NSG Nemphetal bei Bottendorf

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Erstausweisung: 1992
Gemeinde: Burgwald (Bottendorf)
MTB 4918
Schutzgrund: Bot, Zool, Orn
Größe: 46 ha
FFH-Gebiet Nr. 4918-301


Lage und Besonderheiten
Der Burgwald ist relativ arm an Fließgewässern. Deshalb hat das obere Nemphetal mit dem Bach und sechs Teichen für diesen Naturraum eine besondere Bedeutung. Das schmale Waldtal ist, beginnend von der Quellregion, auf einer Länge von 4,5 km als NSG ausgewiesen. Die obere Grenze bildet die L 3078 zwischen Bottendorf und Rosenthal, die untere Grenze liegt ca. l km südwestlich von Bottendorf, nahe der B 252 bei Forsthaus Wolkersdorf.

 

Das Gebiet umfasst sehr nährstoffarme Seen und Teiche, magere Flachlandmähwiesen, saure Flachmoore sowie trockene Heiden. Eine Besonderheit in Hessen sind die kalk- und nährstoffarmen Braunwasserseen, die reich an Humusstoffen sind - mit den sich anschließenden Übergangs- und Schwingrasenmooren. Die sechs Teiche werden talaufwärts mit Nummern bezeichnet. Vier von ihnen wurden als Holzlagerteiche angelegt, die ältesten (6 und 5) um I960,die anderen um 1980.

 

Wichtig für die Wasserlebewesen ist, dass um die in den Bachlauf gebauten Teiche herum Umfluter angelegt wurden, die die Durchgängigkeit für Wasserlebewesen ermöglichen. Am interessantesten sind die drei oberen Teiche. Die Teiche 6 und 5 haben aufgrund ihrer Strukturen, der abiotischen Parameter (pH-Werte zwischen 4,6 und 6,8) sowie ihrer Artenausstattung einen dystrophen Charakter.

 

Besucherhinweis:

Empfohlen wird der Zugang vom oberen Rand des NSG aus. Dazu fährt man von Frankenberg in Richtung Rosenthal. Am tiefstem Punkt einer langen Graden liegt rechts ein Parkplatz (auf rot-weißen Pfeil achten) an dem ehemaligen Siedlungsplatz Forste (1461), heute als Forstkirche auf dem MTB bezeichnet.Von hier aus verläuft der Quernstweg entlang des NSG, den man auch gut mit dem Fahrrad benutzen kann. An den Teichen laden Baumrollen als Sitzplätze zur stillen Naturbeobachtung ein.

 

 

 

 

Kurzübersicht Pflanzenwelt

In beiden Teichen befindet sich eine ausgedehnte Unterwasservegetation mit Wasserstern (Callitriche spec.), Kanadischer Wasserpest (Elodea canadensis) und Zwiebel-Binse (Juncus bulbosus). Direkt an die flutende Unterwasservegetation schließen sich ausgedehnte Schwingrasenmoore an. In deren torfmoosreichen Braunseggen-Rasen dominiert die überflutungstolerante Schnabel-Segge (Carex rostrata). Eingestreut sind Graue Segge (Carex canes-cens), Sumpf-Veilchen (Viola palustris), Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre) sowie Hunds-Straußgras (Agrost/s canina). Ausgedehnte Braunseggen-Rasen nehmen ebenso oberhalb von Teich 4 den zentralen Teil des Talbodens ein.

 

Besonders eindrucksvoll ist das große Röhricht aus Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile), in dem auch das seltene Sumpfblutauge (Potentilla palustris) — eine nordische Charakterart der Braunseggen-Rasen - dichte Bestände aufbaut. Bemerkenswert ist weiterhin der Verkannte Wasserschlauch (Utricularia australis). Von dieser fleischfressenden Pflanze gibt es kreisweit nur zwei Nachweise im Burgwald.

 

Im gesamten Talverlauf befinden sich immer wieder Bereiche mit Feuchtbrachen und Hochstaudenfluren. Hier ist auch das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium) vertreten. Zwischen den Teichen 4 und 3 wird die Glatthaferwiese spät im Jahr von einem Landwirt gemäht. Unterhalb von Teich 3 entwickelt sich ein Erlenbruchwald.

