „scientia amabilis", angeregt durch den Korbacher Ornithologen Falko Emde. Es war ihr nicht nur ein Anliegen, die heimische Vogelwelt immer besser kennen zu lernen, sie engagierte sich auch in der Korbacher Ortsgruppe des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV, später NABU), deren Vorsitzender ihr Mann, der Pädagoge Alfred Kuprian, bis zu seinem Tode im Jahre 1969 war.

In der „Geschichte des Naturschutzes in Waldeck" hat Anneliese die Chronik dieser rührigen - wahrscheinlich 1938 gegründeten - Naturschutzgruppe geschrieben. An dieser Stelle wird bereits das historische Interesse dieser kulturell interessierten Frau deutlich. Sie ist Mitglied im Waldeckischen Geschichtsverein und hat sich im „Förderkreis Alte Kirchen" engagiert, der seinerzeit vergeblich gegen den Abriss der schönen Fachwerkkirche in Ederbringhausen kämpfte. Ihr Interesse an heimatkundlichen Zusammenhängen wird auch in einer Reihe ornithologischer Veröffentlichungen deutlich, wie z.B. über einen Kiebitzbrutplatz über dem Bergwerksschacht „Kiebitz" im Ittertal oder die selbstverständliche Einbeziehung der historischen Bausubstanz in ihren Veröffentlichungen über die Mauerseglerpopulation in Bad Arolsen. „Ich möchte trotz des großen Aufwandes die 7 Jahre nicht missen. Nie hätte ich die Häuser so gut angesehen", schreibt sie in einem Brief vom 10.01.2000.

Mit der selbstverständlichen Verbindung von Natur- und Heimatkunde steht Anneliese Kuprian übrigens in der Tradition der Pioniere des Naturschutzes in Waldeck wie Professor Ortloff, Felix Pusch oder Rudolf Lorenz. Zur „Geschichte des Naturschutzes in Waldeck" stöberte sie manch aufschlussreiche Quelle im Korbacher Stadtarchiv und im Marburger Staatsarchiv auf (s. auch dort ihren Beitrag „Vögel und Landwirtschaft").

Ihre Fähigkeit, gut zu formulieren, kam der Korbacher DBV-Gruppe, der sie 1962 beitrat, zugute. Sie übernahm die Aufgabe der Protokollführerin, vor allem aber verfasste sie als Pressereferentin über viele Jahre hinweg (1962-1992) sehr lebendige und anschauliche naturkundliche Beiträge für die „Waldeckische Landeszeitung". Schade, dass sie diese wichtige Öffentlichkeitsarbeit nicht weitergeführt hat.

Ihre Phase intensiver Beschäftigung mit der Ornithologie, die bis heute anhält, begann mit Erscheinen der „Vogelkundlichen Hefte Edertal" im Jahre 1975. Von Anfang an lieferte sie viele wertvolle Beobachtungsdaten aus dem Korbacher Raum und später aus Bad Arolsen; neben Bernd Hannover ist sie zudem die beste Kennerin der Vogelwelt im Waldeckischen Upland. Bereits ihre erste Veröffentlichung über „Beobachtungen am Nistkasten" in den „Vogelkundlichen Heften" im Jahre 1976 belegt die Fähigkeit, Naturphänomene sehr genau wahrzunehmen und zu beschreiben. 22 Beiträge in unserer Schriftenreihe stammen aus ihrer Feder, zwei Kapitel steuerte sie der „Geschichte des Naturschutzes in Waldeck" bei. Charakteristisch für ihre avifaunistische Arbeit ist, dass sie ihre Forschungsobjekte - insbesondere Dorngrasmücke, Wachtel, Wiesenpieper, Braunkehlchen und Mauersegler - selbst für sich entdeckt und über viele Jahre hinweg untersucht hat. Als Mitarbeiterin des Buches „Vogelwelt zwischen Eder und Diemel, Avifauna des Landkreises Waldeck-Frankenberg" zeichnet sie für die sehr fundierten Artkapitel Braunkehlchen, Wiesenpieper und Wachtel. Auch in methodischer Hinsicht verdanken wir ihr wertvolle Anregungen, z.B. durch ihren Erfahrungsbericht zur Brutvogelkartierung auf Viertel-Messtischblatt-Ebene (Sumpfrohrsänger, Feldschwirl, Dorngrasmücke und Turteltaube).

Die hervorragende Beobachtungsgabe und die nötige Beharrlichkeit von Anneliese Kuprian zeigt sich in besonderem Maße in der nunmehr achtjährigen Siedlungsdichteuntersuchung des Mauerseglers in Bad Arolsen. Eine landesweit einmalige Leistung! Allein 1999 hat sie dafür 110 Beobachtungsstunden aufgewendet. Wie immer kann sie dabei zu ihrer Arbeit die erforderliche kritische Distanz wahren. So schreibt sie am 21.01.2000: „Manchmal denke ich, was von vielen Ungewissheiten noch übrig bleibt. Man ist Zuschauer von außen, und näher an die Sache kommt man nicht heran."

