Rezension des Jahrbuchs Naturschutz in Hessen - Band 16

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Ehrenamtliche Leistung aus Nordhessen für das ganze Bundesland
 

Jahrbuch Naturschutz in Hessen, Band 16 2015/16, Hrsg. Nordhessische Gesellschaft für Naturkunde und Naturwissenschaften (NGNN) e.V., cognitio- Verlag Niedenstein, ISBN 978-3-932583-46-9, 12,50 € (für Abonnenten 11,00 €), Bezug: info@cognitio.de

 



Jahrbuch Naturschutz in Hessen Band 16„Naturschutz in Hessen“ – bei diesem Titel des Jahrbuchs könnte man an eine Publikation denken, die amtlicherseits vom zuständigen Ministerium oder vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie herausgegeben wird. Aber weit gefehlt! Dieses Jahrbuch wird seit 20 Jahren ehrenamtlich herausgegeben, und das von einer Vereinigung, die gar nicht landesweit organisiert ist, der Nordhessischen Gesellschaft für Naturkunde und Naturwissenschaften. Das gleiche gilt übrigens für die Buchreihe „Naturschutzgebiete in Hessen“, zu der inzwischen fünf Bände vorliegen.  

Diese Leistung ist ganz wesentlich Lothar Nitsche aus Zierenberg zu verdanken, einem pensionierten Forstmann und ehemaligen Mitarbeiter der Oberen Naturschutzbehörde in Kassel, der von Anfang an Motor der Redaktion war und in den vergangen zehn Jahren als Vorsitzender der NGNN fungierte. Ihm gebührt großer Dank für seine unermüdliche Arbeit.

Auch der Anfang November 2016 erschienene Doppelband des Jahrbuchs trägt seine Handschrift. Bewundernswert, wie es ihm wiederum gelungen ist, so viele Text- und Bildautoren aus den verschiedensten Institutionen und Privatpersonen zu diesem Gemeinschaftswerk zusammenzuführen, etwa hundert an der Zahl. Das gelingt nur, wenn man über ein sehr gutes Netzwerk mit vielfältigen Kontakten verfügt und zugleich offen ist für unterschiedliche Positionen. Auch die verschiedenen Regionen Hessens sind in dem Jahrbuch präsent, von einem Beitrag über den Hessischen Wasserverband Diemel zum Thema Gewässerrenaturierung bis hin zum Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Einen thematischen Schwerpunkt bildet die Rhön mit sechs Beiträgen. 25 Jahre Biosphärenreservat Rhön sind dafür ein guter Anlass.

Auch der Kreis Waldeck-Frankenberg profitiert wieder von diesem Jahrbuch, sei es durch gebietsbezogene Artikel oder durch Anregungen zu aktuellen Naturschutzthemen, die auch bei uns bearbeitet werden.

Achim Frede und Katrin Menzler verfassten den Beitrag „Untersuchungen zur Biotopausstattung und Naturnähe im Nationalpark Kellerwald-Edersee“. Darin stellen sie den für die Entwicklung des Schutzgebietes grundlegenden Band 2 der Forschungsberichte des Nationalparks Kellerwald-Edersee vor.

 

Einen interessanten waldhistorischen Aspekt des Nationalparks beleuchten Marcus Schmidt, Andreas Möller, Falko Engel, Egbert Schönfelder und Werner Fortmann-Valtink. Der Titel dieses Aufsatzes lautet: „Welche Auswirkungen hatte die frühindustrielle Köhlerei auf hessische Wälder? Eine vergleichende Untersuchung im Reinhardswald und im Nationalpark Kellerwald-Edersee“.

 

Statt sehr mühselige Geländekartierungen betreiben zu müssen, boten hoch aufgelöste Geländemodelle aus Laserscanaufnahmen die Möglichkeit, die Köhler- oder Meilerplatten zu erfassen, um sich ein Bild vom Umfang der Köhlerei zwischen der Mitte des 17. Jahrhunderts und Ende des 19. Jahrhundert zu machen und so Einblicke in die Geschichte des Waldes zu gewinnen. Im Nationalpark Kellerwald-Edersee konnten 1308 Köhlerplatten nachgewiesen werden. Mit 23 Anlagen pro Quadratkilometer weist der Nationalpark eine deutlich höhere Zahl an Köhlerplatten auf als der Reinhardswald oder auch Harz und Schwarzwald.  

Der Beitrag „Die Wildkatze in Hessen“ von Susanne Schneider und Thomas Norgall zu den Ergebnissen des BUND-Wildkatzenprojekts (2012 bis 2015) bietet auch Informationen zum Vorkommen dieser Art im Kreis Waldeck-Frankenberg. Mit Hilfe der Lockstockmethode wurden in der Region Rothaargebirge-Kellerwald 36 Wildkatzen-Individuen nachgewiesen.

Über die „Auswirkungen des Schopperns auf die Reneration von Bergheide-Ökosystemen im Rothaargebirge“ berichten Franz-Löffler, Fabian Borchard und Thomas Fartmann. Beim Schoppern werden die Vegetationsdecke und die Rohhumusauflage bis zur Grenze des Mineralbodens abgetragen, um die Heide zu verjüngen. Mit dieser Methode wurden positive Erfahrungen in der Niedersfelder Heide (NRW) gemacht, die unmittelbar an hessisches Gebiet bei Willingen grenzt. Diese Methode wurde auch mit Erfolg in den Hochheide-Naturschutzgebieten im Waldecker Upland angewandt, so auf dem Kahlen Pön und  dem Osterkopf bei Usseln.

Als eine von 40 nationalen Verantwortungsarten wurde die Gelbbauchunke 2016 in einer alten Tongrube bei Reddighausen angesiedelt. Sie gehört damit wieder zum Arteninventar des Kreises Waldeck-Frankenberg. Somit dürften die Erfahrungen zum Schutz dieser Art, die anderenorts gesammelt wurden, von besonderem Interesse sein. Im aktuellen Jahrbuch berichten Matthias Kuprian, Nico Märker und Sibylle Winkel über die „Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz der FFH-Art Gelbbauchunke (Bombina variegata) in hessischen Naturschutz- und Natura 2000-Gebieten“.

Eine Anerkennung, über die sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der von NABU und HGON Waldeck-Frankenberg herausgegebenen Schriftenreihen freuen können, ist der Text von Lothar Nitsche „Dokumentation biologischer Erforschung des Landkreises Waldeck-Frankenberg – mustergültig und einmalig in Hessen“.

Es bleibt zu hoffen, dass das Jahrbuch „Naturschutz in Hessen“ auch künftig auf ehrenamtlicher Basis erscheinen kann, diese wichtige Publikation jedoch vom Land Hessen in erforderlichem Maß finanziell unterstützt wird.

Wolfgang Lübcke

 

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