 

 

Kurzübersicht Tierwelt

Als hohes faunistisches Schutzgut gilt das Bachneunauge, dessen Population 2004 eingehend untersucht wurde. Diese in Europa endemische Art ist bundesweit stark gefährdet und besitzt einen europäischen Schutzstatus. Mit mindestens 10.000 Larven an einem untersuchten Abschnitt von 3,9 km Länge handelt es sich um eines der größten hessischen Vorkommen. Hervorzuheben ist auch der gesunde Populationsaufbau in mindestens sechs Altersklassen. Als Laichhabitat benötigt das Bachneunauge sandig-kiesige Bereiche; Larvalhabitate sind überwiegend sandige Feinsedimente. Begrenzender Faktor sind die Laichhabitate, da fein- und grobkiesige Bereiche nur in geringem Ausmaß vorhanden sind.

 

In der nur gering belasteten Nemphe (Gewässergüteklasse I - II) existiert auch eine individuenreiche Bachforellen-Population. Unklar ist, ob die Groppe noch vorkommt, sie wurde noch 1993 nachgewiesen.

 

Die Gesamtpopulation des Kammmolches eine FFH-Anhang II-Art - wird auf etwa 40 erwachsene Tiere (2004) geschätzt. Weitere Vertreter der Amphibien sind Berg- und Teichmolch sowie Erdkröte, Geburtshelferkröte (letzter Nachweis 1993), Grasfrosch (mind. 10 Rufer) und Wasserfrosch. An Reptilien wurde bisher nur die Waldeidechse beobachtet.

 

Auf den Nempheteichen brütet regelmäßig - meist mit zwei Paaren - der Zwergtaucher. Am Rande des Gebietes horstete 2005 der Wespenbussard, für den sicherlich der Amphibienreichtum des NSG eine wichtige Nahrungsgrundlage ist. Schwarzstorch und Graureiher suchen das Tal häufig als Nahrungsgäste auf. Für Waldschnepfen, die im benachbarten Wald ein bis zwei Reviere haben, ist es Nahrungsraum und Balzplatz. Auf dem Durchzug werden immer wieder Fischadler beobachtet.

 

Für Wasserfledermäuse bieten die Teiche günstige Nahrungshabitate.

 

Im Sommer fallen dem Beobachter die zahlreichen Libellen an den großen Teichen und den Bachläufen auf, von denen bisher 19 Arten festgestellt wurden. Hervorzuheben sind das Große Granatauge, die Blauflügel-Prachtlibelle und die Gefleckte Heidelibelle. Als Besonderheit fliegt die bundesweit gefährdete Zweigestreifte Quelljungfer an allen Bächen des Gebietes.

 

Von den 74 erfassten Schmetterlingsarten (31 Tagfalter) sind folgende bedroht: Silberfleck- und Braunfleckiger Perlmuttfalter, Rundaugen-Mohrenfalter sowie Wegerichbär und Rotrandbär (Parasemia plantaginis, Diacrisia sannio). Als Besonderheiten kommen das Hornklee-Widderchen und Heuser's Grünwidderchen vor. Beide Arten haben in diesem Naturschutzgebiet ihren Verbreitungsschwerpunkt im Kreis Waldeck-Frankenberg.

 

Von den acht nachgewiesenen Heuschreckenarten ist besonders die Kurzflüglige Beißschrecke zu erwähnen, die in den Feuchtbrachen stellenweise häufig auftritt.

 

In den Verlandungszonen und Feuchtbrachen wurde die bundesweit gefährdete Gerandete Jagdspinne (Do/omedes fimbriatus) gefunden. Sie lebt in Gewässernähe und kann sich mit ihrer dichten Behaarung auf dem Wasser bewegen. Von dort aus fängt sie Insekten, Kaulquappen und sogar kleine Fische.

 


Klicken Sie auf die Miniaturen, um sie zu vergrößern.



Genauere Informationen zu

Flora, Fauna und Insektenwelt

des Naturschutzgebietes finden sich

auf den Seiten 199 - 201 in:
„Naturschutzgebiete in Hessen“, Band 4:

Waldeck Frankenberg und Nationalpark Kellerwald-Edersee

 

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