Ihre Verdienste um die avifaunistische Forschung und den Naturschutz hat der Landkreis Waldeck-Frankenberg bereits 1988 durch die Verleihung des Kreisnaturschutzpreises gewürdigt. Anlässlich ihres 80. Geburtstages am 13. April 2001 wünschen die Redaktion der „Vogelkundlichen Hefte" und die Naturschützer des Kreises Waldeck-Frankenberg Anneliese Kuprian alles Gute. Möge ihr bei guter Gesundheit die positive Einstellung zur Natur erhalten bleiben, die ihr auch in schweren Zeiten hilfreich war. Mit ihren eigenen Worten hat die begeisterte Hobby-Malerin und jemand, der in den Zeiten von SMS-Nachrichten noch die Kunst des Briefeschreibens beherrscht, das so formuliert: „ (...) trotz aller sich ändernder Geschehnisse um uns herum, unsere Stellung zur Natur ist doch dieselbe wie immer." (08.09.1999)

Wolfgang Lübcke


Karl Staiber zum 80. Geburtstag (1998)

Wenn Karl Staiber von seinen Erlebnissen bei der Beobachtung der heimischen Vogelwelt oder von seinen bisweilen regelrechten Abenteuern im Naturschutz berichtet, fesselt er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer, denn er besitzt die Gabe, lebendig und anschaulich zu erzählen. Dafür möge ein Beispiel stehen:
Wie in jedem Jahr - es war am Gründonnerstag 1996 - wollte Karl Staiber als Betreuer des Naturschutzgebietes am Vorstau der Twistetalsperre den Wasserstand regulieren, um durchziehenden Watvogelarten einen geeigneten Rastplatz zu bieten. Dazu mußte er auf das Wehr klettern, um eine Kurbel zu bedienen. Dabei rutschte er von einem nassen Balken ab und fiel samt Parker und Gummistiefeln ins Wasser. Etwa 25 Meter mußte der 77-jährige kräftig schwimmen, um an betretbares Ufer zu gelangen. Nur vier Grad Celsius hatte das März-Wasser, wie der akribische Staiber am nächsten Tag maß.

Mühsam ans rettende Ufer gelangend, kam ein Ehepaar des Weges und fragte: „Was machen Sie denn da?" Staiber: „Nach zwanzig Jahren darf ich doch mal wieder ein Bad nehmen." Er war nämlich jahrzehntelang nicht mehr geschwommen. Auf meine besorgte Frage, ob er nicht krank geworden sei, antwortete er: „Nein, aber einen Muskelkater habe ich bekommen; denn ich mußte rasch schwimmen, um nicht auszukühlen. Das ist gefährlich."

Diese Begebenheit charakterisiert den Jubilar sehr treffend. Sie steht für ein außergewöhnliches, zupackendes Engagement im Naturschutz über 35 Jahre hinweg, zeigt die Energie, die Zähigkeit dieses Mannes und veranschaulicht seinen trockenen Humor.

1962 kam der am 4. Juli in Duisburg geborene Schlosser nach Arolsen. Als hier 1964 eine Ortsgruppe des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV) - jetzt NABU Bad Arolsen - ins Leben gerufen wurde, war der naturbegeisterte Karl Staiber selbstverständlich dabei; lange Zeit hatte er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden inne. Praktischer Naturschutz in Bad Arolsen ist auf das engste mit seinem Namen verknüpft. In der Waldecker Residenzstadt hat er seine zweite Heimat gefunden. Hier bekleidet er nach wie vor das Amt des Vertrauensmannes für Vogelschutz im Auftrag der Staatlichen Vogel schütz warte. Einen guten Einblick in diese Tätigkeit vermittelt sein Bericht in den Vogelkundlichen Heften Edertal (5/1979).

Um dem Naturschutz vor Ort mehr Gewicht zu geben, engagierte er sich auch parteipolitisch. Seine Mitgliedschaft im Waldeckischen Geschichtsverein zeigt, daß der „Großstadtflüchtling" aus dem Ruhrpott an seinem jetzigen Wirkungsort Wurzeln geschlagen hat.

Als sein „naturschützerisches Lebenswerk" kann man das Naturschutzgebiet „Vorstau Twistetalsperre" bezeichnen. Im ersten Europäischen Naturschutzjahr - 1970 - gab Karl Staiber gemeinsam mit dem um den Naturschutz sehr verdienten Arolser Arzt Dr. Gerhard Pfeiffer (†) den Anstoß, das Vorstaubecken der Twistetalsperre gegen manch andere Interessen für den Naturschutz zu sichern. Die klare Trennung von Nutzungs- (Erholungs-) und Schutzbereichen erwies sich als wegweisendes Konzept.

Gleichwohl ging es ihm stets auch darum, Menschen an den sich hervorragend entwickelnden neuen Lebensraum heranzuführen. So entstand z.B. die Beobachtungshütte. 1976 wurde das Naturschutzgebiet amtlich ausgewiesen. Im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde in Kassel übernahm Staiber die Aufgabe eines ehrenamtlichen Gebietsbetreuers. Die außergewöhnlichen Leistungen, die er über mehr als zwei Jahrzehnte in Überwachung, Pflege und Erforschung dieses Schutzgebietes erbracht hat, fanden in einem Beitrag seines ornithologischen Schülers Dr. Eckhard Jedicke (Bad Arolsen) im „Jahrbuch Naturschutz in Hessen" (Bd. 2/1997) eine schöne Würdigung.

