NSG Wohrateiche bei Haina

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Erstausweisung: 1985
Gemeinde: Haina (Kloster), (Löhlbach, Haina)
MTB 4919 und 4920
Schutzgrund: Bot, Zool, Orn
Größe: 69,35 ha
 


Lage und Besonderheiten
Das NSG umfasst einen etwa zwei Kilometer langen Abschnitt des oberen Wohratales nordöstlich von Haina. Insgesamt besteht es aus dem Bachlauf, Bachauenwäldern, naturnahen Teichen (die Entstehung der größeren geht auf das Zisterzienserkloster Haina zurück) und Wiesenflächen.

 

Es gliedert sich in vier getrennte Teilbereiche:

• Wohratal mit zwei Teichen im unteren Talabschnitt, Kälbergrund, Wüstung Elberode und Elberöder Grund,

• Wintergrund, nördlich der Wüstung,

• ehemaliger Grauwacke-Steinbruch an der Klosterkirche,

• unterer Bereich des Königsgrundes mit Königsteich und anschließender Talaue

 

Das NSG besteht aus zwei Schutzzonen. Die mit geringeren Auflagen versehene Schutzzone II umfasst die Wüstung Elberode, wo nur das Ausbringen von Flüssigdünger (Gülle) untersagt ist, und dem unteren Teich, aus dem Wasser für Energiezwecke entnommen werden darf.

 

Besucherhinweis:
Das obere Wohratal lässt sich von der Kreisstraße 107 aus betrachten, die das NSG in nordwestlicher Richtung begrenzt. Oberhalb der Straßengabelung nach Löhlbach ist ein geeigneter Haltepunkt mit einem schönen Blick auf die Wüstung Elberode. Empfehlenswert ist eine Spurensuche zum Stamfordschen Landschaftspark. Ein fünf Kilometer langer Rundweg beginnt am Tischbein-Haus am Kloster Haina. Das Wohratal erwandert man auf der östlichen Waldseite über den Diemel-Eder-Weg (D). Der Königsteich ist gut von der Zufahrt zum Forsthaus aus einzusehen.

 


 

 

Kurzübersicht Pflanzenwelt

Feuchtwälder in zwei Typen: Erlen-Bruchwälder und Erlen-Auenwäldern (Übergang beider Typen zeigt sich exemplarisch am Königsteich),

 

Auenwald mit Eschen und Schwarz-Erlen stockt am Wegrand auf Höhe des Forsthauses, zum Tal hin dominiert Erle,

 

Krautschicht: Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum) und Großes Springkraut (Impatiens noli-tangere).

 

zentraler Teil des NSG: Hainmieren-Schwarzerlen-Wald zwischen oberem Teich und Grünflächen der Elberöder Grundes, stellenweise dort auch Erlenwald mit Sumpf-Pippau (Crepis paludosa) und Gegenblättrigem Milzkraut (Chrysoplenium oppositifolium).

 

Übergangszone zwischen Wald und Verlandungszone des Königsteiches: Wärme und gute Nährstoffversorgung liebende Arten: Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus curopacus), Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata) und Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus); Übergangsbereich geprägt von  Rohrglanzgras-Röhricht mit Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile) und hohemhohen Anteil an Blasen-Segge (Carex vesicaria). Der Einlauf des unteren Teiches weist ein ausgedehntes Röhricht aus Teich-Schachtelhalm auf. Vereinzelt kommt hier der Fieberklee (Menyonthes trifoliata) vor: landeinwärts schließt sich deutlich zonierter Großseggenbestand an.

 

oberer Teich und kleiner Teich im Wintergrund: Glänzendes Laichkraut (Potomogeton lucens) bemerkenswert,
- Teich im Wintergrund dicht mit Schwimmendem Laichkraut (P. natans) bedeckt,
- Königsteich: Teich-Wasserstern (Callitriche stagnalis).

 

Elberöder Grund: Anzeiger für gute Wasserqualität: Gewöhnliche Brunnenkresse, Kleinblättrige Brunnenkresse (Nasturtium microphyllum), Bachbungen-Ehrenpreis (Veronica beccabunga) und insbesondere das reiche Vorkommen der Süßwasser-Rotalge Batrachospermum moniliforme im Bach.

