NSG Kalkrain bei Giflitz

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Erstausweisung: 1985
Gemeinde: Edertal (Giflitz)
MTB 4820
Schutzgrund: Bot, Zool
Größe: 7,4 ha
Teil des FFH-Gebietes
„Schrummbachsrain und Kalkrain bei Gifiitz" Nr. 4820-308


Lage und Besonderheiten
Der Kalkrain bei Gifiitz liegt auf der linken Seite des Wesetals, ist südostexponiert und hat eine Höhenlage von nur 210 bis 230 m über NN. Sein sommerwarmes Lokalklima hebt sich von dem Allgemeinklima der Umgebung ab.

 

Geologisch besteht der Steilhang aus dolomitisiertem Kalkstein, der örtlich eine intensive Veraschung zeigt. Der mehlartige Dolomitascheboden ist mit Kalk- und Dolomitsteinschutt durchsetzt. Er ist leicht erwärmbar und infolge hoher Wasserdurchlässigkeit sehr trocken. Deshalb gedeihen hier viele Licht und Wärme liebende sowie Trockenheit ertragende Pflanzen.

 

Im Gebiet findet eine Beweidung mit Heidschnucken statt (siehe www.schnuckenprojekt.de).

 

Besucherhinweis:

Das Gebiet ist nicht zugänglich. Lediglich Randbereiche sind von der Kreisstraße unterhalb des Gebietes aus einsehbar. Einen schönen Blick auf den Kalkrain mit seinen Wacholderbeständen hat man von dem Parkplatz an der Bundesstraße zwischen Giflitz und Altwildungen aus.

 


 

 

Kurzübersicht Planzenwelt

Bemerkenswerte Pflanzengesellschaften des Kalkrains sind Kelchsteinkraut-Fetthennen-Pioniergesellschaften, die hauptsächlich im nordöstlichen, grusig-sandigen Bereich des NSG zu finden sind.

 

• charakteristisch: Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), kontinental verbreitete Art (in Deutschland Verbreitungsschwerpunkt in den Sandgebieten Nordostdeutschlands), im Kreisgebiet nur noch wenige Exemplare der hessenweit stark gefährdeten Art im Raum Waldeck zu finden(früher dort und am Kalkrain deutlich häufiger).

 

Ein großer Teil des NSG besteht aus Halbtrockenrasen. pflanzensoziologisch handelt es sich um einen Enzian-Fiederzwenken-Rasen.

 

• unter den Gräsern vorherrschend: Pyramiden-Schillergras (Koeleria pyramidata),
 
• am Hang bunt blühende Kräuter, u. a. Frühlings-Fingerkraut (Potentilla tabernaemontani), Hügel-Meier (Asperula cynanchica), Feld-Thymian (Thymus pulegioides).

 

Mit dem Frühblühenden Ehrenpreis (Veronica praecox) beginnt das Blühen am Kalkrain und erreicht im August mit der Sand-Strohblume seinen Höhepunkt.

 

• Erdflechten-Gesellschaft im Bereich des Trockenrasens gilt aufgrund des Rückgangs geeigneter Lebensräume als bundesweit gefährdet (sieben Rote-Liste-Flechtenarten). Von besonderer Bedeutung ist der Nachweis von Buellia asterella (erstmals in 1970er Jahren beschrieben, in Hessen sind nur noch zwei Vorkommen im Meißnervorland).

 

• besonderer Pilz: Zitzen-Stielbovist (Tulostomo brumale), in Nordhessen sehr selten,
 

• ausgedehnte Wacholderbestände in Gebiet,
 

• viele Rosenarten, z. B. Feldrose (Rosa agrestis) und Kleinblütige Rose (R. micrantha), zwei Wärme liebende, submediterrane und in Nordhessen seltene Arten (Kleinblütige Rose hat hier ihr bestbesetztes Vorkommen im Kreisgebiet),
 

• Orchideen: Rotbrauner Ständelwurz (Epipactis atrorubens), Großes Zweiblatt (Listera ovata), Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera),
 

• auf kleinflächig anstehenden Felsen Kalk-Blaugras (Sesleria albicans).

 

 

Kurzübersicht Fauna

interessante Insektenfauna aufgrund der besonderen Lebensbedingungen:

 

• neun Heuschreckenarten nachgewiesen (Heide-Grashüpfer als Charakterart beweideter Magerrasen, Kurzflügelige Beißschrecke in Hessen gefährdet, Gemeine Sichelschrecke als Wärme liebende, in Nordhessen seltene Art),
 

• 77 nachgewiesene Schmetterlingsarten, charakteristisch: spezialisierte Kleinschmetterlinge wie z. B. der Trockenrasen-Graszünsler (Agriphila inquinatella), unter 27 Tagfalterarten überwiegen an Mager- und Trockenrasen gebundene, in Hessen stark gefährdet: Roter Würfel-, Komma- und Dunkler Dickkopffalter,
 

• Schneckenarten: typische auf Zechstein vorkommende Arten, z. B. Gemeine Heideschnecke (Helicella itala)

 

Wichtig für die Erhaltung vieler Pflanzen- und Tierarten des Kalkrains ist die Beweidung. Bis um 1950 wurden noch Schafe und Schweine in das Gebiet getrieben. Nach stärkerer Entbuschung und Einsatz von Ziegen erfolgt heute die Pflege durch Heidschnucken.

 


Klicken Sie auf die Miniaturen, um sie zu vergrößern.



Genauere Informationen zu

Flora, Fauna und Insektenwelt

des Naturschutzgebietes finden sich

auf den Seiten 160 -161 in:
„Naturschutzgebiete in Hessen“, Band 4:

Waldeck Frankenberg und Nationalpark Kellerwald-Edersee

 

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