Was wäre der amtliche Naturschutz ohne das ehrenamtliche Wirken von Menschen wie Karl Staiber! Seit Erscheinen des ersten Vogelkundlichen Heftes im Jahre 1975 zählt der Jubilar zu denen, die regelmäßig ihre Beobachtungsdaten für den Avifaunistischen Sammelbericht zu Verfügung stellen. Zahlreiche Beiträge aus seiner Feder zeugen für Freude am Naturerleben und eine ausgeprägte Fähigkeit, die Vielfalt der heimischen Natur wahrzunehmen.

Wir wünschen unserem verehrten Mitarbeiter Karl Staiber Gesundheit, alles Gute und noch viele schöne Beobachtungen an seinem NSG „Vorstau Twistetalsperre".

Wolfgang Lübcke


Zum Gedenken an Karl Sperner (4.9.1940- 11.3.1996)

Die Redaktion der Vogelkundlichen Hefte Edertal trauert um Karl Sperner. Schon als Quintaner war er ornithologisch begeistert, angeregt durch seinen Biologielehrer Eduard Schoof am Wildunger Gymnasium. Die Ornithologie als "scientia amabilis" begleitete ihn sein Leben lang.

Ohne Karl Sperner wäre die Herausgabe der Vogelkundlichen Hefte Edertal nicht möglich gewesen. Der inhaltlichen Gestaltung, der redaktionellen Bearbeitung -insbesondere des avifaunistischen Sammelberichtes, dem Erstellen der Druckvorlagen für die Hefte 1 bis 18 mit der Schreibmaschine, dem Korrekturlesen und den Verhandlungen mit der Druckerei widmete er sich mit großer Mühe und Zuverlässigkeit.

Seit 1968 führte er über seine ornithologischen Beobachtungen eine sorgfältige Kartei, die Material für zahlreiche Publikationen liefert. Seine besondere Neigung galt den Wasservögeln. So bereicherte er die Vogelkundlichen Hefte mit Veröffentlichungen über den Gänsesäger (1: 127-133), Kormoran (9: 42-50), die Meeresenten (13: 65-78) oder zusammen mit seinem "ornithologischen Schüler" Hartmut Mai durch einen Beitrag über die Lappentaucher (6: 5-33).

Die Vogelkundlichen Hefte Edertal betrachtete er von Anfang an als eine zielgerichtete Vorbereitung für die 1993 erschienene Avifauna für den Kreis Waldeck-Frankenberg, die "Vogelwelt zwischen Eder und Diemel". Neben seiner Mitwirkung an deren Konzeption und vielerlei Zuarbeiten schrieb Karl Sperner 17 Artkapitel, und zwar wiederum über Wasservögel: See- und Lappentaucher, Baßtölpel, Kormoran, Meeresenten und Säger.

Seine stete Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Ornithologen dokumentiert sich in gemeinsamen Veröffentlichungen, z.B. über Limikolen- und Wasservogelbeobachtungen, Graureiher oder Nachtigall.

Über das fachliche Zusammenwirken hinaus bemühte sich Karl Sperner stets um das menschlich Verbindende, immer ausgleichend und sehr feinfühlig darauf bedacht, Verletzungen im Umgang miteinander zu vermeiden.

Aus seiner Geburtsstadt Freiwaldau im Sudetenland mit seinen Eltern vertrieben, gelangte er 1946 in das Ederdorf Anraff. Hier gründete er 1952 zusammen mit Gleichgesinnten eine Naturschutz-Jugendgruppe, aus der sich später der Naturschutzbund Edertal entwickelte. Mit einer ausgeprägten Natur- und Heimatliebe sowie einem tiefen religiösen Bewußtsein war er stets bereit, Verantwortung zu übernehmen, insgesamt 13 Jahre als Vorsitzender der örtlichen Naturschutzgruppe und seit Gründung des Arbeitskreises Waldeck-Frankenberg der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie als dessen Schriftführer.

1989 wurde Karl Sperner mit dem Naturschutzpreis des Landkreises Waldeck-Frankenberg ausgezeichnet.

Persönlich verdanke ich ihm eine wunderbare, fünfzigjährige Freundschaft.

Wolfgang Lübcke


Gerhard Kalden zum 60. Geburtstag (1995)

Seine Freunde schätzen Gerhard Kalden als Mann des Ausgleichs und als jemanden, der mit großer Ausdauer und Beharrlichkeit viele Menschen an die Natur und den Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt herangeführt hat. Naturschutzbund Waldeck-Frankenberg und Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz gratulieren dem profilierten Naturfotografen und engagierten Naturschützer sehr herzlich zu seinem sechzigsten Geburtstag am 18. August 1995.

An der Edertalschule in Frankenberg unterrichtet der Oberstudienrat seit 1966 die Fächer Biologie, Chemie und Erdkunde, die er in Marburg studiert hat. Zahlreiche Schülergenerationen hat er für Beobachtung und Erforschung der heimischen Natur begeistert, im Hinblick auf ihren Schutz nicht nur als Vermittler theoretischen Wissens, sondern vor allem als persönliches Vorbild.

Besonders große Verdienste um den Naturschutz in Waldeck-Frankenberg hat sich Gerhard Kalden seit mehr als 25 Jahren vor allem im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit erworben. Hervorzuheben ist zunächst eine riesige Zahl von Presseartikeln, mit denen er über viele Jahre hinweg sehr regelmäßig über interessante Naturphänomene und aktuelle Naturschutzthemen berichtet. Seine anschaulichen und informativen Artikel leben von packenden Schilderungen gleichermaßen wie von den stets mit dem Text verbundenen meisterhaften Fotos, die das Ergebnis oft stundenlanger geduldiger Ansitze sind. Seine Beiträge zeichnen sich immer auch durch vielfältige örtliche und kreisweite Bezüge aus.

