NSG Ederaue bei Hatzfeld

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Erstausweisung: 1993
Stadt: Hatzfeld (Holzhausen)
MTB 5017
Schutzgrund: Bot, Zool, Aue
Größe: 11,9 ha
 

Lage und Besonderheiten
Unter den Naturschutzgebieten Waldeck-Frankenbergs hat die "Ederaue bei Hatzfeld" einen besonderen Status, denn ihre Schutzwürdigkeit ist nicht in erster Linie vegetationskundlich oder faunistisch begründet, sondern in dem Entwicklungspotenzial des Gebietes. Schutzziel ist, den Lebensraum durch Gewässer- bzw. Auen-Renaturierung und eine extensivierte Grünlandwirtschaft zu entwickeln.

 

Der bogenförmige Ederabschnitt 1,5 km östlich von Hatzfeld nordwestlich der kleinen Siedlung Friedenthal ist für einen solchen Ansatz besonders gut geeignet. Hier bestand die Chance, das relativ steile, mit Natursteinen befestigte linke Ufer zurückzubauen, die natürliche Seitenerosion zu fördern und somit die Eder aus ökologischer Sicht erheblich zu verbessern, denn bislang fehlte hier eine natürliche Uferzonierung. Nach dem Entfernen der Ufersicherung wurde der Oberboden abgegraben und entsorgt, die Böschung abgeflacht und mit dem angefallenen Ederkies der Gewässerschnitt profiliert. Große Steine der Ufersicherung wurden als "Störsteine" in die Edersohle eingebaut und dadurch die Gewässerstruktur bereichert.

 

Besucherhinweis:
In das NSG führen keine Wege und ein Betreten ist aus Schutzgründen nicht erlaubt. Oberhalb des Waldhangs führt ein Wanderweg entlang.

 

 

 

Kurzübersicht Pflanzenwelt
Der größte Teil des NSG besteht aus meist zweischürig genutzten Tal-Glatthaferwiesen. Im Zentralteil sind artenreiche und extensiv genutzte Berg-Glatthaferwiesen zu finden. In einer schmalen Flutmulde wächst ein Flutrasen mit einem kleinen Schlankseggen-Ried. Im Westteil existiert ein kleiner Quelltümpel, von dem aus ein kleiner Graben in Richtung Eder verläuft.

 

Zum NSG gehört auch an seiner nördlichen Grenze der südexponierte Hangwald, der als Übergangsgesellschaft zwischen Eichen-Hainbuchen-Wald und Hainsimsen-Buchen-Wald einzustufen ist. In einem kleinen Wärme liebenden Eichen-Felswald wachsen Astlose Graslilie und Mehlbeere.

 

Gut entwickelt hat sich ein um 1990 künstlich angelegter Altarm im Osten des Gebietes. Er wird von Schmalblättriger Wasserpest bewachsen, ein aus Nordamerika stammender Neophyt, der etwa seit 1985 im Kreis Waldeck-Frankenberg aufgetaucht ist. Außerdem haben sich hier Krauses und Kleines Laichkraut, Wasser-Hahnenfuß sowie Wasserstern angesiedelt. Der Altarm ist Kinderstube für zahlreiche Jungfische.

 

Detaillierte Informationen zu den Vegetationseinheiten finden Sie in "Naturschutzgebiete in Hessen" Band 4 (Seiten 192-193).

 

 

Kurzübersicht Tier- und Vogelwelt
Vögel: Durch die abgeschiedene, schwer zugängliche Lage ist das NSG ein günstiger Nahrungsraum für Schwarzstorch und Graureiher. Die Eder selbst ist optimal für Wasseramsel und Gebirgsstelze. Im Juli und August finden viele Vögel - von der Bachstelze bis zum Flussuferläufer - Nahrung auf dem insektenreichen Blütenteppich der ausgedehnten Bestände des Flutenden Hahnenfußes.

 

Amphibien: Feuersalamander, Bergmolch und Grasfrosch laichen in dem Quelltümpel und dem sich anschließenden Graben, Erdkröten im Altwasserarm.

 

Reptilien: Aus der Gruppe der Reptilien ist bisher die Waldeidechse bekannt.

 

Libellen: Die Libellenfauna der Eder wird besonders durch die stark gefährdete Kleine Zangenlibelle, die Blaue Federlibelle sowie die Blauflügel- und Gebänderte Prachtlibelle geprägt.

 

Bisher wurden 60 Schmetterlingsarten, darunter 32 Tagfalterarten, festgestellt. Den hohen ökologischen Wert des Waldteils belegen seltene Waldarten wie Silberfleck-Perlmuttfalter, Großer Perlmuttfalter und Blauer Eichen-Zipfelfalter.

 

Der Fund des in Deutschland gefährdeten Sechstropfigen Halsbocks im Jahr 2006, ein Wärme liebender Eichenholzbewohner in dem totholzreichen Waldteil, lässt weitere interesante Arten der noch nicht systematisch untersuchten Käferfauna vermuten.

 

In der Limnofauna der Eder ist der Nachweis von Perla burmeisteriana, einer carnivoren Steinfliegenart, bemerkenswert. Sie lebt in Bächen und Flüssen der Mittelgebirge. Ihr Restvorkommen in der Eder zählt zu den letzten Beständen in Deutschland.

 

Klicken Sie auf die Miniaturen, um sie zu vergrößern.



Genauere Informationen zu

Flora, Fauna und Insektenwelt

des Naturschutzgebietes finden sich

auf den Seiten 192 - 193 in:
„Naturschutzgebiete in Hessen“, Band 4:

Waldeck Frankenberg und Nationalpark Kellerwald-Edersee

 

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