 

Bunt blühende Glatthaferwiesen befinden sich auf den Wiesenflächen im Wintergrund und in großen Bereichen des Elberöder Grundes.

 

bodenfeuchte Bereiche: Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi), Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Großen Wiesenknopf (Sanguisorba offiänalis) und Herbstzeitlose (Colchicum autumnale),

 

Wiesen: prägend sind große Bestände des rosa blühenden Schlangen-Knöterichs (Bistorta offcinalis),
- in nassen Bereichen der Wiesen: Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium) und Bach-Nelkenwurz (Geum rivale).

 

Ende des Wintergrundes: kleiner Magerrasen an einem steinigen, südexponierten Hang

 

Elberöder Grund: Aronstab (Arum maculatum) in einem Schwarzerlen-Gehölz, Einbeere (Paris quadrifolia), beide Schlüsselblumenarten (Primula veris, P. elatior) und Maiglöckchen (Convallaria majalis)

 

 

 

Kurzübersicht Tierwelt

 

- mehrfache Beobachtungen der Wildkatze,

 

- Nachweis von fünf Fledermausarten am Königsteich in 2005: Zwergfledermaus, Große Bartfledermaus (besonders bemerkenswert, da hessenweit selten), Kleine Bartfledermaus, Wasserfledermaus und Fransenfledermaus, Nachweis von Grauem Langohr und Mopsfledermaus im ehemaligen Bierkeller am Königsteich (am Rand des NSG),

 

vielfältige Vogelwelt (Waldtal liegt an Vogelzuglinie):
- an der Wohra Bruten von Wasseramsel und Gebirgsstelze (charakteristische Bergbachvögel),
- Eisvogel als Nahrungsgast,
- Talaue ist Nahrungshabitat für Schwarzstorch (brütet in benachbarten Wäldern),
- Weidenmeise als charakteristischer Brutvogel der Erlenbruch-Wälder, auch Kleinspecht hier als Brutvogel nachgewiesen,
- Teiche sind Rastplatz für durchziehende Wasservögel, zur Zugzeit auch Fischadler im Gebiet

 

Amphibien: Feuersalamander, Erdkröte, Grasfrosch,Teich-, Berg- und Fadenmolch

 

Fischbestände (z. T. durch Besatzmaßnahmen): in der Wohra häufig Bachforellen

 

Schmetterlinge:
- oberes Wohratal früher eines zu den schmetterlingsreichsten Wiesentälern im Kreisgebiet,
- Artenrückgang: von 394 ursprünglich nachgewiesenen Arten sind in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl durch intensive Pflege und Düngung verschwunden, charakteristisch nur noch relativ häufige Arten wie Schachbrett, Großes Ochsenauge und Schornsteinfeger.


Um die verbliebenen Arten wie z. B. Mädesüß-Perlmuttfalter, Großer Schillerfalter, Gelbwürfeliger Dickkopffalter und Heusers Grünwidderchen zu erhalten, ist dringend eine Änderung der Grünlandpflege und Beseitigen der Fichtenanpflanzungen erforderlich!

 

Heuschrecken: acht Arten dominierend, Sumpfgrashüpfer als Charakterart feuchter Standorte im Wintergrund und der Wüstung Elberode,

 

Libellen: zehn nachgewiesene Libellenarten (überwiegend verbreitete und häufige Arten), z. B. an den drei großen Teichen Becher-Azurjungfer und Große Pechlibelle,


Käfer: 34 gefundene Käferarten, besonders erwähnenswert sind Hügel-Laufkäfer (Carabus arcensis) und die große Siedlungsdichte des Westlichen Wald-Grabläufers (Pterostichus cristatus),

 

Schnecken: Dunkers Quellschnecke (Bythinella dunkeri) in der Wohra zeigt die gute Wasserqualität des Baches.



Klicken Sie auf die Miniaturen, um sie zu vergrößern.



Genauere Informationen zu

Flora, Fauna und Insektenwelt

des Naturschutzgebietes finden sich

auf den Seiten 182 -184 in:
„Naturschutzgebiete in Hessen“, Band 4:

Waldeck Frankenberg und Nationalpark Kellerwald-Edersee

 

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