Auch in den Heimatkalendern beider Kreisteile hat er zentrale und viel beachtete Aufsätze veröffentlicht, z.B. über Uhu, Graureiher und Weißstorch oder über die Neubürger in unseren Wäldern, Waschbär und Mufflon, und zuletzt eine Reportage über den Rothirsch.

Von Anfang an gehört Gerhard Kalden zu den Mitarbeitern der Vogelkundlichen Hefte Edertal. Das gilt sowohl für seine Beiträge zum alljährlichen "Avifaunistischen Sammelbericht" als auch für vielfältige Aufsätze. Bereits in Heft 1 (1975) erschien seine kreisweite Auswertung "Beobachtungen am Seidenschwanz (Bombycilla garrulus) rund um den Edersee von 1959 bis 1974". Vor allem fehlen in keinem Heft seine hervorragenden Bilddokumente aus der heimischen Natur.

Am Gelingen der 1993 erschienenen Avifauna "Vogelwelt zwischen Eder und Diemel" hat er ebenfalls als Bildautor und Verfasser von Artkapiteln (Weißstorch, Seidenschwanz und Waldschnepfe) einen wichtigen Anteil. Hervorzuheben ist, daß Gerhard Kalden die Spielregeln einer artenschutzgerechten Naturfotografie nicht nur selbst vorbildlich beachtet, sondern diese auch anderen Naturfreunden eindringlich nahebringt.

Wenn er in seinem Beobachtungszelt hockt und geduldig auf einen Schnappschuß wartet, registriert er zugleich sehr aufmerksam, was sich um ihn regt. Nicht selten führte dies zu interessanten Verhaltensschilderungen. Als Beispiele dafür seien seine Beobachtungen im Neuntöterrevier (Vogelkdl. Hefte Edertal Nr. 17/1991) oder in diesem Heft über den Nahrungserwerb des Graureihers genannt.

Im praktischen Naturschutz vor Ort steht Gerhard Kalden für ausgewogene Positionen. Insbesondere pflegt er gute Kontakte zu den Forstämtern, wollte er selbst doch einmal Förster werden. Er vermittelt zwischen unterschiedlichen Interessen und fördert den notwendigen Dialog zwischen den Naturschutzverbänden. Die Unterscheidung zwischen Naturschützern und Naturnutzern ist für ihn wenig hilfreich. Als Nichtjäger arbeitet er beispielsweise in der Frankenberger Jägervereinigung mit. Daß dort sein Wort etwas gilt, zeigt die Verleihung der Hegemedaille des Deutschen Jagdschutzverbandes an ihn für seine Verdienste um den Naturschutz.

Als Musterbeispiel der von ihm praktizierten ausgewogenen und differenzierten Betrachtungsweise kann sein Aufsatz über das Rotwild in Waldeck-Frankenberg "'König der Wälder´ - eine bedrohte Wildart?" (Wald. Landeskalender 1995, S. 80-86) gelten, der die aus waldbaulichen Gründen erforderliche Reduzierung des Rotwildes akzeptiert, aber zugleich auf die Gefahr einer Verinselung der Bestände hinweist und hervorhebt, daß Wild zum Wald gehört. Der Schlußsatz dieses Aufsatzes ist zugleich Devise seines persönlichen Naturschutzengagements: "Nicht von einem Extrem ins andere zu fallen, sondern das goldene Mittelmaß zu finden, ist hier und heute eine Herausforderung."

Wolfgang Lübcke


Karl Staiber - ein engagierter Ornithologe und Naturschützer wird 75 (1993)

Wenn man Karl Staiber im Gespräch oder bei einem seiner Arbeitseinsätze im Freiland erlebt, kann man es einfach nicht glauben, daß dieser geistig rege und vitale Ornithologe und Naturschützer am 4. Juli 1993 schon sein 75. Lebensjahr vollendet. Sein rastloser Einsatz für die Natur und ihre Geschöpfe sowie sein Forscherdrang auf dem Gebiete der Ornithologie haben ihn jung erhalten.

Geboren in Duisburg, verschlugen ihn die Wirren des 2. Weltkrieges ins Waldecker Land, wo er in Arolsen eine zweite Heimat fand. Schon bald beteiligte er sich rege am dortigen Vereinsleben. Als 1964 die Ortsgruppe Arolsen im Deutschen Bund für Vogelschutz gegründet wurde, ergab sich für Karl Staiber ein weites Betätigungsfeld, wobei er auch für Vorstandsaufgaben zur Verfügung stand. Er bekleidet bis heute das Amt des Vertrauensmanns für Vogelschutz.

Seine Aktivitäten auf dem Gebiete des Naturschutzes sind vielfältig und können hier nicht vollständig genannt werden. Sie reichen vom Anbringen von Nisthilfen, z.B. im Rahmen eines Wasseramselschutzprogramms, über das Bekämpfen der Heckenrodungen und des Abflämmens von Rainen und Brachflächen, Maßnahmen des Amphibienschutzes, wie z.B. Anlage und Erhaltung von Feuchtgebieten, Aufbau von Amphibienschutzzäunen entlang der Straßen, bis zu botanischen Kartierungen und Wochenendeinsätzen bei der Überwachung gefährdeter Orchideen-Standorte.

