Rezension: Riesige Eichen - Baumpersönlichkeiten und ihre Geschichten

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Hessen – Land der alten Eichen

Jeroen Pater (2017): Riesige Eichen. Baumpersönlichkeiten und ihre Geschichten. Franckh-Kosmos Verlag Stuttgart, 195 Farbfotos, 120 SW-Fotos, 320 Seiten, 50,00 Euro. ISBN: 978-3-440-15157-0

 

Cover Riesige EichenKein Ort hätte für die Präsentation des Buches  „Riesige Eichen“ passender sein können als die Sababurg im Reinhardswald. Nur unweit entfernt ist der berühmte „Urwald Sababurg“, Hessens ältestes Naturschutzgebiet mit seinen Jahrhunderte alten Huteeichen. Sehenswert sind auch die urigen Baumgestalten auf der „Beberbecker Hute“, jenes Gebiet, das vor den Folgen eines touristischen Mammut-Projektes bewahrt werden konnte. Der Reinhardswald weist mit insgesamt 40 Kilometern herrliche Eichen-Alleen auf, allen voran die Beberbecker Huteallee. Auch im Tierpark Sababurg unterhalb des Dornröschenschlosses sind prächtige Eichen-Alleen zu bestaunen. Und der Pächter des Schlosses zeigt im Restaurant Originalbilder des Reinhardswald-Malers Theodor Rocholl (1854-1933).

Das mit vielen aktuellen und historischen Fotos ausgestattete Buch von Jeroen Pater präsentiert - gegliedert nach Bundesländern - 150 Baumgestalten, davon 20, die noch nicht in Büchern beschrieben worden sind. Hessen spielt in der Galerie der Eichen-Giganten des Niederländischen Försters eine herausragende Rolle. So ist dieses Kapitel überschrieben mit „Land der alten Waldriesen“. Der Autor schreibt: „In keinem anderen Bundesland finden wir so viele Alteichen in den Wäldern“ Einige Beispiele: Die Hammundeseiche im Seulingswald bei Friedewald, der Waldriese bei Moischeid im Schwalm-Eder-Kreis, die prächtigen Veteranen im „Urwald Sababurg“, Deutschlands stärkste Traubeneiche am Fürstengrab im Büdinger Wald oder Hessens größte Eiche im Park Karlsaue in Kassel.

Mit ihren eindrucksvollen Bildern und informativen Texten ist die monumentale Publikation ein Muss für Baumfreunde. Sie weckt Begeisterung für die urigen alten Eichen, die ein Stück Wildnis verkörpern mögen. Zugleich sind alte Eichen als Lebensraum zahlreicher Insekten und verschiedener Vogel- und Baumpilzarten von großer Bedeutung für die Artenvielfalt. 10.000 hundertjährige Eichen können eine 500jährige Eiche nicht ersetzen, hat jemand mal zugespitzt formuliert. Dr. Peter Meyer von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt betonte in seinem Vortrag anlässlich der Buchpräsentation die ökologische Bedeutung alter Eichen. Eichenwälder sind stark zurückgegangen, zum Beispiel im niedersächsischen Solling in den letzten 200 Jahren von 46 auf 8 Prozent. Für den Wiederaufbau einer Population an Alteichen bedürfe es wirksamer Habitatbaum- und Prozessschutzkonzepte.

Wolfgang Lübcke

 

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