NSG Stadtbruch von Volkmarsen

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Erstausweisung: 1985
Stadt: Volkmarsen (Volkmarsen)
MTB 4520
Schutzgrund: Bot, Zool
Größe: 27,8 ha
 


Lage und Besonderheiten
Das ehemals von hohem Grundwasserstand geprägte Gebiet war früher vermutlich ein Tieflagen-Erlenbruchwald. Es liegt am südwestlichen Ortsrand der Stadt Volkmarsen zwischen dem Bach Twiste im Westen und dem Mühlgraben im Osten.

 

Bis Ende der 1950er Jahre weideten auf den Feuchtwiesen bis zu 2.000 Gänse und in den trockeneren Bereichen Kühe und Pferde. Im Winter diente der Stadtbruch als Schafweide.

 

In den 1930er Jahren wurden Entwässerungsgräben gezogen und in den feuchten Gebietsteilen Hybridpappeln gepflanzt. Der Wald hat einen Flächenanteil von 17 ha; das übrige NSG besteht überwiegend aus Grünland, das nach der Verordnung extensiv genutzt werden soll. Nach Ausweisung als NSG wurden die Pappeln mit Schwarz-Erlen unterpflanzt.

 

Besucherhinweis:
Von der Stadthalle aus geht man am Reitplatz vorbei 250 m stadtauswärts. Vor einem Hundeplatz führt links ein von Pappeln gesäumter unbefestigter Weg in den Randbereich des NSG.

 

 

 

Kurzübersicht Pflanzenwelt

Krautschicht: z.T. noch für Erlenbrüche charakteristische Pflanzen, z. B. Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara), Sumpf-Labkraut (Galium palustris), Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinalis), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum) und Wald-Frauenfarn (Athyrium filixfemina).

 

Gräben: Blut-Weiderich (Lythrum salicaria), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Bachbungen-Ehrenpreis (Veronica beccabunga) und Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale).

 

länger überflutete Stellen: Schlammflur-Gesellschaften mit Dreiteiligem Zweizahn (Bidens tripartita), Teich-Wasserstern (Callitriche stagnalis), Ästigem Igelkolben (Sparganium erectum) und Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus, Schlammpionier).

 

Hinweis auf übermäßige Stickstoffversorgung bzw. Störung: ausgedehntes Vorkommen der Brennnessel (Urtica dioica)

 

 

Kurzübersicht Tierwelt

Vogelfauna des Gebietes (Stand: 2005). 50 Arten nachgewiesen, davon über 30 Brutvogelarten, Charakterarten des Pappel-Erlenwaldes: Klein- und Grünspecht (je 1 Revier), Gelbspötter (1 Revier) und Grauschnäpper (3 Reviere), mehrfach Rufe des Pirols zu vernehmen (bevorzugt in den Hybridpappelbeständen anzutreffen), an der Twiste Bruten der Wasseramsel und Gebirgsstelze, Eisvogel als Nahrungsgast.

 

Fische: Dreistachlige Stichling in den Entwässerungsgräben,

 

Amphibien: Grasfrosch, Teichmolch, Erdkröte,

 

14 nachgewiesenen Landschneckenarten: Gefleckte Schnirkelschnecke (Ariantha arbustorum) und Bernsteinschnecke (Succinea putris) mit großen Beständen, Graue Schließmundschnecke (Bulgaria cana) hessenweit als gefährdet eingestuft,

 

19 Laufkäfer-Arten, überwiegend feuchtigkeitsliebend, darunter auch der auf Schneckennahrung spezialisierte Schneckenjäger (Cychrus caraboides),

 

47 Schmetterlingsarten festgestellt (17 Tagfalterarten):
- besonders erwähnenswert der in nördlichen Magerwiese fliegende Weißklee-Gelbling (Colias hyale);
- Brauner Bär (Arctia caja) besonders charakteristisch für das Gebiet,


Die Raupen des Hornissen-Glasflüglers (Sesia apiformis) leben über Jahre in den Wurzeln von Pappeln. Um den Bestand dieser Schmetterlingsart zu sichern, sollten bei der naturnahen Umgestaltung des Gebietes einige Pappeln erhalten bleiben.

 


Klicken Sie auf die Miniaturen, um sie zu vergrößern.



Genauere Informationen zu

Flora, Fauna und Insektenwelt

des Naturschutzgebietes finden sich

auf den Seiten 106 -108 in:
„Naturschutzgebiete in Hessen“, Band 4:

Waldeck Frankenberg und Nationalpark Kellerwald-Edersee

 

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