Karl Staibers größtes Verdienst ist aber wohl die wesentliche Arbeit zur Vorbereitung, Ausweisung, Gestaltung und Pflege des NSG "Twistevorstau", das er seit Bestehen aufopferungsvoll betreut. Auch bei der Vorbereitung zur Ausweisung des Wattertales als NSG hat er großes Engagement bewiesen.

Ein wichtiges Anliegen ist es ihm, Kinder und Jugendliche für die Natur und ihren Schutz zu begeistern und sie entsprechend anzuleiten. Dies geschieht sowohl im Rahmen seiner Arbeit in der Ortsgruppe als auch bei Führungen von Schulklassen im NSG "Twistevorstau" (s. Foto).

Untrennbar mit seiner praktischen Naturschutzarbeit ist seine Liebe zur Ornithologie verbunden. Als ausgezeichneter Vogelkenner hat er im Laufe der Jahre eine Fülle von Datenmaterial aus der weiteren Umgebung von Arolsen gesammelt und zur Veröffentlichung in den avifaunistischen Sammelberichten der "Vogelkundlichen Hefte Edertal" zur Verfügung gestellt, wobei die Erfassung der Vogelwelt des NSG "Twistevorstaus" einen besonderen Schwerpunkt bildet. Es dürfte wohl kaum ein anderes Gewässer in Hessen geben, dessen Vogelbestände, seien es Brut- oder Gastvögel, laufend so gründlich erfasst werden, wie dies am Twistevorstau durch Karl Staiber geschieht. Mehrere eigene Veröffentlichungen in den "Vogelkundlichen Heften Edertal" dokumentieren seine hervorragende Beobachtungsgabe.

Seine Verdienste um den Naturschutz hat der Landkreis Waldeck-Frankenberg mit der Verleihung des Preises für Naturschutz und Landschaftspflege 1984 gewürdigt, den er zusammen mit Dieter Bark (Twiste) erhielt.

Das glückliche Zusammentreffen von Liebe zur Natur, Forscherdrang, Einsatzfreude und Furchtlosigkeit haben Karl Staiber zu einem exemplarischen Naturschützer werden lassen. Seine humorvolle Art und seine menschliche Wärme wissen seine Mitstreiter zu schätzen.

Es dürfte ganz in seinem Sinne sein, wenn wir ihm weiterhin einen rastlosen Lebensabend, gepaart mit guter Gesundheit, wünschen, denn Naturschutz und Ornithologie brauchen Männer wie Karl Staiber.

K. Sperner


In memoriam Willy Bauer (08.02.1930 - 21.04.1991)

Man stelle sich einmal vor, Willy Bauer hätte nicht sein Leben in den Dienst des Naturschutzes gestellt. Um wieviel ärmer wäre die Natur in Hessen!

Das einzigartige Wirken dieses großen Mannes ist von seinen Freunden vielfach gewürdigt worden (so z. B. die Ansprachen anlässlich der Trauerfeier von Prof. Hans-Peter Goerlich und Prof. Reinhard Sander in "Vogel und Umwelt", Band 6, S. 284 - 1290 oder den Nachruf von Erhard Thörner in "Naturkunde und Naturschutz in Mittelhessen", Band 2, S. 209 - 214).

Jeder der 24 Arbeitskreise der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) kann ein eigenes vielgestaltiges Bild zeichnen von Willy Bauers Einsatz für die jeweilige Landschaft Hessens. Jedes dieser 24 Bilder ist unverwechselbar und doch geprägt durch viele Gemeinsamkeiten.

Die Eder-Ornithologen lernten Willy Bauer anlässlich einer Landestagung der damaligen Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft Hessen (später HGON) kennen. Eine gemeinsame Exkursion führte an die Eder, von Fritzlar bis hin zum Stausee von Affoldern. Die großartige Landschaft dieses Mittelgebirgsflusses hat auf Willy Bauer einen tiefen Eindruck gemacht und sein späteres Eintreten für ihren Schutz geprägt. Auf dieser Exkursion regte er die ortsansässigen Ornithologen an, sich an der Internationalen Wasservogelzählung zu beteiligen, was dann im Winterhalbjahr 1970/71 erstmals erfolgte. Dieser Anstoß bildete sicher eine wichtige Wurzel für eine intensive avifaunistische Tätigkeit im Kreis Waldeck-Frankenberg.

Den Anfang einer engen Zusammenarbeit markiert dann der 09. Januar 1972. An diesem Tag wurde in Anraff der Arbeitskreis Edertal (für den Kreis Waldeck-Frankenberg und den Kreisteil Fritzlar-Homberg des Schwalm-Eder-Kreises) gegründet. Willy Bauer gehörte zu den Taufpaten. Vorangegangen war dieser Tagung eine Exkursion in die Ederauen. Zu den Teilnehmern gehörten Dr. Werner Sunkel, Dr. Gerhard Berg-Schlosser und Eduard Schoof.

Die Waldeckische Landeszeitung berichtete: "Ein besonderes Interesse in der Tagung fand die Naturschutzplanung im Edertal. Willy Bauer erläuterte anhand einer neuen Gewässerkarte für Hessen die einmalige Bedeutung der Eder für den hessischen Raum."

Seine Forderung, die Ederauen als Naturschutzgebiet auszuweisen wurde erst 1977 realisiert. Dies zeigt bereits, welch mühevollen Kampf Bauer um manch ein Naturschutzgebiet führen musste. Er erreichte schließlich, daß im unteren Edertal zwischen Bergheim un der Kreisgrenze nicht - wie zunächst geplant - 11 Kleinstgebiete ausgewiesen wurden, sondern die größeren NSG "Ederauen zwische Bergheim und Wega" und "Unter der Haardt".

Bereits 1975 war der Stausee von Affoldern unter Naturschutz gestellt worden. Bauer verhandelte mit der Preußenelektra in Hannover, führte die Gespräche vor Ort und erreichte so einen guten Kompromiss zwischen den Naturschutz- und Fremdenverkehrsinteressen. Nach vielen Terminen, Ortsbesichtigungen und Anfeindungen in einer Bürgerversammlung erreichte er die Ausweisung des NSG "Ederaue bei Obermöllrich und Cappel" im benachbarten Schwalm-Eder-Kreis. Bauer ist es somit wesentlich zu verdanken, dass inzwischen von einem "Auenverbund Eder" gesprochen werden kann, denn vom "Ederknie am Auhammer bei Battenberg" bis zum "Reiherteich bei Böddiger" stehen mittlerweile 13 Gebiete unter Naturschutz.

Ein Meilenstein in der Geschichte des hessischen Naturschutzes wa die einstweilige Sicherstellung des "Osterkopfes" im Waldeckischen Upland. Hier galt es, die Hochheide vor den negativen Folgen einer Aufforstung mit Fichten zu bewahren. In einer dramatischen Aktion gelang es Bauer, die damalige Bezirksdirektion für Forsten und Naturschutz in Kassel zu der ersten einstweiligen Sicherstellung eines bedrohten Biotops in Hessen zu bewegen.

Auch an der Ausweisung vieler anderer Naturschutzgebiete im Kreis Waldeck-Frankenberg hat Bauer einen wesentlichen Anteil.

Er ließ es sich nicht nehmen, die Naturschutzbelange persönlich in dem Beratergremium für das "Waldschutzgebiet Edersee" zu vertreten. Die Konzeption ist wesentlich durch seine Handschrift geprägt. Mit Stolz erfüllte es ihn, als im Anschluss an eine Sitzung dieses Beratergremiums am 01. November 1989 das Buch von H. Mai "Amphibien und Reptilien im Landkreis Waldeck-Frankenberg" vor über hundert Vertretern des öffentlichen Lebens vorgestellt wurde. Es war einer der letzten Besuche des HGON-Vorsitzenden bei seinem Arbeitskreis Waldeck-Frankenberg.

Die Herausgeber "Der Roten Listen für den Landkreis Waldeck-Frankenberg" von A. Frede - HGON, Naturschutzbund und der Landkreis Waldeck-Frankenberg - widmeten dieses für die künftige Naturschutzarbeit wegweisende Buch in Dankbarkeit dem Andenken von Willy Bauer.

Wolfgang Lübcke


Unerwartet für alle verstarb Wilhelm Kratz (06.05.1936 - 18.01.1989)

Wenn es galt, für den Schutz der bedrohten Natur einzutreten, konnte man sich stets auf seine Mithilfe und Einsatzbereitschaft verlassen.

 

Mit eindrucksvollen Bilddokumenten und großem Sachverstand hat er vielen Menschen die Augen für die Kostbarkeiten der heimischen Natur geöffnet.

Mit Dankbarkeit werden wir uns stets an ihn erinnern.


In memoriam - Zum Tode von Dr. med. Gerhard Pfeiffer, Arolsen (13.05.1921-24.02.1990)

Die Nachricht vom Tode des Arztes Dr. med. Gerhard Pfeiffer (13. 5.1921 -24.2.1990) hat nicht nur seine ehemaligen Patienten, sondern die Vogel- und Naturschützer in ganz Waldeck-Frankenberg mit tiefer Trauer erfüllt. Seine aufopfernde Fürsorge als Humanmediziner hatte er auch der stummen Kreatur gewidmet. Ganz besonders galt sie der Vogelwelt, oftmals den verletzten Opfern unserer technisierten Zeit. Aber auch zahllose Igel, die verletzt oder untergewichtig irgendwo aufgelesen worden waren, überwinterten im Hause Pfeiffer. Es wurde diagnostiziert, geröntgt, gefüttert (die Patienten vom Lande brachten Mäuse für Greifvögel und Eulen mit), es wurden Injektionen gemacht, manchmal in hoffnungslosen Fällen auch die erlösenden, aber viele Tiere konnten der Natur wiedergegeben werden. Im Wartezimmer Dr. Pfeiffers hing das große blaue Plakat mit dem Weißstorch, dem Symbol des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV). Als er noch praktizierte, ging er bisweilen zwischendurch mal eben nach draußen an die Voliere, um einen Blick auf seine „anderen Patienten" zu werfen.

Dr. Pfeiffer gehörte seit über 25 Jahren dem DBV an und, nachdem er Mitte der 60er Jahre nach Arolsen übergesiedelt war, auch der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Im März 1980 übernahm er als 1. Vorsitzender die Arolser DBV-Ortsgruppe. Das Ziel seiner künftigen Arbeit umriss er folgendermaßen mit den Worten: „Wir müssen vor allen Dingen versuchen, die Lebensräume der bei uns brütenden heimischen Vogelwelt zu erhalten bzw. neu zu schaffen." Bei allen für Natur und Umwelt relevanten Projekten wird gesagt, daß der Mensch vor der Natur rangiere. „Natürlich tut er das. Man sollte aber immer bedenken, daß der Mensch ein Stück dieser Natur ist und er ohne die Natur nicht existieren kann."

Von der DBV-Ortsgruppe Arolsen betreut werden die Naturschutzgebiete „Twistevorstau" und „Wattertal bei Landau". Besonders der Twistesee erfordert ständige Beobachtung und Pflegearbeiten, welche unermüdlich die „rechte Hand" Dr. Pfeiffers, Karl Staiber, übernommen hat. Die Anlage von Feuchtgebieten, umfangreiche Nistkastenkontrollen (Dr. Pfeiffer hatte eigenhändig über 500 Nistkästen gebaut und unter seine Obhut genommen), Amphibienschutzaktionen erfordern Helfer. Dr. Pfeiffer motivierte immer wieder die Jugend und hielt Filmvorträge. Er nahm auch kein Blatt vor den Mund, wenn es örtlich um die drohende Vernichtung eines Biotops ging und schrieb z. B. in der Presse von „Verhunzung der Natur".

In der „Geschichte des Naturschutzes in Waldeck" von Wolfgang Lübcke schrieb Pfeiffer über die Geschichte des Vogelschutzes in Arolsen, wo bereits im Jahre 1877 ein Vogelschutzverein gegründet worden war. Weitere Veröffentlichungen erschienen in den Vogelkundlichen Heften Edertal: „Zur Todesursache eines Graureihers" (Bd. 3,1977) und „Hilfe für verletzte Vögel" (Bd. 5,1979). In diesem Heft ist Dr. Pfeiffer mit seinem letzten Beitrag „Vermeidbare Unfälle unserer Wasservogelwelt" vertreten.

Als er wenige Tage vor seinem Tode in Afrika in der Serengeti Zebras und Gnus in endlosem Zuge von Steppe zu Steppe beobachtete, äußerte er begeistert: „Dies ist eine meiner schönsten Reisen", und als er im Ngorongoro-Krater vor den Gedenktafeln für den vor langen Jahren hier verunglückten Michael Grzimek und seinen kürzlich verstorbenen Vater, dem Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek stand, sagte er zu seinen Begleitern Dieter Bark, Friedhelm Wernz und Günter Schramme (Twiste): „Wenn die Grzimeks sich nicht dafür eingesetzt hätten, wäre hier jetzt gar nichts mehr." Dr. Pfeiffers Tod hat eine Lücke gerissen, die schwer zu schließen sein wird. Die DBV-Ortsgruppe Arolsen wird aber in seinem Gedenken weitermachen müssen.

Anneliese Kuprian


Eduard Schoof zum 70. Geburtstag (1978)

Der Senior der Waldecker Ornithologen und Mitherausgeber der "Vogelkundlichen Hefte", Eduard Schoof (Bad Wildungen), hat am 29. November 1977 sein 70. Lebensjahr vollendet. Aus diesem Anlass widmen wir ihm das Jahresheft 1978.

Zu den Verfassern dieser Ausgabe gehören auch fünf ehemalige Schüler von Eduard Schoof, die ihrem verehrten Lehrer auf diesem Wege dafür danken möchten, daß er sie für ihr liebenswertes Hobby begeistert hat. Seinen Schülern Anregungen zu geben, Begeisterung zu wecken und diese zu erhalten, war stets seine besondere Gabe, auch wenn er die Möglichkeiten nüchtern beurteilte. So schrieb er in seiner Zusammenstellung der "Beringungs-ergebnisse einer vogelkundlichen Arbeitsgruppe in Bad Wildungen (...)" (Vogelring 31, 1963): "Es finden sich immer nur wenige Menschen, die nach dem Verfliegen eines schnell aufflackernden Anfangsenthusiasmus die nötige Geduld, Zähigkeit, Zeit und Entsagungsbereitschaft anderen Dingen des Lebens gegenüber aufbringen, die notwendig sind, sich das wissenschaftliche Rüstzeug anzueignen, ohne das eine exakte ornithologische Beobachtungstätigkeit und eine Auswertung dieser Beobachtungen unmöglich ist." Sein Wirken ist jedoch nicht nur daran zu messen, daß eine ganze Reihe seiner Schüler inzwischen ebenfalls als Biologen an Schulen und Hochschulen tätig sind. Wenn man in Bad Wildungen oder den umliegenden Dörfern über Naturschutz spricht, so hört man oft verständnisvolle Worte von Menschen, die bei ihm Biologie-Unterricht hatten. Mancher, der unserem Arbeitskreis interessante Beobachtungen mitteilt, erinnert sich daran, daß Eduard Schoof jahrelang seine Schüler anregte, z. B. Beobachtungen über den Kranichzug zu melden, die er dann in seiner Veröffentlichung "Der Kranichzug im Edertal" (Vogelring 19, 1950) auswertete.

Eduard Schoof hat sich schon während seiner Schüler- und Studentenzeit mit der Vogelwelt beschäftigt. Schon damals hielt er Vögel in Käfigen, um ihr Verhalten zu beobachten. Aus dem engen Kontakt mit dem Vogel entwickelte sich seine bewundernswerte Beobachtungsgabe. Schon seit 1928 beringte er als Mitarbeiter der Vogelwarte im nördlichen Hessen, zunächst zusammen mit Curt Hartmann. Von manchem erlebnisreichen Fangtag zusammen mit diesem verdienten Ornithologen weiß er zu berichten, sei es nun bei gefahrvoller Ersteigung von Reiherhorsten oder dem Fang von Rohrammern im Schilf.


Im Jahre 1939 kam Schoof als Studienrat nach Bad Wildungen. Als Verfasser von Beiträgen im "Vogelring" und Beringer stand er in enger Verbindung zu dem "Altmeister" der hessischen Ornithologen, Dr. Werner Sunkel (†). Die Wertschätzung, die sich Schoof in Fachkreisen erwarb, wird bereits in dem biographischen Teil der "Vögel Hessens" (GEBHARDT/SUNKEL 1954) deutlich: "gewissenhafter und rühriger Feldbeobachter (...), der die gewonnenen Unterlagen für heutige Problemstellungen kritisch zu verwerten versteht. Er verfügt über die zuverlässigsten Kenntnisse in der Ornis des Ederseegebiets." In der Tat, wenn man in der hessischen Vogelfauna blättert, so wird rasch deutlich, dass die Meldungen über unser Gebiet hauptsächlich aus seiner Feder stammen.

Mit der einzigartigen Ederlandschaft ist der Jubilar eng verwachsen: "Ich kenne keinen Mittelgebirgsfluß, der sich ein so urtümliches Gepräge bewahrt hat, wie die Eder es wenigstens streckenweise getan hat, trotz aller Regulierungen und Begradigungen, die sie sich im Verlauf des letzten Jahrhunderts hat gefallen lassen müssen, wie andere Flüsse auch." So beginnt sein Aufsatz über "Die Vögel der Ederauen und die Auswirkungen ökologischer Veränderungen im Edertal auf die Vogelwelt". Wegen seiner engen Verbundenheit mit dieser Landschaft haben wir auch den Artikel von H. FRESE über "Die Vogelwelt am Ederflusse" (1933) in diesem Heft nachgedruckt wie auch die anderen größeren Beiträge in der Wahl der Themen und der abgehandelten Arten sich an den Interessen des Jubilars orientieren.

 

Bei der Lektüre der Arbeit von H.-H. BERGMANN möge man sich an die unvergesslichen Vogelstimmenwanderungen mit Eduard Schoof erinnern. Reiher und Schwalben sind Vogelarten, denen er stets besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat. Man denke z.B. an die alljährlichen gemeinsamen Fangaktionen an dem großen Schwalbenschlafplatz bei Mehlen. FRESES Artikel zeigt die Landschaftsveränderungen im Edertal auf, denen Schoof stets Beachtung schenkte, besonders aber die Liebe zur heimatlichen Natur. Der eindringliche Aufruf, die Ederauen zu schützen, lenkt unsere Gedanken auf das engagierte Eintreten Schoofs für dieses Gebiet. Ihm ist es wesentlich zu verdanken, daß das Edertal unter Landschaftsschutz gestellt wurde, und auch an der 1977 erfolgten Ausweisung der beiden neuen Naturschutzgebiete (siehe S. 110) in den Ederauen wirkte er maßgeblich mit.

Viel Freude macht uns die Zusammenarbeit mit Eduard Schoof in der Redaktion unserer "Vogelkundlichen Hefte", in denen er Beiträge über die Federwildstrecken der Bergheimer Grafen, den Wanderfalken im Ederseegebiet und die Dohlen in Bad Wildungen veröffentlicht hat. Ganz besonders schätzen wir seine Arbeiten, weil wir immer wieder vor der Schwierigkeit stehen, den Fachornithologen ebenso ansprechen zu können wie den interessierten Naturfreund. Ihm ist dieses stets gelungen, da er immer wieder eigenes Erleben spürbar macht, eine Fähigkeit, die auch seinen Unterricht so anziehend gestaltete. Seine Veröffentlichungen über die heimische Vogelwelt sind in Nr. 2 (1976) der "Vogelkundlichen Hefte" zusammengestellt. Besonderer Erwähnung bedürfen aber noch seine interessanten Beobachtungen, die er während des Krieges in Nordafrika über den Durchzug mitteleuropäischer Vogelarten aufzeichnete (Vogelring 20, 1951).

Im Rahmen einer vogelkundlichen Schrift würdigen wir Eduard Schoof natürlich als Ornithologen. Doch was ihn besonders auszeichnet, ist die Tatsache, daß er dieses Hobby nie einseitig in den Vordergrund stellte. Ich selbst durfte auf zwei gemeinsamen Exkursionen in die Provence und an den Neusiedler See erleben, wie er diese Landschaften von ihrer Geologie, ihrer Geschichte und Kultur her ebenso erfaßte wie ihre Tier- und Pflanzenwelt. Das Vielseitige seiner Persönlichkeit versuchte die Heimatzeitung zu erfassen, indem sie ihrer Würdigung anläßlich seines 70. Geburtstages die Überschrift gab: "Die Natur, Religion und die Musik sind die Begleiter seines Lebens."

W. Lübcke


Die Texte und Fotos sind überwiegend den Vogelkundlichen Heften Edertal entnommen.